Balsthal

Als im Thal das Flugfieber ausbrach

25. September 1921: Eine Junkers F 13 ist soeben auf dem Balsthaler Moos gelandet.

25. September 1921: Eine Junkers F 13 ist soeben auf dem Balsthaler Moos gelandet.

Die fünfte Ausgabe der «Bauschtler Gschichte» fördert längst Vergessenes zutage. So wurde 1921 in Balsthal zum Flugtag eingeladen.

Wo heute Fussball gespielt, gebadet oder dem Reitsport gefrönt wird, fanden in den Jahren 1921 bis 1929 Flugtage statt: Im Balsthaler Moos. Aufgegriffen wurden diese längst in Vergessenheit geratenen Anlässe in der neuen Ausgabe der «Bauschtler Gschichte». Weiter erfährt man darin, wie englischen Touristen etwa vorgegaukelt wurde, dass ein Balsthaler schweizweit als Turner bekannt war, oder wie man in grauer Vorzeit arme Leute davon abhielt, sich in Balsthal niederzulassen.

Nicht nur für Balsthaler

Es ist bereits die fünfte Ausgabe der «Bauschtler Gschichte», herausgegeben von der Bürgergemeinde Balsthal; für die Redaktion und Texte sind Erich Altermatt, Doris von Burg, Heinz Grolimund, Kurt Heutschi, Frank Müller und Peter Wetzel verantwortlich. Auch wenn sich die Geschichten vorab um Balsthal drehen, so bereiten sie auch Auswärtigen viel Freude. Das Autorenteam weist darauf hin, dass es nicht um eine historische Aufarbeitung des Ortes Balsthal geht, sondern darum, Geschichten und Begebenheiten festzuhalten, auch solche, die über die Gemeinde hinaus eine Bedeutung haben. Das 60 Seiten starke Heft im Format A4 ist leserfreundlich gestaltet, enthält viel Bildmaterial und bewusst kurz gefasste Texte.

Flugplatz im Moos

Nach dem Ersten Weltkrieg griff die Faszination des Fliegens um sich, Flugtage lockten die Leute massenweise an, so auch in Balsthal. Am 25. September 1921 wurde dort zum ersten Flugtag eingeladen inklusive Möglichkeit für einen Rundflug, die rege genutzt wurde. Man rechnete mit Grossandrang, es fuhren Extrazüge. Vor staunendem Publikum landete unter anderem eine Junkers F 13 auf der grünen Piste im Balsthaler Moos. Ein Jahr später war sogar der prominente Pilot Walter Mittelholzer mit von der Partie. Leider war das Wetter schlecht, was finanzielle Auswirkungen hatte. Der organisierende Verein, die Sektion Balsthal des SAC Oberaargau, legte eine Pause ein, 1929 folgte offenbar der letzte Flugtag.

Die Engländer kommen

Eine vom ehemaligen Bürgerammann Walter Kamber mündlich überlieferte Geschichte lässt schmunzeln: Als die vornehmen Engländer im 18. Jahrhundert vermehrt die Schweiz bereisten, um Naturschönheiten zu bewundern, wollte der «Rössli»-Wirt Johann Brunner auch profitieren. Er machte Werbung für den eindrucksvollen Wasserfall des Steinenbachs. Weil dieser aber in den trockenen Monaten praktisch kein Wasser führte, sorgte Brunner mit einer grossen Wanne aus Holz – einer Bütte – oben am Wasserfall vor, um im gewünschten Moment Wasser zu Tal stieben zu lassen. Offenbar mit Erfolg: In englischen Reiseberichten ist ein Kupferstich aus dem Jahr 1754 enthalten, der einen wirklich grandiosen Steinenbach-Wasserfall zeigt.

Kunstturner von nationalem Ruf

Von Beruf war der 1908 geborene Robert Flury Strassen- und Brunnenmeister, und als solcher war er geschätzt und geachtet. Doch berühmt wurde er als Kunstturner durch die Nomination für das Regionalkader. Zusammen mit drei Kameraden siegte er 1934 an der ersten Schweizerischen Gerätemeisterschaft. In Balsthal wurde das Quartett mit einer Feier empfangen, wie man sie heute von Empfängen eines olympischen Siegers kennt. Flury war sogar für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin nominiert, doch ein Trainingsunfall machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Hausräuke reicht nicht mehr

Wie schafft man es, arme Leute davon abzuhalten, sich in der Gemeinde niederzulassen? Ganz einfach: Man verlangt Geld. Diese Massnahme wurde in Balsthal umgesetzt, als 1551 die Gemeinden verpflichtet wurden, für ihre Armen zu sorgen. Vorher lief der Prozess recht unkompliziert ab. Neubürger mussten einen Feuereimer anschaffen und die ganze Gemeinde zur Hausräuke bei Brot, Käse und Wein einladen.

Weitere Kapitel der «Bauschtler Gschichte» widmen sich dem traditionsreichen Malerbetrieb Bloch und Deubelbeiss, der Köhlerei und dem Gutleutehaus im Maiacker. Spannend ist eine Entdeckungsreise durchs Dorf anhand von Türen und Toren.

«Bauschtler Gschichte» 2015, erhältlich bei Papeterie Liselotte sowie Bürgergemeinde Balsthal.

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