Tourismus
An Spitzentagen waren diesen Sommer Menschenmengen im Naturpark Thal unterwegs

Stephan Braun, zuständig für den Tourismus im Naturpark Thal, hat einen besonderen Sommer erlebt. An Spitzentagen waren Menschenmengen unterwegs. Vermehrt kämen auch Besucher aus dem Ausland.

Interview: Yann Schlegel
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Der Naturpark Thal, ein beliebtes Ausflugsziel in der Region
9 Bilder
Die Ruine Neu Falkenstein in Balsthal
Blick vom Scheltenpass in Richtung Guldenthal und Brunersberg (rechts oben)
Eine der beliebtesten Wanderrouten im Naturpark Thal ist jene durch die Wolfsschlucht.
Naturpark Thal
Eine der vielen Installationen entlang des Holzweges.
Über Holz auf dem Holzweg
1907 White Trees: Installation von Sammy Deichmann auf dem Holzweg
In Holderbank gibt es einen Poesieweg

Der Naturpark Thal, ein beliebtes Ausflugsziel in der Region

Aeberhard Christian

Die Sommerferien standen in diesem Jahr ganz im Zeichen von Corona. Viele Menschen verbrachten ihren Urlaub vor der Haustür. Auch der Naturpark Thal hat den Anspruch, den Tourismus in der Region zu stärken. Wie sich das Verhalten der Besucher entwickelt hat, weiss Stephan Braun. Seit zweieinhalb Jahren ist er beim Naturpark für diese Sparte zuständig.

Stephan Braun, wie wirkte sich die Situation um das Coronavirus in diesem Sommer auf den Tourismus im Naturpark Thal aus?

Stephan Braun: Was wir sicher merkten: Am Anfang stand alles still und dann kam eine erste Welle, als viele Menschen wieder raus konnten. Danach haben sich die Besucherzahlen auf einem guten Niveau eingependelt. In den Sommerferien hatten wir nun mehr Menschen im Naturpark als in anderen Jahren. Vielleicht täuscht der Eindruck aber. Vielen Restaurants fiel jedoch das Gruppen-Geschäft weg. Dort brachen die Zahlen stark ein und in diesem Bereich zieht es nur langsam wieder an. Teilweise wurden Buchungen bis im Frühling 2021 abgesagt.

Stephan Braun, Beauftragter Tourismus Naturpark Thal

Stephan Braun, Beauftragter Tourismus Naturpark Thal

zvg

Woher nehmen Sie diese Erkenntnisse? Wie kann man Tourismus in einem Naturpark messen?

Es ist eher eine subjektive Zunahme. Dies schliessen wir aus Gesprächen mit den Gastronomen und den Besuchszahlen an unserer Infostelle in Balsthal. Auch Übernachtungsanbieter sagen, dass die Auslastung überdurchschnittlich ist. Im Naturpark herrscht wieder eine positivere Stimmung vor und viele konnten an Spitzentagen die Menschenmengen nur mit grossem Aufwand bewältigen.

Letztmals führte der Kanton 2017 eine Wertschöpfungsstudie durch, in der auch der Naturpark Thal ein zentraler Bestandteil war. Ist eine Analyse in dieser Art wieder angedacht, um genauere Schlüsse ziehen zu können?

Etwas in diesem Umfang macht nach so einer kurzen Zeit keinen Sinn. Wir sind aber bestrebt aktuelle Zahlen zu erheben, um zu wissen, wo Handlungsbedarf besteht. Unsere Infostelle ist ein wichtiger Indikator. Letztes Jahr hatten wir rund 950 Besucher auf der Geschäftsstelle in Balsthal und ähnlich viele Menschen erkundigten sich per Telefon. Ein Gespür für die Entwicklung geben uns zudem die Gruppenangebote. In diesem Bereich erreichten wir ein leichtes Wachstum: 2015 kamen 65 Gruppen in den Naturpark, letztes Jahr waren es über 100.

In welchen Bereichen hat sich der Tourismus im Naturpark Thal über die letzten Jahre verändert?

Die Menschen fragen gezielt nach Angeboten, haben eine Vorstellung, wo sie hinwollen. Vermehrt kommen Touristen aus dem Ausland, zu uns in den Naturpark. Viele haben die Vorstellung, hier würden sie in einen «Park» eintreten und sie fragen uns, wo der Eingang ist. Den Mountainbike und E-Bike-Boom in den letzten Jahren spürten auch wir. Der Holzweg Thal ist derweil zu einer Marke geworden und auch die Wolfsschlucht wurde beliebter.

Bei diesen beiden Ausflugszielen verschärfte sich in diesem Sommer die Parkplatzproblematik. Welches Rezept haben Sie dagegen?

Nach einem runden Tisch mit Gemeinden und Polizei liegt der Ball bei uns. Aktuell versuchen wir, die Symptome zu bekämpfen. Wir erarbeiten Lösungen, die Anreisenden besser auf die verfügbaren Parkplätze zu lenken. Längerfristig haben wir aber das Ziel, die Menschen mit ÖV hinzulenken. Parkplätze gibt es im Thal genügend, nur nicht unmittelbar bei den Ausflugszielen. Diese sind jedoch mit Haltestellen verknüpft. Wobei wir nicht vergessen dürfen: Das Parkplatzproblem beschränkte sich auf einzelne Spitzentage.

Der Naturpark hat mehr als bloss den Holzweg und die Wolfsschlucht zu bieten. Wie vermitteln Sie dies?

Wir versuchen die Menschen auch aktiv zu lenken und andere Angebote in den Fokus zu nehmen. So liessen sich die Besucherströme besser verteilen. Eines meiner Lieblingsziele ist der weniger bekannte Poesieweg in Holderbank.

Sie «schimpfen» sich «nachhaltiger Tourismus», wie Geschäftsleiterin Ines Kreinacke zu sagen pflegt. Was fassen Sie darunter?

Der Begriff klingt tatsächlich abgedroschen. Wir achten bei Projekten, dass sie langfristig sind. Ein gutes Projekt muss aus der Bevölkerung kommen. Unsere Aufgabe ist es, die einzelnen Akteure zu vernetzen.

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