Es sind wohl die immer schneller wechselnden Verhältnisse im Alltag, die bei manch einem der älteren Generation das Bedürfnis wecken, aus seiner Kindheit zu erzählen. Wenn möglich in Buchform. Tatsächlich war in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg vieles selbstverständlich, das uns heute sehr kurios vorkommt. Nur: Die Erinnerungen wirklich aufschreiben und in einem Buch veröffentlichen, ist dann doch nicht alltäglich. Obwohl es die Technik heute relativ leicht möglich macht.

Gerhard Brunner, geboren 1940 in Welschenrohr, heute wohnhaft in Nussbaumen AG, hat den Schritt gemacht und ein 110-seitiges Bändchen veröffentlicht: «Welschenrohrer Kindheitserinnerungen». Er wählte für das Erzählen die Gegenwartsform, was das Lesen leicht macht. Aufgewachsen ist er in der Dorfkäserei, in der damals zur Sommerzeit täglich ein Laib Emmentaler Käse hergestellt wurde.

Seine Jugendzeit habe er als unbeschwert erlebt, schreibt Brunner, erwähnt aber gleichzeitig, dass er als Käserssohn dem Dorfklatsch ausgesetzt gewesen sei, was eben nicht nur Vorteile gehabt habe. Mutter Brunner führte den Käsereiladen, in dem es noch weitere Lebensmittel zu kaufen gab. Sie erfuhr jeweils postwendend von den Streichen ihres Sohnes. So bedankte sich einmal eine Frau für die grosszügige Spende in Form von «Ragusa» als Preis für das lokale Skispringen, das die Schuljugend organisiert hatte. Leider wusste Mutter Brunner nichts von der Spende. Weitere Preise erbettelten die Jungen in Allemanns Lädeli oder bei Bäcker Sieber, der die Randabschnitte aus der Cremeschnittenproduktion spendete.

Als das «Kreuz» niederbrannte

Weil Gerhard ein guter Schüler war, bekam er ein Luftgewehr geschenkt. Sein Vater stellte sechs Regeln auf, wo und worauf geschossen werden darf. Eine siebte Regel kam hinzu, als ein Nachbar beobachtet hatte, dass auch Spatzen und Amseln als Ziel dienten. Lobende Worte findet Brunner für die Lehrer. Das schreckliche Ereignis, der Vollbrand des Gasthofs Kreuz, habe der Lehrer zum Thema gemacht, die Kinder darüber erzählen und über die Gefühle Zeichnungen machen lassen, wie sie die Brandnacht erlebt haben.

Die Familie Brunner zog in den 1950er-Jahren aus Welschenrohr weg und Gerhard besuchte das Kollegium St. Michael in Freiburg mit dem Ziel, Forstingenieur zu werden. «Es sind wohl der winterliche Holzschlag mit Vater, die unzähligen Nachmittage in unseren Baumhütten im Wald und andere holzgeprägte Erlebnisse, welche die Liebe zum Wald und zu den Bäumen verankert haben», schreibt Brunner. Doch er wurde Ökonom und war in mehreren Unternehmen in Führungspositionen tätig.

Einheimisches Schaffen

Der Verfasser erzählt aber nicht nur von sich, sondern erwähnt auch, was die Gemeinde Welschenrohr von damals geprägt hat. Insofern enthält das Buch ein Stück erzählte Zeitgeschichte.

Komplett gemacht wurde das Werk aus Welschenrohr, indem Walter Schmid, langjähriger Gemeindepräsident und freier Mitarbeiter dieser Zeitung, ein Vorwort verfasste, und die Grico Druck AG die Produktion des Buches besorgte. Erhältlich ist es auf der Gemeindeverwaltung Welschenrohr sowie via E-Mail direkt beim Verfasser
brunnergm@bluewin.ch.