Welschenrohr
Alleine im Bezirk Thal-Gäu müssen 64 mit Radium verseuchte Wohnungen saniert werden

In Räumen der ehemaligen Uhrenfabrik Technos in Welschenrohr wurde radioaktives Radium nachgewiesen. Neben der Fabrik müssen 64 Wohnungen und 49 Gärten saniert werden.

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Die Radiumverseuchten Räume in der ehemaligen Uhrenfabrik werden von einer spezialisierten Firma saniert.

Die Radiumverseuchten Räume in der ehemaligen Uhrenfabrik werden von einer spezialisierten Firma saniert.

zvg

Mit Radium wurden in den 60er-Jahren die Zahlen auf den Zifferblättern der Uhren in der Nacht zum Leuchten gebracht. Eingesetzt wurde das radioaktive Element auch für militärische Instrumente oder in der Medizin. Rückstände davon sind insbesondere in vielen Schweizer Uhrenfabriken vorhanden. So auch in der ehemaligen Uhrenfabrik Technos in Welschenrohr, wo Rückstände von Radium nachgewiesen wurden, wie an der 13. Generalversammlung des Vereins «Freunde der Thaler Uhrmacherei» erwähnt wurde (siehe Kasten).

Uhrenmuseum

Vizepräsident und Kurator Andreas Fluri konnte zur 13. Generalversammlung des Vereins «Freunde der Thaler Uhrmacherei» 18 Mitglieder begrüssen. Er verlas den Jahresbericht des Präsidenten, der auf die Höhepunkte des Vereinsjahres hinwies. 18 Gruppen, Schulen, Jahrgangstreffen, Lions-Clubs, Frauenvereine, insgesamt rund 700 Personen, besuchten das Museum im Jahr 2017.Mit der Teilnahme am Naturpark Märet und am Internationalen Museumstag bot das Museum Einblick in seine Tätigkeiten. Zudem ist es jeweils am ersten Sonntag im Monat geöffnet.

Einen guten Abschluss konnte Kassier Norbert Fink präsentieren, dies dank einer grosszügigen Spende der Familie Bastos-Allemann und dem jährlichen Beitrag der Einwohnergemeinde Welschenrohr. Der Mitgliederbestand hat sich bei 110 Personen eingependelt, wobei weitere Mitglieder herzlich willkommen wären. So bald als möglich soll der radiumversechte «Beatrice Bastos-Allemann»-Saal wieder eingerichtet werden. So können auch die Uhrenbaukurse angeboten werden.

Andreas Fluri berichtete über die Inventarisierung der Museumsobjekte, was zusätzliche Kosten verursacht und einen grossen Aufwand erfordert. Die Versammlung gedachte der beiden verstorbenen Mitglieder: Ehrenmitglied Alois Zäch und Pierre Blum. Walter Fust orientierte die Versammlung über den Nachlass von Alois Zäch, der in der Kulturfabrik umfangreiches Material eingelagert hatte. Fust hat sich der Verwertung der Sammlung angenommen und sucht mit allen Beteiligten nach Lösungen. Nebst Dokumenten und Material aus den Uhrenfirmen Roseba und Tourist umfasst die Sammlung Zäch auch Elektrogeräte der Firma Bruwa, Ersatzteile zu Borgward Automobilen und vieles andere mehr. Das Uhrenmuseum kann sich die Objekte auswählen, die für seine Bedürfnisse von Bedeutung sind - bevor dann entsorgt wird. (wsw)

Welschenrohr gehört zum historischen Zentrum der Schweizer Uhrenindustrie am Jurabogen, welche gemäss der vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Auftrag gegebenen Untersuchung am stärksten betroffen ist. Von den schweizweit insgesamt über 1000 Liegenschaften, in welchen möglicherweise mit Radium gearbeitet wurde, befinden sich 155 im Kanton Solothurn, 342 im Kanton Neuenburg und 289 im Kanton Bern. Die übrigen verteilen sich auf 13 weitere Kantone.

Wolfwil und Welschenrohr vorn

Laut der von der Universität Bern erarbeiteten Studie wurden in rund 700 der insgesamt über 1000 Liegenschaften mit Sicherheit Radium verarbeitet. In der Amtei Thal-Gäu sind die Gemeinden Aedermannsdorf, Herbetswil, Holderbank und Mümliswil mit je einer sowie Wolfwil mit drei Liegenschaften betroffen. Spitzenreiter ist Welschenrohr, wo nachweislich in acht Liegenschaften Radium eingesetzt wurde.

Bei weiteren 377 Liegenschaften in den erwähnten Kantonen ist gemäss der Studie noch unklar, ob tatsächlich Radium oder das harmlosere Tritium eingesetzt wurde. In der Amtei Thal-Gäu führt die Gemeinde Wolfwil mit zehn Liegenschaften mit möglichen Radium-Rückständen die Liste an, gefolgt von Holderbank mit zwei Liegenschaften sowie den Gemeinden Balsthal, Herbetswil, Kestenholz, Matzendorf, Oensingen und Welschenrohr mit je einem Objekt.

Arbeiten im Uhrenmuseum laufen

Bei über 400 Liegenschaften sind die Messungen bereits abgeschlossen. Dabei wurde festgestellt, dass 64 Wohnungen und 49 Gärten saniert werden müssen. Bereits angelaufen ist die Sanierung in der ehemaligen Uhrenfabrik Technos in Welschenrohr. Stark betroffen von Radiumrückständen sind der «Beatrice Bastos-Allemann»-Saal des Uhrenmuseums sowie weitere Räume. Kontaminiert ist zudem der Aussenbereich, der ebenfalls saniert werden muss.

Der «Beatrice Bastos-Allemann»-Saal wurde bereits geräumt und eine Spezialfirma steht im Einsatz. Der Raum darf nur noch mit Schutzmasken betreten werden. Der Boden wurde entfernt und als Sondermüll entsorgt. Die Kosten dürften sich auf über 100 000 Franken belaufen, wobei der Bund 95 Prozent übernimmt. Der Rest fällt für Hauseigentümer und eventuell für die Mieter an. Die Arbeiten werden durch eine Fernseh-Equipe dokumentiert.

 Im Uhrenmuseum, welches in Räumen der ehemaligen Uhrenfabrik Technos untergebracht ist, wurden Rückstände vom radioaktiven Radium nachgewiesen. 

Im Uhrenmuseum, welches in Räumen der ehemaligen Uhrenfabrik Technos untergebracht ist, wurden Rückstände vom radioaktiven Radium nachgewiesen. 

wsw

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