«Im ersten Moment habe ich abgewogen, ob ich überhaupt an den Berufsmeisterschaften Swiss Skills in Bern teilnehmen soll oder nicht», blickt Tamara Meier auf den vergangenen Frühling zurück. Haben die Vorbereitungen Platz neben meiner Arbeit und der Berufsschule, habe sie sich damals gefragt. Doch das ist Schnee von gestern. Meier hat sich zur Teilnahme entschieden. Sie lernt Kauffrau, Richtung Dienstleistung und Administration, und hat soeben das dritte und letzte Lehrjahr bei der Feuer- und Rauchschutzspezialistin Jomos AG in Balsthal in Angriff genommen.

Auf den Wettkampf aufmerksam gemacht habe sie ihr Lehrlingsausbildner. «Ich freue mich auf den Anlass und kann sicherlich davon profitieren. Insbesondere werde ich viele wichtige Erfahrungen sammeln können.»

Das ist bereits passiert. Sie musste nämlich im Vorfeld der Anmeldung bei der Interessengemeinschaft Kaufmännische Grundbildung Schweiz (IGKG), dem Berufsbildungsverband, antreten, sich persönlich und den Lehrbetrieb vorstellen und ihre Motivation darlegen. «Das ist gut über die Bühne gegangen.» 

Beruf bewusst gewählt

Den Beruf Kauffrau habe sie nicht zufälligerweise, sondern bewusst gewählt, erzählt die bald 18-jährige Laupersdörferin. Zuvor absolvierte sie mehrere Schnupperlehren, etwa als Tiermedizinische Praxisassistentin. Besser gefiel ihr bei den ersten Einblicken der Beruf als Kauffrau – «und am Besten bei meinem jetzigen Arbeitgeber». Auch heute ist die aufgeweckte junge Frau überzeugt, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. «Die Lehre als Kauffrau ist eine gute Grundausbildung, welche für eine spätere Karriere alle Wege offen lässt.» Dabei wäre für sie als Tochter einer Bauernfamilie eine andere Ausbildung nahegelegen. «Aber als Bäuerin sehe ich mich nicht. Das überlasse ich meinem älteren Bruder, der Landwirt gelernt hat», sagt sie lachend.

Im Vorfeld der Meisterschaften haben Tamara Meier und ihre 23 Mitkonkurrenten aus der ganzen Schweiz vier Aufgaben erhalten. Eine von zwei Einzelarbeiten lautet «Selbstmarketing». Dabei muss jeder eine 20-minütige Präsentation über sich, seinen Lehrbetrieb und die Erfahrungen in der Lehre halten. In zwei Teamarbeiten geht es darum, den Vertreter eines Detailhändlers im Ausland als Kunde zu gewinnen. Zudem müssen die Kandidaten eine Verkaufsstatistik für ein neues Produkt auswerten und präsentieren.

Die zusätzlichen Aufgaben an den beiden Prüfungstagen in Bern kennen die «Wettkämpfer» nicht. Damit das Ganze möglichst realitätsnah ist, kommen für alle Kandidaten authentische Arbeits- und Kommunikationsmittel einer existierenden Firma zum Einsatz. Für die Vorbereitung kann Tamara Meier auf die Unterstützung im Lehrbetrieb zählen. «Ich erhalte dafür genügend Zeit.» Zusammen mit der Arbeit im Lehrbetrieb und der Berufsschule werde die Belastung sicher noch steigen. Unter Druck fühle sie sich aber nicht. Und wenn, dann findet sie Entspannung und Abwechslung bei ihren Hobbys. Tamara Meier macht mit im Turnverein und im Reitverein. Mindestens einmal pro Woche reitet sie mit dem «familieneigenen» Pferd Gontessa aus.

Je näher der Wettkampf in Bern Mitte September rückt, desto nervöser werde sie wohl, gesteht sie ein. «Erwartungen im beruflichen wie persönlichen Umfeld sind natürlich da.» Zwar werde sie ihr Bestes geben, aber «für mich kommt Mitmachen vor dem Gewinnen». Es gehe darum, Chancen zu ergreifen und etwas aus dem Leben zu machen, meint sie fast philosophisch. Ihr Motto lautet denn auch: «Der Sinn des Lebens ist, dem Leben einen Sinn zu geben.»