Egerkingen

Als Filmkulisse ist die Fridau noch sehr gut geeignet

Die ehemalige Klinik Fridau oberhalb von Egerkingen ist als Drehort für einen Schweizer Fernsehfilm genutzt worden.

Die Sozialpädagogin Christa tritt 1977 nach ihrem Abschluss an der Uni Zürich mit Enthusiasmus ihre erste Stelle im Sozialdienst der ländlich gelegenen Psychiatrischen Klinik Sonnenhof an. Ihr Freund Marc arbeitet da bereits seit einem halben Jahr als Assistenzarzt. Beide sind sich einig, ihre frischen, modernen Ideen in das ehrwürdige Gemäuer zu tragen, das von Klinikleiter Dr. Sennhauser noch im alten Geist geführt wird.

Christa möchte so viele Patientinnen und Patienten wie möglich aus den Klinikmauern hinausbringen. Sie sollen ambulant betreut werden und so gut wie möglich am wirklichen Leben teilnehmen können.

Doch die Macht der alten Strukturen ist gross. Das junge Paar verstrickt sich bald in einem Geflecht aus Intrigen und Machtspielen. Dieses bedroht nicht nur ihre Beziehung, sondern gefährdet auch die Umsetzung ihrer Ideale einer «Neuen Psychiatrie».

Dies der Inhalt eines Fernsehfilmes, der momentan unter der Regie von Marcel Gisler gedreht wird. «Wir suchten für den Film nach möglichst authentisch gebliebenen Klinik- oder Sanatoriumsräumen, die nicht in Betrieb sind», erklärt der Zürcher Regisseur während einer Drehpause. «Dafür wurden eigens Location-Scouts engagiert, die sich mit unterschiedlichsten Gebäuden und Örtlichkeiten bestens auskennen.»

Doch Räume zu finden, die den Groove der Siebzigerjahre noch besitzen, war auch für die Fachleute nicht ganz einfach. Gisler erzählt, dass man einige Orte im Vorfeld besucht habe, bis man dann auf der Fridau und auf dem Allerheiligenberg fündig geworden sei. «In der Schweiz sind halt die in Betrieb stehenden Institutionen alle renoviert. Die Siebzigerjahre-Patina, die wir suchten, findet man nicht mehr.» Doch dann eben halt in diesen beiden, inzwischen geschlossenen Häusern. Gisler präzisiert: «Auf dem Allerheiligenberg drehten wir Szenen mit Gängen und Patientenzimmern, auf der Fridau jene, in denen Büroräume und die Kantine im Mittelpunkt standen.»

«Ein interessantes Thema»

Die Tage eines Filmdrehs sind lang, denn die gesamte Drehzeit des Fernsehfilmes beträgt lediglich fünf Wochen. «Das ist die normale Dauer für einen Fernsehfilmdreh», sagt Gisler. Inzwischen sei man in der zweiten Drehwoche angelangt. Auf der Fridau wurde an zwei Tagen gedreht.

Wer sich solche Dreharbeiten ansehen kann, wird staunen. Zunächst erscheint einem das Gewimmel von unterschiedlichsten Personen wie Licht- und Tonleute, Kameraassistenten, Kostüm- und Maskendamen, Kabelträgern, Requisiten- und Produktionsleuten sowie natürlich den Schauspielern und Komparsen als nicht überschaubar. Und man fragt sich: Sind sie alle hier nötig? Doch mit der Zeit bemerkt man, wie die unterschiedlichen Disziplinen miteinander arbeiten und jeder wie das Rädchen eines Uhrwerk zum Gelingen des Produktes beiträgt.
Am Set koordiniert Regieassistent Joel Glatz die Abläufe. «Stellprobe!», ruft er und die Hauptdarstellerin Anna Schinz übt, mit einem Esstablett, ihrem Siebziger-Jahre-Ledermantel auf dem Arm und Schlaghosen einen Essplatz am Kantinentisch zu erreichen. Regisseur Marcel Gisler beobachtet, gibt ein paar diskrete Hinweise; Anna Schinz probiert noch ein paarmal; die Kamerafahrt wird besprochen. Dann ruft Glatz: «Technische Einrichtung!» und die Kameraassistenten, Licht- und Tonleute beginnen, Kameraschienen zu verlegen und die Technik einzurichten.

Dann folgt eine «Probe mit Kamera» und Joel Glatz ruft lautstark «Ruhe!» durch den als Kantine eingerichteten kleinen Saal. Nach zweimaligem Probieren klappt auch das; Marcel Gisler hat via Bildschirm zugeschaut und gibt das Okay. Dann: «Wir drehen, Ruhe!» – und es wird mucksmäuschenstill. Die Tablett-Szene wird viermal mit «Klappe» wiederholt und ist dann im Kasten. Und dann geht es weiter zur nächsten Szene. Bis um 18 Uhr wird voller Konzentration gedreht, dann gibt es «Mittagessen» für die Crew.

«Heute haben wir schon schön Verspätung», sagt Gisler, der mit diesem Film zum ersten Mal eine Fernseh-Arbeit übernommen hat. Auch er ist müde, aber zufrieden. «Ich finde, es ist ein sehr interessantes Thema, welches von Drehbuchautor Martin Maurer aufgegriffen wurde.» Es sei geplant, dass der Film in diesem Herbst ins Fernsehprogramm kommt.

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