Kammersrohr
Am «Mostitag» hatte es mehr Besucher als Einwohner

Am «Mostitag» konnte auf dem Mattenhof der frisch gepresste Apfelsaft genossen werden. Seit 17 Jahren wird in Kammersrohr gemeinsam gemostet und gefeiert.

Hans Peter Schläfli
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Mostitag auf dem Mattenhof in Kammersrohr
28 Bilder
Kiloweise Äpfel werden verarbeitet
Mattenhof-Pächter Toni Probst bei der Arbeit.
Mosten auf dem Mattenhof
So werden die Äpfel zur Presse gebracht
Mosten auf dem Mattenhof
Mosten auf dem Mattenhof
Alexander Wyser ist Lernender auf dem Mattenhof.
Mosten auf dem Mattenhof
Die Reste des Apfels... Alle Flüssigkeit kst rausgepresst
Den frischen, leckeren Saft gibts gleich zum Probieren
Alles hat seine Richtigkeit
Bauer Toni Probst
Mosten auf dem Mattenhof
Samira Molinari aus Günsberg probiert den frisch gepressten Most.
Mosten auf dem Mattenhof
Neben Äpfeln gibts auch kleine Geissen
Mosten auf dem Mattenhof
Mosten auf dem Mattenhof
Mosten auf dem Mattenhof
Mosten auf dem Mattenhof
Mosten auf dem Mattenhof
Mosten auf dem Mattenhof
Mosten auf dem Mattenhof
Mosten auf dem Mattenhof
Auch für die Verpflegung ist gesorgt, denn Mosten macht hungrig.

Mostitag auf dem Mattenhof in Kammersrohr

Hansjoerg Sahli

Wenn ein Dorf von dreimal so vielen Gästen besucht wird, wie es Einwohner hat, dann bricht normalerweise die Infrastruktur zusammen. Ausser in Kammersrohr, mit seinen 34 Einwohnern. Da, auf dem Mattenhof, haben locker hundert Leute auf den Festbänken Platz, wenn wieder einmal «Mostitag» ist.

Dann lässt Anton Probst die Mostpresse rattern, die Leute essen Wienerli mit Kartoffelsalat und in der Scheune wartet ein acht Meter langes Kuchenbuffet mit hausgemachtem Gebäck. Hier haben Heidi Wyss und viele andere Frauen vom Obst- und Gartenbauverein Günsberg und Umgebung gewirkt.

Nur die grosse Flasche, welche die spielenden Kinder möglichst nahe ans Ende der hölzernen Rutschbahn gleiten lassen sollten, ist eigentlich keine Most-, sondern eine Bierflasche. Das war dann aber schon der einzige kleine Schönheitsfehler des «Mostitags» auf dem Mattenhof. Sogar die milde Herbstsonne zeigte sich und wärmte die Geissen, deren Anblick das idyllische Bild der Hochstämmer im Garten vollendeten.

Ein Oberst gab den Namen

Oberst Urs Zur Matten, Hauptmann und Oberst in französischen Kriegsdiensten, wurde von König Karl dem IX. in den Adelsstand erhoben und kaufte sich am 14. September 1576 von den Gebrüdern Urs und Hans Biberstein aus Hubersdorf den Hof, der laut den Geschichtsbüchern seither Mattenhof heisst. Das Land reichte damals noch hinauf bis zur Schmiedenmatt, bevor es in den späteren Jahren mehrere Erbteilungen durchlief.

Am 2. Januar 1824 wurde zwischen Günsberg, Hubersdorf und Kammersrohr vereinbart, dass der Mattenhof Kammersrohr zugeschlagen wird, dass aber Schul- und Kirchensteuer nach Günsberg zu entrichten waren. Erst im Jahr 1840 wurde Kammersrohr durch einen Kantonsratsbeschluss zu einer selbstständigen Gemeinde.

Mosten ist Familientradition

Ganz so lange gibt es die Tradition des «Mostitags» zwar noch nicht, aber immerhin zieht das Fest schon seit 17 Jahren die Leute aus dem Unterleberberg und der weiteren Umgebung auf den Mattenhof. Schon sein Vater habe hier gemostet, sagt Toni Probst. Er will die Tradition noch lange weiterführen.

«Begonnen hat alles in einer Zeit, als die Eidgenössische Alkoholverwaltung die Produktion von Saurem Most und Schnaps förderte, damit die Bauern die Hochstämmer erhalten», erklärt der Bauer. «Damals ging der Obst- und Gartenbauverein mit seiner Mostpresse noch von Hof zu Hof. Das Produkt hat sich seither geändert. Alkohol ist problematisch, Süssmost ist besser. Aber Schnaps machen wir natürlich immer noch.»

So, wie der Saft aus der Presse fliesst, ist er nur zwei, drei Tage haltbar. «Wir erhitzen den Most vor dem Abfüllen kurz auf 78 Grad. Dann bleibt er sterilisiert ein ganzes Jahr gut.» Das sei aber nicht unbedingt nötig. «Frischer Most putzt durch, aber die Bakterien sind nicht schädlich», sagt Probst. «Ein Doktor kauft bei mir jedes Jahr frischen Most und trinkt wochenlang davon. Dem Doktor schmeckt der Most auch noch, wenn er ein wenig zu gären begonnen hat. Das ist ein wenig wie beim Sauser.»

Aus Freude an der Natur

«Ursprünglich wurde der Verein gegründet, um den Bauern bei der Kultivierung der Bäume zu helfen», sagt Leo von Arx, Präsident der Obst- und Gartenbauvereins. «Heute sind die Bauern bei uns sogar schon in der Minderheit. Die meisten haben einfach ein paar Bäume im Garten.» Das sei aber keine Voraussetzung.

Der Obst- und Gartenbauverein habe heute 67 Mitglieder. «Wir sind ein familiärer Verein. Viele Junge haben heute wieder Freude an der Natur und wir müssen nicht gross Werbung machen.» Neben dem «Mostitag» und der Generalversammlung sei das gemeinsame Schneiden und Pflegen der Obstbäume die Hauptaktivität.