Gemeindepräsidium
Anwärterin auf Neuendorfs Chef-Sessel: «Bei dieser Wahl wird es eng»

Sandra Kolly will die Nachfolge von CVP-Gemeindepräsident Paul Stöckli antreten. Ihr Gegner ist der ehemalige Präsident des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes Rolf Kissling. Der 53-Jährige steigt für die erstarkten Freisinnigen ins Rennen.

Erwin von Arb
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Sandra Kolly stellt sich als Gemeindepräsidentin zur Wahl.

Sandra Kolly stellt sich als Gemeindepräsidentin zur Wahl.

Erwin von Arb

«Dass die FDP Rolf Kissling ins Rennen für das Gemeindepräsidium schickt, hat mich nicht überrascht», sagt die CVP-Kandidatin und wiedergewählte Gemeinderätin Sandra Kolly zur Ausgangslage für den Urnengang vom 22. September. Die CVP habe bereits vor vier Jahren ihren vierten Sitz im siebenköpfigen Rat nur knapp halten können, bemerkt die 43-Jährige zum Sitzgewinn der FDP bei den Gemeinderatswahlen vom 9. Juni. Im Hinblick auf die Sitzverteilung im neuen Gemeinderat, in welchem CVP und FDP nun über je drei Sitze im Rat verfügen, komme der Anspruch der Freisinnigen auf das Gemeindepräsidium nicht aus heiterem Himmel. Den siebten Sitz im Rat besetzt übrigens UNE-Gemeinderat Beat Haller.

Die Gemeindepräsidentenwahl werde sehr spannend und der Ausgang sei völlig offen, meint Kolly darauf angesprochen. «Es wird sicher eng», schätzt sie. Vor ihrem Gegner Rolf Kissling habe sie grossen Respekt. Der ehemalige Präsident des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes habe natürlich einen hohen Bekanntheitsgrad und dürfe deshalb nicht unterschätzt werden.

An ihrem Willen, als Gemeindepräsidentin zu kandidieren, habe sich aber nichts geändert. «Politik macht mir einfach Freude, das ist meine Motivation», sagt Kolly spontan. Sie wolle sich für das Dorf und die Bevölkerung einsetzen. Wichtige Anliegen seien für sie eine gesunde Finanzpolitik mit moderatem Steuerfuss sowie die Erhaltung der Lebensqualität im Dorf. Dazu gehöre für sie auch die Verkehrssicherheit, welche mit dem aktuell laufenden Projekt für die flächendeckende Einführung von Tempo 30 in Quartieren sowie der Schaffung einer Begegnungszone rund um die Schulanlagen erhöht werden soll.

Handlungsbedarf ortet Kolly bei einer allfälligen Wahl zur Gemeindepräsidentin bei der Kommunikation der Einwohnergemeinde und des Gemeinderates. Diese müsse insgesamt besser werden. Auch eine Überprüfung der Strukturen in der Gemeindeverwaltung steht auf ihrer Pendenzenliste. «Wir müssen den ganzen Apparat durchleuchten und wo nötig Anpassungen vornehmen».

Dem oft gehörten Argument, dass sie sich als Frau nicht durchsetzen könnte, widerspricht Kolly. «Ich weiss mich sehr wohl zu wehren und der Sache dienliche Entscheidungen zu fällen.» Sie sei lange genug in öffentlichen Verwaltungen tätig gewesen, wo sie unter anderem auch ein Team von elf Leuten geführt habe. «Ich habe im Beruf und in der Politik gelernt, wenn nötig in der Sache hart zu sein, ohne dass der Mensch dabei unter die Räder kommt.» Auf diese Weise möchte sie als Gemeindepräsidentin auch den Gemeinderat führen. Sachpolitik wolle sie vor Parteipolitik stellen.

Im nun beginnenden Wahlkampf will Sandra Kolly vor allem mit ihren Erfahrungen auf kommunaler und kantonaler Ebene punkten. Die gebürtige Herbetswilerin ist seit 1993 in Neuendorf wohnhaft. Von 1995 bis 2002 arbeitete sie als Stellvertreterin von Gemeindeverwalter Willy Dollinger auf der Gemeindeverwaltung. Von Amtes wegen war sie während dieser Zeit als Aktuarin in die Planungskommission eingebunden. Später war sie Mitglied in der Schulkommission und aktuell nimmt sie Einsitz in der Industrie- und Gewerbekommission sowie in der Bau- und Liegenschaftenkommission. Beruflich ist sie zurzeit in der Privatwirtschaft in der Treuhandbranche tätig.

Politische Verantwortung im Dorf übernahm Kolly im Jahr 2009 mit ihrer Wahl in den Gemeinderat. Im selben Jahr wurde sie übrigens auch in den Kantonsrat gewählt. Inzwischen nimmt sie auch als Präsidentin der Kantonalen CVP die Interessen der Partei wahr und kommuniziert nach aussen. Für das Gemeindepräsidium wäre das Kantonsratsmandat sicherlich ein Vorteil, insbesondere wegen ihrer politischen Vernetzung und der direkten Kontakte in die kantonale Verwaltung, findet die Kantonsparlamentarierin.

Zur Gemeindepräsidentin gewählt werden möchte Kolly auch, weil sie einige im Gemeinderat aufgegleiste Projekte zu Ende führen möchte. Dazu gehören neben der erwähnten Verkehrsberuhigung im Dorf auch die über mehrere Jahre andauernde und in Etappen aufgeteilte Sanierung der Dorfhalle sowie die Neubauten des Kindergartens und des Feuerwehrmagazins. «Wenn ich gewählt würde, würde ich mein Bestes geben», verspricht Kolly. Dazu würde auch eine hohe Präsenz auf der Gemeindeverwaltung gehören. «Ich möchte nahe bei den Leuten und bei der Verwaltung sein. Das ist mein Anspruch.» Und wie will Sandra Kolly das alles unter einen Hut bringen? «Indem ich mein berufliches Pensum um 40 Prozent reduziere», entgegnet sie mit dem Verweis, dass sie als Single auch keine familiären Verpflichtungen zu erfüllen habe. Kolly ist seit bald 15 Jahren geschieden, wie sie erwähnt.

Die Stimmberechtigten werden am 22. September darüber zu befinden haben, ob sie Sandra Kolly von der CVP zur neuen Gemeindepräsidentin wählen oder FDP-Kandidat Rolf Kissling den Vorzug geben wollen. Wer sich noch keine Meinung bilden konnte, bekommt am 5. September um 19.30 Uhr in der Aula des Kreisschulhauses (altes Bezirksschulhaus) bei einem überparteilichen Podium die Gelegenheit dazu. Auf den Zahn fühlen wird den Kandidaten der stellvertretende OT-Chefredaktor Ueli Wild.