Seit Jahren versucht der Gemeinderat von Egerkingen die Lärmbelastung, der das Dorf durch die nahe Autobahn ausgesetzt ist, zu reduzieren. Im Zuge des vom Bund geplanten Ausbaus der Autobahn A1 zwischen Härkingen und Luterbach, der von 2022 bis 2025 erfolgen soll, eröffnete sich der Gemeinde jüngst eine neue Chance, weil damit einhergehend auch der permanent überlastete Autobahnanschluss Egerkingen sowie die Knoten an der Kantonsstrasse H5 und die Kreisel Schlegelmatt und Hausimoll an der Expressstrasse einer Überprüfung unterzogen werden.

Egerkingen legt eigene Variante vor

Um die Sicherheit in diesen Abschnitten zu verbessern, hat das kantonale Amt für Tiefbau (AVT) in einer Studie sechs Varianten für die Autobahnausfahrt Egerkingen erarbeiten lassen. Weil diese Vorschläge der Gemeinde Egerkingen zu wenig weit gingen, präsentierte ein vom Gemeinderat eingesetzter Ausschuss eine eigene Variante, die das Dorf spürbar vom Verkehr entlastet hätte. Die Forderung des Gemeinderates, diese grosszügige Ortsplanungsvariante neben den vom Projektausschuss ausgewählten Varianten zu prüfen, stiessen beim Bundesamt für Strassen (Astra) wie auch beim kantonalen Amt für Tiefbau auf wenig Verständnis. Das AVT vertrat gar die Ansicht, dass die Gemeinde mit ihrer Forderung eine eigentliche Umfahrung des Dorfes realisieren wolle. Damit gefährde Egerkingen den zeitlichen Horizont, dem Bundesrat im Jahr 2015 das generelle Projekt für den geplanten 6-Spurausbau vorzulegen.

Wenn die Gemeinde weiter auf dieser Forderung besteht, droht gemäss AVT die Gefahr, dass der Anschluss Egerkingen aus dem Perimeter fällt und damit ein Ausbau in weite Ferne rückt. In diesem Fall würde bei der Ausfahrt wie bereits in Oftringen eine Lichtsignalanlage installiert, um den Abfluss des Verkehrs ab der Autobahn zu gewährleisten.

Abfluss ab Autobahn hat Priorität

Im Egerkinger Gemeinderat löst dieser Gedanke Ängste aus. Befürchtet wird, dass sich der Verkehr in den Stosszeiten, wie in Oftringen von Ratsmitgliedern beobachtet, in Egerkingen ebenso stark zurückstauen könnte und damit die Strassen bis zum Gäupark oder bis ins Dorf verstopfen würde. Solche durch Lichtsignalanlagen verursachten Auswirkungen seien für das Astra sekundär, erklärte Rolf Riechsteiner vom Büro BSB + Partner, Oensingen, dem Rat an seiner Sitzung. Erste Priorität habe für das Astra der Verkehrsfluss ab der Autobahn. Riechsteiner verwies darauf, dass sich die Mehrheit des Projektteams, dem Vertreter des Astra, des AVT, des Amtes für Raumplanung, der Nachbargemeinden Hägendorf, Härkingen, Neuendorf und Oberbuchsiten sowie Egerkingen angehören, für die Variante «Durchbringung mit Spange +» ausgesprochen habe.

Diese Variante sieht vor, dass der Verkehr aus der Industriezone Härkingen und vom Gäupark vor der Einfahrt auf die A2 in Richtung Basel mittels einer spangenförmigen Strasse direkt auf die Kantonsstrasse H5 geleitet wird. Weiter ist vorgesehen, die Abfahrt der A1 von Zürich und Bern in Richtung Industrie Härkingen und Gäupark zu untertunneln und entlang der Expresstrasse in den Kreisel Schlegelmatten auf einer neu zu erstellenden Strasse abzuführen. Mit diesen Massnahmen könnten die zwei Knoten bei der Autobahnausfahrt entlastet und die nötigen Kapazitäten geschaffen werden, um das Verkehrsaufkommen gemäss Berechnungen die nächsten 30 Jahre bewältigen zu können, wie Riechsteiner erläuterte. Beim anfänglich auch diskutierten Grosskreisel sei das hingegen nicht der Fall, eine Überbelastung vorprogrammiert.

Ausfahrt A2 bleibt Schwachpunkt

Nicht vollständig entlastet wird der Knoten bei der Abfahrt von der A2 von Basel kommend, wo wegen der links in Richtung Industriezone Härkingen und Gäupark fahrenden Fahrzeuge in den kommenden Jahren bauliche Massnahmen nötig werden. Der Bau eines kleinen Kreisels könnte die Lage dort entspannen, wie Riechsteiner dazu bemerkte. Weitere Massnahmen und Optimierungen seien im Planungshorizont bis 2017 auch bei den Knoten Schlegelmatten und H5 möglich. Riechsteiner betonte, dass der Kanton dem Astra seinen Entscheid bis Anfang Oktober vorlegen müsse. Sonst sei der Zug abgefahren für diese Lösung und eine Lichtsignalanlage wohl unumgänglich.

Zustimmung mit Vorbehalt

Obwohl sich der Gemeinderat nicht wirklich für die vorgestellte Lösung begeistern konnte, verabschiedete er schliesslich mit 4 gegen 2 Stimmen die Variante «Durchbringung mit Spange +». Allerdings mit dem Vorbehalt, dass vom Astra und vom AVT dargelegt werden muss, welche Optimierungen beim Knoten Ausfahrt A2 und den Knoten Oltnerstrasse, Schlegelmatt vorgesehen oder möglich sind und welche Massnahmen für den Langsam- und den Fussgängerverkehr getroffen werden.