Berufsmeisterschaften
Angehende Kauffrau: «Ich kann sicher von den Swiss Skills profitieren»

Für die angehende Kauffrau Tamara Meier aus Laupersdorf kommt bei den Berufsmeisterschaften Swiss Skills Mitmachen vor Gewinnen. Im Wettbewerb tritt sie gegen 23 Mitkonkurrentinnen an.

Franz Schaible
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Die Laupersdörferin Tamara Meier telefoniert am Arbeitsplatz.

Die Laupersdörferin Tamara Meier telefoniert am Arbeitsplatz.

Hanspeter Bärtschi

«Im ersten Moment habe ich abgewogen, ob ich überhaupt an den Berufsmeisterschaften Swiss Skills in Bern teilnehmen soll oder nicht», blickt Tamara Meier auf den vergangenen Frühling zurück. Haben die Vorbereitungen Platz neben meiner Arbeit und der Berufsschule, habe sie sich damals gefragt. Doch das ist Schnee von gestern. Meier hat sich zur Teilnahme entschieden. Sie lernt Kauffrau, Richtung Dienstleistung und Administration, und hat soeben das dritte und letzte Lehrjahr bei der Feuer- und Rauchschutzspezialistin Jomos AG in Balsthal in Angriff genommen.

Auf den Wettkampf aufmerksam gemacht habe sie ihr Lehrlingsausbildner. «Ich freue mich auf den Anlass und kann sicherlich davon profitieren. Insbesondere werde ich viele wichtige Erfahrungen sammeln können.»

Das ist bereits passiert. Sie musste nämlich im Vorfeld der Anmeldung bei der Interessengemeinschaft Kaufmännische Grundbildung Schweiz (IGKG), dem Berufsbildungsverband, antreten, sich persönlich und den Lehrbetrieb vorstellen und ihre Motivation darlegen. «Das ist gut über die Bühne gegangen.»

Grosses Schaufenster für die Berufawelt

Die Ausmasse der ersten zentralen Berufsmeisterschaften in Bern sind gigantisch: Über 1000 junge Berufsleute aus über 130 Berufen werden sich Mitte September an den Swiss Skills treffen. Dabei werden in über 80 Berufen die Schweizer Meisterinnen und Schweizer Meister erkoren. In den übrigen rund 50 Berufen werden Live-Demonstrationen geboten. Es ist eine Premiere, dass alle Berufsmeisterschaften an einem Ort gemeinsam und gleichzeitig durchgeführt werden. Die Wettkampf- und Showfläche auf dem Bernexpo-Gelände misst 80 000 Quadratmeter – 35-mal mehr als der Berner Bundesplatz. Die Organisatoren erwarten 200 000 Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz.

Gerechnet wird mit einem Budget von 50 Millionen Franken, inklusive der finanziellen Leistungen der Berufsverbände sowie der Organisation der Arbeitswelt (OdA). Unterstützt wird der Anlass von Bund, Kantonen und privaten Sponsoren. Dass die ersten Schweizer Berufsmeisterschaften 2014 stattfinden, hat zwei Gründe. Einerseits trat das neue nationale Berufsbildungsgesetz vor zehn Jahren in Kraft, und andererseits hat Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann 2014 zum Jahr der Berufsbildung ausgerufen. Ziel sei es, eine Bühne zu schaffen, um das «äusserst vielfältige Berufsleben zu präsentieren», heisst es in einer Medienmitteilung der Stiftung Swiss Skills. Die berufliche Grundbildung vermittle rund zwei Dritteln aller Jugendlichen eine berufliche Grundlage. Die Innovationskraft der Schweizer Unternehmen sei eng mit dem hiesigen Bildungssystem verbunden. Für die teilnehmenden Jugendlichen winken attraktive Herausforderungen. Die Besten unter ihnen können entweder an der Berufseuropameisterschaft in Lille im Oktober 2014 oder an der Berufsweltmeisterschaft in Sao Paulo 2015 teilnehmen. (FS)

Die Eröffnungsfeier ist am 17. September, und die Wettkämpfe finden vom 18. bis 20. September statt. Am 21. September geht die Schlussfeier mit der Vergabe der Medaillen und Auszeichnungen über die Bühne. Infos: www.swissskillsbern2014.ch.

Beruf bewusst gewählt

Den Beruf Kauffrau habe sie nicht zufälligerweise, sondern bewusst gewählt, erzählt die bald 18-jährige Laupersdörferin. Zuvor absolvierte sie mehrere Schnupperlehren, etwa als Tiermedizinische Praxisassistentin. Besser gefiel ihr bei den ersten Einblicken der Beruf als Kauffrau – «und am Besten bei meinem jetzigen Arbeitgeber». Auch heute ist die aufgeweckte junge Frau überzeugt, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. «Die Lehre als Kauffrau ist eine gute Grundausbildung, welche für eine spätere Karriere alle Wege offen lässt.» Dabei wäre für sie als Tochter einer Bauernfamilie eine andere Ausbildung nahegelegen. «Aber als Bäuerin sehe ich mich nicht. Das überlasse ich meinem älteren Bruder, der Landwirt gelernt hat», sagt sie lachend.

Im Vorfeld der Meisterschaften haben Tamara Meier und ihre 23 Mitkonkurrenten aus der ganzen Schweiz vier Aufgaben erhalten. Eine von zwei Einzelarbeiten lautet «Selbstmarketing». Dabei muss jeder eine 20-minütige Präsentation über sich, seinen Lehrbetrieb und die Erfahrungen in der Lehre halten. In zwei Teamarbeiten geht es darum, den Vertreter eines Detailhändlers im Ausland als Kunde zu gewinnen. Zudem müssen die Kandidaten eine Verkaufsstatistik für ein neues Produkt auswerten und präsentieren.

Die zusätzlichen Aufgaben an den beiden Prüfungstagen in Bern kennen die «Wettkämpfer» nicht. Damit das Ganze möglichst realitätsnah ist, kommen für alle Kandidaten authentische Arbeits- und Kommunikationsmittel einer existierenden Firma zum Einsatz. Für die Vorbereitung kann Tamara Meier auf die Unterstützung im Lehrbetrieb zählen. «Ich erhalte dafür genügend Zeit.» Zusammen mit der Arbeit im Lehrbetrieb und der Berufsschule werde die Belastung sicher noch steigen. Unter Druck fühle sie sich aber nicht. Und wenn, dann findet sie Entspannung und Abwechslung bei ihren Hobbys. Tamara Meier macht mit im Turnverein und im Reitverein. Mindestens einmal pro Woche reitet sie mit dem «familieneigenen» Pferd Gontessa aus.

Je näher der Wettkampf in Bern Mitte September rückt, desto nervöser werde sie wohl, gesteht sie ein. «Erwartungen im beruflichen wie persönlichen Umfeld sind natürlich da.» Zwar werde sie ihr Bestes geben, aber «für mich kommt Mitmachen vor dem Gewinnen». Es gehe darum, Chancen zu ergreifen und etwas aus dem Leben zu machen, meint sie fast philosophisch. Ihr Motto lautet denn auch: «Der Sinn des Lebens ist, dem Leben einen Sinn zu geben.»