Amtsgericht Thal-Gäu
«Wir sind rein, haben etwas Geld bekommen und sind wieder raus» – Beschuldigter bezeichnet Überfall auf Postfiliale als «Blödsinn»

Im Februar 2018 wurde die Postfiliale in Matzendorf überfallen. Nun steht der Beschuldigte, ein damals 53-jähriger Schweizer, vor Gericht. Auch zwei weitere Delikte kommen zur Sprache.

Philipp Kissling
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Im Februar 2018 wurde die Postfiliale in Matzendorf überfallen. Der Beschuldigte soll 3700 Franken erbeutet haben.

Im Februar 2018 wurde die Postfiliale in Matzendorf überfallen. Der Beschuldigte soll 3700 Franken erbeutet haben.

Bruno Kissling

Das Motiv? «Reiner Blödsinn.» Oder: «Eine ganz blöde Idee.» Formulierungen, die auf die Überfallopfer wie blanker Hohn wirken dürften. Aber so schilderte Gustave R.* am Mittwochnachmittag vor dem Amtsgericht Thal-Gäu die Umstände, die zu den Verbrechen, denen er sich nun zu verantworten hat, geführt haben sollen. Auch vor Gericht steht Marin P.*, bei zwei Überfällen der Komplize von R.

Gustave R. hatte eine «ganz blöde Idee» am 6. Februar sowie am 1. und 2. März 2018 in die Tat umgesetzt. Den Auftakt machte er in der Postfiliale Matzendorf, die der damals 53-jährige Schweizer überfiel. Die Beute: 3700 Franken. Weiter ging es ein paar Wochen später in Niederbipp, neuerdings mit dem Komplizen Marin P., einem damals 48-jährigen Albaner. Aus dem Raub in der UBS-Filiale resultierte eine Summe von knapp 28000 Franken.

Dem nicht genug, folgte tags darauf in Courrendlin (JU) der nächste Coup: der Überfall auf die Raiffeisenbank. Der anschliessende Fluchtweg zum Unterschlupf dauerte nur kurz, denn Courrendlin war der Wohnort von Gustave R. Praktisch für die Polizei, die dem Räuberduo auf den Fersen war. Nur Stunden später klickten im Haus von R. die Handschellen und die Raiffeisenbeute von 87'000 Franken wurde sichergestellt.

Die geheimnisvollen Wölfe von Courrendlin

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Räuberduo mehrfachen qualifizierten Raub, mehrfache Geiselnahme und mehrfaches Vergehen gegen das Waffengesetz vor. Bei allen Überfällen kam die Pistole von Gustave R. zum Einsatz. Gemäss Anklageschrift war sie geladen, aber nicht entsichert. Die Beschuldigten beteuern, die Waffe sei nie geladen gewesen.

«Wir wollten ja niemandem etwas zu Leide tun, sondern nur ‹öppis Gäld übercho.›»

Den Ausdruck verwendete Gustave R. in der Befragung mehrmals. Zum Beispiel bei der Beschreibung der Tat von Courrendlin, die abgelaufen sei, wie die in Niederbipp: «Mir si ine, hei öppis Gäld übercho und si wieder use.» Wie er das sagte, in Schweizerdeutsch mit dem leichten Akzent eines Zweisprachigen, klang es fast wie Musik. Die verharmlosende Wortwahl wird der Ernsthaftigkeit der Sache nicht gerecht, zumal die Räuber zahlreiche unschuldige Personen in Post und Bank in Angst und Schrecken versetzt hatten.

Die Täter sind grundsätzlich geständig. Interessant wird unter anderem sein, wie das Gericht in der Waffenfrage urteilt. War die Pistole geladen, wie die Staatsanwaltschaft behauptet, oder nicht? Gustave R., beteuerte, die Waffe vor den Überfällen immer entladen zu haben. Daheim indes sei sie immer geladen. «Wegen der Wölfe», meinte er zur Verwunderung der Anwesenden im Gerichtssaal. Es dauerte bis zum Ende der Befragung von Marin P., bis das Rätsel um die geheimnisvollen Wölfe gelöst wurde: Auf Nachfrage seiner Verteidigerin gab P. an, er habe damals bei seinem Besuch im Garten von Gustave R. «fünf, sechs Wölfe» gezählt.

Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgeführt.

* Namen geändert.