Ich kenne den Berner Zibelemärit nicht. Auch der kleinere Oensinger Traditionsanlass hat mich bisher nicht erreicht. So bin ich dieses Wochenende erstmals über den Zibelimäret spaziert. Alphornklänge nahmen mich in Empfang. Ein Stück weiter lud der Klang einer Panflöte zum Verweilen ein. So auch die Zelte und Holzhäuschen am Strassenrand. Beim Blick hinein fiel auf, dass es an einem nicht mangelt: Essen. Ich deckte mich am Stand der Vebo-Bäckerei mit Biobackwaren ein. Die Schenkeli, Zigerkrapfen und Spitzbuben – mit Kürbisgesicht – läuteten für mich den Herbst endgültig ein. Auch die Marroni der IHC Roadrunners passen zur Jahreszeit. Für jeden Geschmack gibt es etwas: Tibetische Momos, Hamburger, Raclettte oder französische Crêpes. Zwischen den Essensständen versteckte sich Spielzeug, Bekleidung oder Bettwäsche.

Kinder basteln für Weihnachten

Auch in der Gewerbeausstellung mischten sich kulinarische und andere Eindrücke. Ich erhielt eine Weinberatung und gewann beim Glücksrad-Spiel eine Zahnpasta. Einige Besucher vergnügten sich mit Kartenspielen, Jugendliche versuchten einen Ball durch ein Labyrinth zu manövrieren und Kinder verzierten einen Seifenspender. «Seit vielen Jahren basteln wir mit den Kindern am Zibelimäret», erklärte mir Nadine Ritter, Filialleiterin von Bader Büro Design aus Oensingen. «Viele Kinder machen ihre Weihnachtsgeschenke hier.»

Auch im Lunapark drängen sich die jüngeren Zibelimäret-Besucher. Die Kinder freuen sich am Putschautofahren, die Jugendlichen lassen sich auf den wilderen Bahnen durchschütteln und auf den Kopf stellen.

Und eins fehlte natürlich auch nicht am Zibelimäret: Zwiebeln. Es gab Zibelichüechli, Zibelifiguren und bunte Zuckerzibeli. Die violetten Kugeln schmecken nach Veilchen, die grünen nach Pfefferminze und wonach die roten wohl schmecken?

Einige Stände hingen voller Zibeli-Zöpfe. «Wir machen die Zöpfe selber», erklären mir zwei Frauen des katholischen Kirchenchors. Die Zwiebel-Arbeit beginne für den Chor beim Oensinger Landwirten Pirmin Bobst. «Dort lesen wir unsere Zwiebeln heraus», erklären die Chor-Mitglieder. Dann werden die Zwiebeln geputzt, zu Zöpfen geflochten und mit Blumen verziert. «Zwei Wochen dauert diese Arbeit.»

Kaum noch Oensinger Zwiebeln

Die meisten Zwiebeln, die am Zibelimäret verkauft werden, seien im Seeland gewachsen. Am Stand von Annina Tschumi gibt es noch Oensinger Zwiebeln, erklärte mir diese. Früher seien in Oensingen viele Zwiebeln angebaut worden, vor allem Setzzibeli. Diese geben dem Markt seinen Namen. Heute gebe es am Markt kaum mehr Setzzwiebeln, dafür sonst viele Zwiebelsorten. «Ich verwende flach-runde Zwiebeln zum zöpfeln», so Tschumi. Andere benutzen kugelrunde Zwiebeln. Auch in der Grösse unterscheiden sich die Zwiebeln. «Es gibt kleine Saucenzwiebeln, die mittelgrossen Roller und die grossen Speisezwiebeln», erklärt mir Tschumi. «Und die ganz grossen Exemplare sind Metzgerzwiebeln.» So gebe es keine einheitliche Vorgehensweise beim Zöpfeln und die Zöpfe sehen von Stand zu Stand etwas anders aus. «Das Zöpfeln habe ich mir selber beigebracht, es braucht viel Kraft in den Händen», so Annina Tschumi. Sie weiss auch Zwiebel-Herzen zu flechten. Diese gefallen mir besonders – ich nahm eines mit. Gesättigt von den Eindrücken des herbstlichen Marktes ging ich am Abend nach Hause. Wer aber noch nicht genug hat vom Vergnügungsfest, kann heute, Montag, noch einmal den ganzen Tag und bis in die Nacht hinein den Zibelimäret geniessen.