Im vergangenen September wurde der 1943 geborene, aus Basel gebürtige Bruno Leus mit dem Solothurner Kunstpreis für sein plastisches Schaffen ausgezeichnet. Kaum ein anderer Künstler habe den öffentlichen Raum des Kantons, aber auch jenen ausserhalb der Kantonsgrenzen, so geprägt wie Bruno Leus, heisst es in der Laudatio, füge doch der 74-jährige Plastiker aus Flüh seine Arbeiten derart gut in ihre Umgebung ein, dass sie niemals aufdringlich seien. Was nicht etwa bedeute, dass sie untergingen. Sie seien subtiler und stiller als Arbeiten anderer.

Dies gilt sicher auch für die Arbeiten im öffentlichen Raum wie vor der Amtsschreiberei Balsthal Klus, beim Oensinger Schulhaus Oberdorf, für die Skulpturen in Lostorf oder die «Klammer» im Mühlemattsaal in Trimbach. Seine «Werke gehören zu ihrer Umgebung, als wäre es nie anders gewesen». Und diese Subtilität lässt sich auch in dieser Ausstellung nach vollziehen, wenngleich diese Arbeiten, entweder aus mitteldichten Holzfaserplatten MDF geschnitten oder gefräst, sich wie moderne Icons präsentieren. Es sind comicartige oder ursprüngliche Zeichen zwischen polymorph, figurativ und organisch. Alle sind auf unterschiedliche Art lesbar und doch ist allen das Zeichenhafte, das Archetypische und Subversive gemeinsam. Fantasievolle Freiräume ermöglichen dem Künstler, die eigenen gestalterischen Räume auszuloten.

Comicartige Wesen

Die monochrom-pastellfarbenen oder geweissten MDF-Plastiken im ersten Raum tummeln sich an der Wand wie Comic-Figuren in einer durchaus eigenwilligen Choreografie. Vordergründig meint man sie zu erkennen, und doch entziehen sie sich dem Eindeutigen. Denn wie man sie dreht oder wendet, ihr Wesen geben sie nicht preis. Obwohl sie so spielerisch erscheinen, wirken die Objekte letztendlich doch eher zurückhaltend, manche leicht versponnen, andere illustrativ oder von dezenter Ironie. Die Leichtigkeit der zeichnerischen Linienführung und der anekdotische Moment vollzieht Bruno Leus gleichermassen in jenen Wandarbeiten, in denen er seine figurativ-organischen Geschehen in die MDF-Platte fräst und einfärbt. Während die kleinen schwarzen, polymorphen «Tropfen» im zweiten Raum als variationsreiche Puzzleteile an der Wand arrangiert sind.

Eine Holzplatte wird zur Stele

Das künstlerische Spektrum von Bruno Leus vertieft sich in den grafischen Arbeiten im Kellergewölbe. Die bearbeitete Druckplatte, die sich in einer der Grafiken wiederfindet, wird zum Blatt-Objekt. Die in schwarzweiss gehaltenen Hoch- und Tiefdrucke geben den polymorph-naturhaften Formen eine rätselhafte Ästhetik. Wie eben auch der «Sack». Hier verleihen die linearen Spuren, eingekratzt und eingefärbt in den auf eine Holzfaserplatte aufgetragenen Zementabrieb, dem Material eine neue Geschichte: Aus einer Holzplatte wird eine steinerne Stele allein durch die Wahrnehmung.