Thaler «Persönlich»

Am Anfang sind Kämme und «Mojo» noch auf Widerstand gestossen

Yvonne Höfliger, Björn Berg und Moderatorin Anita Richner im Gespräch.

Yvonne Höfliger, Björn Berg und Moderatorin Anita Richner im Gespräch.

«Persönlich», das Urgestein aller Talksendungen von Radio SRF 1, sendete am Sonntag live aus dem Hotel «Balsthal». Gäste waren Yvonne Höfliger, die in Mümliswil das Museum «Haarundkamm» leitet, und Mojo-Gründer Björn Berg.

Der Anspruch, die Menschen am Radio zu unterhalten und gleichzeitig ein Stück Geschichte aufzuarbeiten, ist löblich. Es war eine interessante Affiche, die Radio SRF 1 in seiner Programmvorschau versprach, als es mit «Persönlich» am Sonntagvormittag im Hotel «Balsthal» gastierte.

Der Wirtschaftsgeschichte Balsthals wollte das Urgestein aller Talksendungen auf den Grund gehen. Moderatorin Anita Richner hatte zwei Gäste eingeladen, die davon erzählen sollten: Yvonne Höfliger aus Winterthur, die in Mümliswil das Museum «Haarundkamm» leitet, und Björn Berg, der in Feldbrunnen lebt und von dort aus das von ihm erfundene Fruchtgetränk vertreibt.

Eine ungewöhnliche Gästewahl

Eine Kunsthistorikerin aus Zürich und ein Unternehmer vom unteren Zipfel des Kantons, die über die Balsthaler Wirtschaftsgeschichte erzählen? Eine ungewöhnliche Gästewahl, der sich Moderatorin Anita Richner durchaus bewusst war. Das Publikum durfte also gespannt darauf sein, wie die regionale Wirtschaftsgeschichte in die Gesprächsrunde einfliessen wird.

Das Publikum, das bestand zum einen aus Menschen aus der Umgebung, zum anderen aber auch aus einer überregionalen Fangemeinde, für die der Besuch der «Persönlich»-Sendungen zum sonntäglichen Ritual geworden ist.

Gewesene Industrieregion

Die Live-Sendung läuft gerade ein paar Minuten, als Yvonne Höfliger am Beispiel ihrer täglichen Reisen durch die Klus, dieser «abenteuerlichen, felsigen Landschaft mit den leerstehenden Fabrikgebäude der Von-Roll», eindrücklich daran erinnerte: Vor noch nicht allzu langer Zeit war Balsthal Teil einer Industrieregion. «Den Bahnhof Oensingen», offenbarte Höfliger, «gibt es eigentlich nur wegen der Von-Roll.» Und schon tauchte das Gespräch ein in die Welt der Eisenwerke und Papiermaschinen. In die Geschichte eines Ortes, in dem die Industrie einmal ein wichtiges Rückgrat bildete. Moderatorin Richner konnte sich kaum vorstellen, dass im Thal einst Hunderte von Schichtarbeitern gelebt haben. Yvonne Höfliger sprach gar von einem Phänomen, wie die Arbeiter damals in Dörfern wie Balsthal oder auch Mümliswil untergebracht worden sind.

Geschickt schaffte es Anita Richner, die Brücken zwischen einzelnen Gesprächsepisoden zu bauen. So rückte die Kammfabrik in Mümliswil, die 1990 dichtmachte und an die seither im Museum Haarundkamm erinnert wird, ins Zentrum der Talkrunde. Yvonne Höfliger erzählte von Bauernsohn Urs Joseph Walter, der im 17. Jahrhundert die Kammfabrik gegründet hatte. Sie berichtete vom Widerstand seiner Eltern, als Urs Joseph nicht nur Lesen und Schreiben lernen, sondern obendrauf auch noch «Strählmacher» werden wollte. «Die Kämme waren damals noch richtige Läusekämme.» «Und Läuse», glaubte Walter, «werde es immer geben.» Die Entschlossenheit von Walther hatte sich gelohnt: Die Kammfabrik wurde zum Zentrum der Schweizer Kammproduktion.

Richtige Tellerwäschergeschichte

Björn Berg zeigte sich beeindruckt: «Ein richtige Tellerwäschegeschichte.» Berg, Solothurner mit norwegischen Wurzeln, ausgebildeter Jurist und einstiger UBS-Banker, sah in der Geschichte von Urs Joseph Walter Parallelen zu seiner eigenen Karriere. Vor bald zehn Jahren hat Berg «Mojo», ein Mineralwasser mit natürlichen Fruchtsäften, erfunden. Auch er stiess zuerst auf Widerstand, Experten warnten ihn vor dem übersättigten Süsswassermarkt. Doch Berg liess sich nicht einschüchtern und vertraute ganz seinem Geschmack – der Erfolg gab ihm recht. Nicht ganz ernst gemeint stellte Berg fest: «Was ich mag, mögen neunzig Prozent der Menschen auch.»

Im Gegensatz zu Urs Joseph Walter hatte Björn Berg beim Gang in die Selbstständigkeit jedoch ein Hemmnis weniger: Er stammt aus einem Elternhaus, das ihm – wie er selbst sagte – «alles ermöglichen» konnte. Sein Vater ist Truls D. Berg, der ehemalige Attisholz-Konzernchef. Als Leiter der Papierfabrik Balsthal hat Truls D. Berg ein weiteres Kapitel der lokalen Industriegeschichte mitgeprägt. Daher rührt Björn Bergs erste Verbindung zu Balsthal. Zum anderen hat er während seiner Studienzeit aber auch selbst eine Zeit lang im Ort gelebt. Unvorstellbar sei es für ihn gewesen, erzählte Berg, als er für das Radiogespräch nach Balsthal gefahren sei und feststellten musste, dass die meisten der grossen Papierfabriken verschwunden seien.

Die Folge eines Strukturwandels, der vielen traditionellen Industriezweige im Kanton den Garaus gemacht hat. Oder, wie es Björn Berg erklärte: «Heute müssen sich hiesige Unternehmen anders differenzieren, um erfolgreich zu sein.» Die Feststellung Anita Richners, dass Berg mit seiner Getränkefirma ja selbst ein solches Unternehmen geschaffen habe, mündete in längeren Ausführungen von Björn Berg.

Das Gespräch drehte sich nun etwas hartnäckig um die Erfahrungen, die Berg bei der Einführung von «Mojo» mit Beizern und Detailhändlern gemacht hatte, und endete schliesslich in Anekdoten zu seiner norwegischen Herkunft.

Unter der Website von SRF kann die «Persönlich»-Sendung aus Balsthal nachgehört werden.

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