Der Gugler-Einfall, von dem heute immer noch gesprochen wird, fand vor genau 642 Jahren stand. Er war ein «Nebenschauplatz» des 100-jährigen Krieges, der in der Zeit vom 1337 bis 1453 mit Unterbrüchen zwischen Frankreich und England tobte. Im Jahr 1375 herrschte eine Zeit lang Waffenruhe zwischen den Kriegsparteien.

Da ergriff der französische Adelige Ingelram (Enguerrand, franz.) de Coucy die Gelegenheit, rund 22 000 (ältere Quellen sprechen von 40 000) arbeitslose Söldner, unterstützt von Frankreich, zu beschäftigen. De Coucy wollte mit dieser Armee sein ihm vorenthaltenes Mutter-Erbe von seinen österreichischen Verwandten zurückholen. Ingelrams Vater stammte aus der Picardie und war ein mächtiger Adliger seiner Zeit, seine Mutter war die Tochter des habsburgischen Königs Leopold I., Katharina.

Die mütterlichen Verwandten versagten Ingelram aber sein ihm zustehendes Erbe, altes Habsburgerland: das Aaretal vom Bielersee bis Olten, dazu der Aargau mit den Städten Aarau, Bremgarten, Lenzburg, Sempach, Sursee und Willisau. Schon seit 1370 verübten Söldner, vorwiegend Franzosen, Engländer und Bretonen im Elsass immer wieder Verwüstungen und Plünderungen. Im September 1375 setzten sich die Gugler, die man wegen ihrer kapuzenförmigen Helmformen (aus dem mittelhochdeutschen Gugel/e – Kapuze) so nannte, langsam Richtung Nordwestschweiz in Bewegung.

Der Überfall der Berner auf die Gugler bei Fraubrunnen, dargestellt in der Spiezer Chronik von 1485. Hinten sind die kapuzenartigen Helme der Söldner zu erkennen.

Der Überfall der Berner auf die Gugler bei Fraubrunnen, dargestellt in der Spiezer Chronik von 1485. Hinten sind die kapuzenartigen Helme der Söldner zu erkennen.

Keine Mittel für die Verteidigung

Der hier regierende Habsburger Herzog Leopold III. (er unterlag dann 1386 den Eidgenossen in der Schlacht bei Sempach und fiel selbst dort) hatte – wie oft – kein Geld um ein Heer gegen die Gugler aufzustellen. Auch die eidgenössischen Stände konnten sich nicht dazu aufraffen, eine Abwehr gegen die Söldner zu formieren.

Leopold III. beriet sich mit den Eidgenossen von Zürich, Bern, Luzern und Solothurn und am 13. Oktober fassten diese den Entscheid, den Angreifern mit dem Mittel der «verbrannten Erde» entgegenzutreten. Das bedeutete: Alle Bewohner sollten sich in befestigte Burgen und Städte zurückziehen; ihre Dörfer und Höfe sollten sie vorher selbst zerstören. So würden die Gegner im offenen Gelände schutzlos dem Hunger und der Kälte preisgegeben.

Am 25. November machte sich de Coucy auf in Richtung Süden. Von drei Pässen her, mit drei Truppenteilen wollte er in sein Eroberungsgebiet vordringen: vom Pierre Pertius, vom Oberen und vom Unteren Hauenstein. Da de Coucy keine Belagerungswaffen mit sich führte, blieben die stärker befestigten Orte oder Burgen bestehen.

Schon überrollte das Heer auf nach dem Unteren Hauenstein beim Hagberg in Trimbach eine kleine Abwehrtruppe des Grafen Rudolf IV von Nidau. Der Nidauer floh nach Büren a. A. Hingegen blieb Olten als befestigter Ort bestehen. Vollständig zerstört wurde aber das Städtchen Fridau bei Fulenbach. Die Gugler überquerten danach die Aare wahrscheinlich bei Wolfwil, denn dort am Aareufer gab es vorher noch den Ort Var oder Fahr.

Am Oberen Hauenstein wurde Waldenburg verwüstet, danach zog diese zweite Horde durch die Klus und setzte bei Aarwangen über die Aare. Von Westen her drang die dritte Gugler-Front am 4. Dezember in die Umgebung von Solothurn ein, verwüstete das Land rund um die Stadt, zerstörte das Städtchen Altreu und belagerte Büren a. A. Hier traf ein Pfeil den Grafen Rudolf IV von Nidau, Herr zu Balsthal. Er war der Letzte des neuenburgischen Zweiges und kämpfte vorher noch in Trimbach vergeblich gegen die Angreifer. Danach drangen diese Söldner ins Seeland ein.

De Coucy selbst quartierte sich im Kloster St. Urban ein. Sein südfranzösischer Hauptmann Jean de Vienne logierte im Kloster Gottstatt bei Biel und der walisische Hauptmann Owain Lawgoch (Ivo von Wales) im Kloster Fraubrunnen.

Einwohner wehrten sich

Vor allem die Bewohner der betroffenen Gegenden auf bernischem und luzernischem Gebiet und später auch die Stadt Bern organisierten den Widerstand gegen die Eindringlinge und fügten den einzelnen Heeren bei nächtlichen Übergriffen beträchtliche Verluste zu. Am 19. Dezember fielen 600 Entlebucher und Unterwaldner bei Buttisholz unweit des Sempachersees über die Feinde her und bereiteten ihnen eine blutige Niederlage.

Vom 25. auf den 26. Dezember formierten sich die Seeländer zu einem erfolgreichen Schlag gegen die Feinde, die in Ins stationiert waren. In der folgenden Nacht überfielen Berner die stationierten Gugler in Fraubrunnen und steckten das Kloster in Brand. Die Solothurner verteidigten vor allem ihre Hauptstadt, konnten aber einige Verwüstungen in der Vorstadt nicht verhindern.

Die Unerschrockenheit der einheimischen Bevölkerung, aber auch die Winterkälte und Kargheit des Landes bewogen die Gugler zur Rückkehr, ohne dass das, von de Coucy geführte Hauptheer zum Einsatz gebracht werden konnte. Im Februar 1376 hatte de Coucy genug und befahl den Rückzug nach Nordfrankreich. Das Land amtete auf.

Doch das Elend und die Verwüstungen, welche die Gugler hinterliessen, waren teilweise nicht mehr gutzumachen. Das Dorf Werd bei Härkingen ist seither verschwunden. Später wurde in der Nähe Neuendorf gegründet. Wedelswille bei St. Niklaus und Gurzelen zwischen dem Bieltor und Bellach, auch Gutzwil bei Zuchwil wurden entweder von der eigenen Bevölkerung verwüstet oder von den Guglern zerstört und nicht mehr aufgebaut.

Nicht mehr zu finden auch war Burg oberhalb Bettlach oder Bützingen bei Lüsslingen. Nahe Fraubrunnen, wo die Entscheidungsschlacht gegen die Gugler stattfand, gab es vor dem Einfall noch Günnikon und Hechelkofen und Lögsingen auf solothurnischem Gebiet. Im Thal blieb Willikon bei Matzendorf verschwunden, ebenso im Schwarzbubenland Luterchingen bei Dornach oder Liela bei Nuglar-St. Pantaleon.

De Coucy erhielt im Jahr 1387 in einem Vergleich mit dem späteren Habsburger König Albrecht III. die Herrschaft Büren und die Hälfte der Stadt Nidau als Pfand zugesprochen. Doch bereits ein Jahr später ging sein Besitz an die Städte Bern und Solothurn verloren.