Zwanzig Jahre lang hat Emil Lämmle als Bürgergemeindepräsident von Neuendorf gewirkt. Ans Aufhören dachte er während dieser Zeit nie. «Wenn du gute Leute und Unterstützung hast, dann macht es Spass», sagt der 76-Jährige voller Elan. Dass er das Amt nun doch an seinen Nachfolger Peter Stöckli übergibt, liegt nicht etwa an Amtsmüdigkeit. «Ich hätte noch Ideen für 20 Jahre», meint Lämmle lachend. Er habe immer eine Vorwärtsstrategie gehabt. Aber die Jungen würden nicht verstehen, wenn einer erst mit 80 aufhöre. Daher gehe er lieber aus eigenem Antrieb.

1997 sei er im zweiten Wahlgang eindeutig gewählt worden, erinnert sich Lämmle. «Ich wusste, wie der Hase läuft, da ich ja zuvor schon zwanzig Jahre als Bürgerrat tätig war.» Der Gegenkandidat war erst frisch nach Neuendorf gezogen. Lämmle war unangefochtener Topkandidat.

«Wir haben die Bürgergemeinde geführt wie ein KMU», erzählt Lämmle, mit Angestellten und Lehrlingen. Etwa im Forstbetrieb, wobei dieser seit 2015 als eigenständiger Zweckverband der Bürgergemeinden Boningen, Gunzgen, Härkingen und Neuendorf geführt wird. Diesen sieht er als gute Lösung, was den Einsatz der Maschinen und des Personals anbelangt. «Er schreibt schwarze Zahlen.»

«Wir leben von der Kiesgrube»

Als eine der wichtigsten Angelegenheiten, mit denen er betraut war, stellte sich die Kiesgrube heraus. Sie gehört der Bürgergemeinde und dem Unternehmen Vigier. «Für die Bürgergemeinde ist sie eine wesentliche Einnahmequelle – wir leben von ihr», sagt Lämmle. Der Kiesabbau in der «Kies AG Neuendorf» ist nun auf zwei Jahre bewilligt bis Ende 2018 und erfolgt über das Baustoffzentrum Olten/Zofingen (BOZ). Die Einsprachen im Vorfeld seien indes ein «Riesenproblem» gewesen.

Weiter wurde das Reservat Aegerten dieses Jahr neu eröffnet. Es ist im Besitz der Bürgergemeinde und wird vom Natur- und Vogelschutzverein Neuendorf bewirtschaftet. Wie Lämmle erklärt, entstand das Biotop aus dem Abbau der Kiesgrube. «Ein sehr gutes Konzept» nennt er das Miteinander von Grube und Aegerten. Allerdings gibt er zu bedenken: «Ohne Freiwilligenarbeit kann so etwas gar nicht existieren.» Wäre der Natur- und Vogelschutzverein nicht, der sich ehrenamtlich um das Naturschutzgebiet kümmert, müsste dieses geschlossen werden.

Als Erfolg sieht er insbesondere den Bau der zwei Liegenschaften an der Werdstrasse und bei der Kirche. 31 neue Wohnungen konnten so vermietet werden. Ganz aktuell ist der Kauf der Raiffeisen-Liegenschaft vergangene Woche. «Die Bürgergemeinde hat gut verhandelt mit der Raiffeisenbank», sagt Lämmle. Das Gebäude sollte nicht der Spekulation überlassen werden. Der darin befindliche Volg-Laden solle zudem weiterhin erhalten werden, er laufe gut. «Ausserdem besteht die Möglichkeit, dass die Verwaltung der Einwohnergemeinde im oberen Stockwerk einzieht», sagt er.

Grosszügige Bürgergemeinde

Die Bürgergemeinde stehe finanziell gut da, sagt Lämmle. «Das ist der Grund, dass wir der Einwohnergemeinde gegenüber grosszügig sind.» Man dürfe schliesslich nicht vergessen, dass auch die Bürger Einwohner seien. Daher leiste die Bürgergemeinde Beiträge an die Vereine und an Anlässe. «Für das Dorfleben braucht es die Bürgergemeinde», glaubt Lämmle.

Es gab auch Missgunst

«Ich habe immer durchgekämpft, wenn etwas nicht gelaufen ist», sagt er. Vonseiten der Kommissionen habe es dann schon mal geheissen: «Deine Ideen sind super, aber sie geben Arbeit.» Er habe schon gehört, dass die zwanzig Jahre unter seiner Ägide die erfolgreichsten der Bürgergemeinde gewesen seien. Dennoch gab es auch Neid, Missgunst und anonyme Briefe. «Da musst du stark sein und drüber hinwegkommen», meint er schlicht.

Vor der Amtsübergabe liess er alle Reglemente auf den neusten Stand bringen. Seinen Nachfolger Peter Stöckli wird er bei einigen Firmen vorstellen. Da mit Lämmle auch der Vize- und der Allmendpräsident aufhören, wird sich der neue Ammann auf den Rat der Finanzchefin und der Bürgerschreiberin stützen können.