Mümliswil-Ramiswil
Als im Thal die Schmelzöfen glühten

An der Generalversammlung des historischen Vereins Guldental sprach Josef Bussmann darüber, wie die industrielle Revolution das Thal beeinflusste.

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In der Frühphase der Von-Rollschen Eisenwerke in der Klus stand ein Hochkamin.

In der Frühphase der Von-Rollschen Eisenwerke in der Klus stand ein Hochkamin.

zvg

Spuren von frühgeschichtlicher Erzverhüttung haben sich in der Gegend an verschiedenen Orten erhalten, betonte Josef Bussmann zu Anfang seines Vortrages. Die Anlagen dienten der Eisengewinnung aus dem regional abgebauten Bohnerz.

Der eigentliche Durchbruch ereignete sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als der Solothurner Ratsherr Ludwig von Roll in Gänsbrunnen und der Klus zwei Hochöfen zu betreiben begann, und in Matzendorf und Niedergerlafingen Hammerschmieden einrichtete. 1823 gründete er mit seinem Partner von Glutz eine der ältesten Aktiengesellschaften der Schweiz.

Höhere Kapazität dank OeBB

Eindrückliche Dias dokumentierten den steten Aufstieg der Firma, die ab 1850 vom wachsenden Wohlstand in der Schweiz profitierte. Im Zuge des Eisenbahnbaus und des steigenden Bedarfs an Wasserrohrleitungen und Heizöfen wurden die Anlagen in der Klus stetig vergrössert.

Wo vormals Fuhrwerke das Roherz herangekarrt hatten, schaffte ab 1899 die Oensingen-Balsthal-Bahn beträchtlich höhere Kapazitäten. Gleichzeitig wurden für die Arbeiterschaft Logierhäuser gebaut und für die Pendler in den umliegenden Dörfern Sammeltransporte organisiert.

Der Referent erwähnte, wie die Klus auch in Krisenzeiten durch die Produktion von Gewehrläufen, Granaten und weiterem Kriegsmaterial kräftig prosperierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier die Kuppel des Panzers 68 hergestellt.

Aus der Runde der Versammelten, deren Familiengeschichten teilweise mit dem Eisenwerk verbunden sind, wurden eigene Erfahrungen und Anekdoten eingewoben. Der unter den Gästen anwesende Präsident des historischen Vereins Matzendorf, Anton Fluri, ergänzte Bussmanns Fotomaterial spontan mit persönlich recherchierten Daten zur Eisenverhüttung im Thal.

In einem zweiten Schwerpunkt stellte der Referent den in Balsthal aufgewachsenen Flugzeugkonstrukteur August Haefeli (1887–1960) vor. Als im Ersten Weltkrieg die Schweizer Armee Bedarf an einer eigenen Luftflotte hatte, schlug Haefelis grosse Stunde.

Der Bürger von Mümliswil-Ramiswil gehörte mit den legendären «DH»-Modellen bis in die 1920er-Jahre hinein zu den grossen Gestalten der Schweizer Luftfahrtgeschichte. Seine DH-3 diente noch viele Jahre als Postflugzeug. Später verlegte sich Haefeli auf die Konstruktion von Motorfeuerspritzen. Mit einem solchen Gerät wurde 1941 auch die Mümliswiler Feuerwehr ausgerüstet.

Viel beachtete Ausstellung

Im geschäftlichen Teil durfte Kassier Josef Bader eine Vermögensvermehrung von über 1'700 Franken bekannt geben. Vereinspräsident Fredi Fankhauser und der Vorstand wurden für zwei Jahre wiedergewählt.

Der Präsident erinnerte im Jahresrückblick an die gelungene erste Vereinsexkursion nach Solothurn mit Führung durch Peter Jeker und wies auf den kommenden Ausflug vom 25. Juni hin. Dieser wird wiederum in die Region Solothurn führen und am Emmenkanal einem Stück Industriegeschichte nachspüren.

Einen speziellen Dank erhielt Vizepräsident Josef C. Haefely für seine viel beachtete Gedenkausstellung «Brandspuren». Dieser lud die Anwesenden zur DVD-Filmpräsentation vom 1. Mai und wie auch zum Kulturtag Thal zum Thema Brandbekämpfung ins Museum «Haar und Kamm» ein, wo auch die Haefeli-Spritze zu sehen sein wird. (mgt)