Schwere Regentropfen und tiefe Nebelschwaden so weit das Auge reicht. Dazu noch winterliche fünf Grad Celsius: Petrus meinte es nicht gut mit den
Friday Night Cruisers (FNC), die gestern Sonntag die 33. Ausgabe der American Live, dem Amitreffen in Oensingen, durchführten. «Es ist schon schade, dass das Wetter schlecht ist. Wir haben natürlich auf bessere Wetterbedingungen gehofft», sagt FNC-Mitglied und OK-Präsident
Peter Voser mit einem Schulterzucken.

500 Autos

Wo bei schönem Wetter um die 2'000 Fahrzeuge um die Wette strahlen und gegen 15'000 bis 20'000 Besucherinnen und Besucher um die Autos herumschlendern würden, ist es an diesem Sonntag gerade einmal ein Bruchteil. «500 Autos bringen wir hin», meint Voser zuversichtlich, sein Kollege Markus Härri, selbst Mitglied der Friday Night Cruisers, nickt zustimmend: «Und vielleicht etwa 2'000 Besucher.»

Während der Platz morgens um 10 Uhr noch relativ trostlos ausgesehen hat, füllt er sich je länger, je mehr. Amerikanische Autos in allen Formen und Farben und mit quietschenden Getrieben fahren vor und hinterlassen Ölspuren auf dem nassen Asphalt: Mustangs, Corvettes, Cobras und wie sie alle heissen. Grosse, kleine, farbige, weniger farbige, jüngere und ältere. Als Oldtimer gilt, wer den Jahrgang 1986 oder älter hat und in einem guten Originalzustand ist.

Unter ihnen tummelt sich auch ein sogenannter Drag Race Car, mit welchem Viertelmeilen-Rennen, die vor allem in den USA populär sind, gefahren werden oder ein Ford Modell A aus den 1930er-Jahren. Und nicht wenige Exemplare mit kultigen Heckflossen, wo der Besucher meinen könnte, Elvis Presley würde demnächst aus einem entspringen. «Die meisten ausgestellten Autos sind aus den 1970er- und 1980er-Jahren», weiss Markus Härri und nennt den Dodge Charger und den Chevrolet Corvette als Beispiele.

Langsam, aber sicher nähert sich auch das Publikum, welches bunter gemischt nicht sein könnte: Familien mit kleinen und etwas weniger kleinen Kindern, Ehepaare, Jung und Alt. Zwei Sachen haben jedoch alle gemeinsam: Erstens sind sie alle dick eingepackt und lugen unter einem Meer aus Regenschirmen hervor. Und zweitens teilen sie alle dieselbe Leidenschaft: nämlich jene für die historischen Fahrzeuge.

«Es ist die Freude an den Autos, welche so viele verschiedene Menschen verbindet», weiss Markus Härri. Diese Freude widerspiegelt sich auch in den 80 bis 90 Mitgliedern der Friday Night Cruisers: Das jüngste Mitglied macht demnächst die Autoprüfung, das Älteste ist um die 80 Jahre alt. Vom Automechaniker bis zum Bankmitarbeiter sei alles dabei, meint Härri.

Pünktchenkleid und 50er-Anzug

Wer nicht wegen den Fahrzeugen hier ist, ist es wegen der Musik (im Festzelt wird Countrymusik und Rock 'n' Roll gespielt), der Kultur und dem ganzen Drumherum allgemein. Manche Besucher sind auch passend gekleidet: mit Pünktchenkleid oder
50er-Anzug. «Es ist erstaunlich, wie viele Leute trotz des schlechten Wetters jeweils kommen», stellt Peter Voser mit einer gewissen Freude und Erleichterung fest. Denn: «Die Vorbereitung des Anlasses gibt viel zu tun», weiss Voser. Zudem wisse man nie genau, wie viele Leute letztlich den Weg ans Amitreffen, welches nach zweijähriger Absenz wieder in Oensingen stattfand, schaffen. Anmelden muss sich nämlich weder Aussteller noch Besucher.

Die Devise für nächstes Jahr ist klar: Petrus soll es besser meinen.