Wolfwil
Als Nonnen Skelette zusammensetzten

Am Kulturapéro in Wolfwil stellte der Oltner Historiker Urs Amacher sein Buch «Heilige Körper» vor. Dabei wusste er allerhand Wissenswertes und einige witzige Anekdoten aus seiner Recherche zu erzählen.

Trudi Stadelmann
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Urs Amacher verriet dem interessierten Publikum, wie er zu den zahlreichen Details für sein Buch kam.

Urs Amacher verriet dem interessierten Publikum, wie er zu den zahlreichen Details für sein Buch kam.

Trudi Stadelmann

Der Oltner Historiker Urs Amacher war am Sonntag zu Gast am Wolfwiler Kulturapéro, bei welchem er Einblicke in sein Buch «Heilige Körper» gewährte, in dem er über die elf Solothurner Katakombenheiligen schreibt. Begrüsst wurde der Referent im Beisein von rund zwanzig Interessierten von Bruno A. Wirth, dem Präsident der Wolfwiler Kulturkommission.

Nach seiner Lehre als Edelmetallprüfer holte Amacher die Erwachsenenmatur nach und studierte Geschichte und Französisch. Sein Hobby, das Stöbern in Archiven, konnte er so zum Beruf machen. In seinem Buch «Heilige Körper» befasst er sich mit einem Thema, das in Vergessenheit zu geraten droht. In seinem Vortrag zeigte er auf, dass es sich aber lohnt, sich mit diesem Teil der Geschichte zu befassen.

Elf Solothurner Heiligen auf der Spur

Viele werden sich fragen, was Katakombenheilige sind. Im antiken Rom wurden die Verstorbenen in den Katakomben unterirdisch begraben. Im 16. Jahrhundert, in der Zeit der Gegenreformation, wurden diese wiederentdeckt. Diese Toten kamen wie gerufen. Man ging davon aus, dass sie als Märtyrer für den christlichen Glauben gestorben waren und so galten sie als Heilige. So kamen deren elf auch in den Kanton Solothurn. Amacher zeigte den Weg dieser Heiligen anschaulich mit viel Bildmaterial auf.

Spannend waren auch seine Berichte, wie er in Archiven oder auf Estrichen Dokumente und Reliquien fand. So entdeckte er zum Beispiel im Kloster Namen Jesu ein Dokument, das Schritt für Schritt erklärte, wie die Nonnen, die kein grosses anatomisches Wissen hatten, die Skelette zusammensetzen mussten. So kann man lesen: «Soll von einem Doctor ... das khupfer (Druck von einem Kupferstich) entlehnet werden, allwo der Zahl nach das bainergerüst (Knochengerüst) ...zu ersehen».

Reliquien befanden sich schon vor dem sechzehnten Jahrhundert in der Schweiz. Im Barock bestand aber ein Bedarf nach ganzen Skeletten. So beantragten katholische Kirchgemeinde diese in Rom, oft mit der Begründung, dass sich die Häretiker über die kleinen Knöchlein lustig machen würden. Es wurde auch die Hoffnung ausgesprochen, dass sich diese wieder der katholischen Kirche zuwenden würden.

Skelette waren gratis zu haben

Aus dem Publikum kam die Frage, welchen Preis diese Heiligen hatten. Mit einem Schmunzeln verwies Amacher auf den Passus in einer Echtheitsurkunde, die besagte, dass Rom das Skelett «schenke». Die Skelette seien jeweils gratis gewesen, aber es mussten «Bearbeitungsgebühren» erstattet werden.

Amacher erwähnte in seinem lebendigen Vortrag kleine Details. So hat er viele Dinge durch Zufall gefunden. Er erwähnte dabei das Beispiel einer Bildertafel aus Malters, die im Comicstil die Geschichte des heiligen Jucundus erzählt. In der anschliessenden Fragerunde wusste ein Zuhörer von der Geschichte von zweihundert kleinen Reliquien zu berichten, die nur zufälligerweise im Wolfwiler Pfarrhaus gefunden wurden.