Balsthal
Am Arbeitsplatz mit Kokain gedealt: Nigerianer muss sich vor Gericht verantworten

Ein 49-jähriger Nigerianer stand wegen des Verkaufs von Kokain an einen Arbeitskollegen vor Gericht. In der Verhandlung wurde er zum Geschichtenerzähler.

Erwin von Arb
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Während fünf Jahren versorgte Tayo B. einen Arbeitskollegen mit Kokain. (Symbolbild)

Während fünf Jahren versorgte Tayo B. einen Arbeitskollegen mit Kokain. (Symbolbild)

KEYSTONE

Vor Amtgerichtspräsident Guido Walser musste sich Tayo B. * wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Dem 49-jährigen Nigerianer mit Wohnsitz im Raum Olten wurde vorgeworfen, zwischen Dezember 2011 und Mai 2016 einem Arbeitskollegen zwei mal monatlich Kokain verkauft zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Gesamtmenge von 160 bis 200 Gramm Kokaingemisch mit einem durchschnittlichen Reinheitsgehalt von 40 Prozent im Gesamtwert von 16'000 bis 20'000 Franken aus.

Tayo B. erklärte auf Walsers Nachfrage, dass er mit diesen Kokainverkäufen an seinen damaligen Arbeitskollegen in einem Gäuer Transportunternehmen nichts zu tun habe. Er sei vielmehr der Vermittler zwischen seinem Arbeitskollegen und einem ebenfalls aus Nigeria stammenden Mann gewesen. Kennen gelernt habe er seinen Landsmann namens Kobe * über seinen Arbeitskollegen.

Kobe habe ihn oft in seiner Wohnung besucht. Dabei habe er ihm immer wieder sein Handy überlassen, weil Kobe kein Guthaben auf seinem Mobiltelefon gehabt habe. Dabei habe er mitbekommen, dass Kobe offenbar seinem Arbeitskollegen Kokain verkaufte und dass ihm dieser noch etwa 2000 Franken geschuldet habe. Um dieses Geld einzutreiben, habe er seinen Arbeitskollegen in Namen von Kobe mehrfach aufgefordert, diese Schulden zu begleichen. Auch von den über sein Handy an seinen Arbeitskollegen verschickten SMS wisse er nichts. Diese stammten allesamt von Kobe, versicherte der Angeklagte.

Arbeitskollege rief Polizei

Der Arbeitskollege von Tayo B. hatte diese Geschehnisse allerdings ganz anders in Erinnerung. Er fühlte sich vom Angeklagten bedroht und alarmierte die Polizei, um seinen Peiniger loszuwerden, wie Staatsanwalt Martin Schneider vor Gericht ausführte. Bei der anschliessenden Hausdurchsuchung bei Tayo B. sei zwar kein Kokain gefunden worden. Bei einen Untermieter seien indes ein weisses Pulver, das als Streckmittel Verwendung finden könnte sowie weitere Drogenuntensilen gefunden worden.

Der Mann sei inzwischen ausgeschafft worden. Schneider liess keinen Zweifel daran, dass er die von Tayo B. aufgetischte Version als ein Lügengebilde ansah: «Einfach eine Schutzbehauptung.» Der Staatsanwalt untermauerte seine Ausführungen mit den sichergestellten SMS vom Handy des Angeklagten.

Diese würden klar belegen, dass Tayo B. mit seinem Arbeitskollegen innerhalb des Betriebs kommuniziert habe. Der vom Angeklagten als Verfasser erwähnte Kobe könne diese SMS nicht geschrieben haben, sonst hätte dieser fast zu jeder Zeit im Betrieb auftauchen müssen, was nicht unbemerkt geblieben wäre.

Gericht glaubt Angeklagten nicht

Amtsgerichtspräsident Guido Walser verurteilte Tayo B. wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten bei einer Probezeit von 2 Jahren. Begründet wurde das Urteil in der Hauptsache mit den erwähnten SMS. Diese könnten nur vom Angeklagten stammen, befand das Gericht. Zudem habe der Arbeitskollege von Tayo B. kein Motiv gehabt, den Beschuldigten den Verkauf von Kokain in die Schuhe zu schieben.

*Namen von der Redaktion geändert