Welschenrohr
Als die Gemeinde zwei Millionen zahlen sollte – Gemeinderat erwirbt ehemals umstrittenes Areal

Aus dem Nachlass des im letzten Jahr verstorbenen Eigentümers einer Liegenschaft an der Hauptstrasse in Welschenrohr konnte der Gemeinderat in eigener Kompetenz zwei Grundstücke mit einem Wohnhaus und einer baufälligen Werkstatt in der Kernzone erwerben.

Walter Schmid
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Die Gemeinde konnte das Haus Nr. 91 nun erwerben.

Die Gemeinde konnte das Haus Nr. 91 nun erwerben.

Walter Schmid

Seit fast 30 Jahren lag das Land im Dorfzentrum mit einer Fläche von 14 Aren brach und trug nicht gerade zu einem gepflegten Ortsbild bei. Spektakulär ist ein Landkauf in dieser Grössenordnung in der Regel nicht. Aber hier handelt es sich um eine Liegenschaft mit bewegter Vorgeschichte.

Von Lebensmitteln zu Lastwagen

Vor über 50 Jahren stand hier das behäbige Wohn- und Geschäftshaus der Familie Altermatt mit einer Werkstatt, einer Tankstelle, einem Ladenlokal mit grossem Schaufenster und einem kleinen Lebensmittelladen. Sogar ein Kleiderladen wurde betrieben. Nach und nach schlossen diese Geschäfte, die Liegenschaft wurde verkauft und kam in den Besitz der Firma Liefrag. Diese richtete in der Altliegenschaft in der Kernzone einen Lastwagenreparaturdienst ein, was zu einem Rechtsstreit mit der Gemeinde und dem Kanton führte. Die Firma musste den Betrieb verlegen und verkaufte schliesslich die Liegenschaft an eine Privatperson, in deren Eigentum sie bis zum Ableben blieb.

Dramatisch wurde es an Heiligabend, den 24. Dezember 1986, als plötzlich ein Brand ausbrach und das alte Gebäude fast vollständig niederbrannte. Grund war ein defekter Holzofen. Die Bewohner konnten sich retten, die Feuerwehr kämpfte in der eisigen Winternacht gegen das riesige Feuer.

undefined Die abgebrannte Liegenschaft stand etwa auf dem Arealteil, wo hier das historische Brandbild zu sehen ist. 

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Walter Schmid

Zurück blieb eine Brandruine, die der Eigentümer unbedingt wieder aufbauen wollte. Entsprechende Gesuche wurden von der Gemeindebehörde wie auch vom Baudepartement abgelehnt. Das Verwaltungsgericht bestätigte den Entscheid und verfügte den vollständigen Abbruch. Einige Jahre blieb der gespenstische Zustand erhalten, zum Ärger von Behörden und Einwohnern. Dicht an der Hauptstrasse stand noch eine Mauer, die einzubrechen drohte und eine erhebliche Gefahr bedeutete.

Die Gemeinde forderte damals vom Staat den Bau eines Trottoirs zwischen dem Neubau Rosetta und dem Scheidweg, entlang der Hauptstrasse. Das Oberamt war mit der Ausführung des Abbruchs der Brandruine beauftragt. Nach Ablauf der Frist für den Abbruch forderte die Gemeinde vom Oberamtmann die Durchführung, damit der Schandfleck aus dem Dorfzentrum endlich verschwindet. Als dann die Baumaschinen auffuhren, stellte sich der Eigentümer dagegen und musste mit Polizeigewalt weggeführt werden. «Eine wüste Szene spielte sich damals vor dem Bagger ab», erinnert sich der damalige Gemeindeverwalter Thomas Mägli. Das Gebäude wurde jedoch geschleift, das Gelände eingeebnet. Die alte Werkstatt hingegen konnte laut Gerichtsentscheid erhalten bleiben, da sie nicht direkt an der Hauptstrasse stand. Der Kanton konnte immerhin nun das Trottoir bauen, was vor allem für die Kirchgänger und Kinder vermehrte Sicherheit brachte.

Gemeinde erhält Zahlungsbefehl

Nicht schlecht staunte Gemeindeverwalter Mägli dann, als ein Zahlungsbefehl über zwei Millionen Franken in die Gemeindekanzlei flatterte. Diesen Betrag forderte der geschädigte Eigentümer für den Schaden, den ihm die Gemeinde mit dem Abbruch verursacht hatte. Allerdings ohne Erfolg. So blieb das Areal fast 30 Jahre lang brachliegen, die Natur eroberte es sich zurück, Sträucher und Bäume wuchsen heran.

Nach dem Tod des Eigentümers konnte nun die Gemeinde das Areal im Dorfzentrum aus dem Nachlass erwerben, zudem auch die angrenzende Liegenschaft am Scheidweg mit dem Haus Nr. 91. So sicherte sich Welschenrohr nach langem Hin und Her ein wertvolles Grundstück in der Kernzone. Über die Verwendung kann noch nichts gesagt werden, immerhin liegt nun die Entscheidung bei der Gemeinde.

Die noch immer bestehende Werkstatt mit Schaufenster und uraltem Zigarettenautomat will der Gemeinderat möglichst bald abbrechen lassen.

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