Welschenrohr

«Alle wollen sie streicheln und kennenlernen»: Welpe Nala ist der neue Star der Primarschule

Trotz Bedenken stimmte der Gemeinderat einem Kindergartenhund zu, sehr zur Freude der Kinder. Der elf Wochen alte Welpe begleitet die Klasse von Patricia Spiegel nun bereits seit etwas mehr als einer Woche.

«Nala, nein, aus!» Patricia Spiegels Stimme ist ruhig, aber bestimmt. Doch nützt alles Rufen nichts, Nala kaut noch immer am Fuss eines Mädchens rum. «Autsch, langsam tut es weh», meint dieses, kichert aber trotzdem und streichelt dem Fellknäuel über den Kopf.

Die Kindergärtnerin steht auf und zieht den Hund weg. «Wir sind lieb zueinander», mahnt sie den Welpen. «Oder etwa nicht?», fragt sie dann in die Runde. Die Kinder nicken eifrig. Spiegel setzt sich zurück auf den Stuhl und streckt Nala einen pinken Gummiknochen entgegen. «Da darfst du drauf rumkauen.»

Während der Hund mit dem Knochen beschäftigt ist, erklärt die Kindergärtnerin der Klasse, weshalb es wichtig ist, dass Nala ihre spitzen Zähnchen am Gummi stärken kann. Ausserdem sei Nala erst elf Wochen alt, also noch ein Baby und müsse noch Einiges lernen.

«Was machen wir, wenn Nala jammert?», fragt die Kindergärtnerin. Mehrere Hände werden blitzschnell in die Höhe gestreckt. «Wir dürfen sie nicht anschauen», sagt ein Mädchen. Denn dann gebe man dem Welpen Aufmerksamkeit und sie würde weiterjammern.

«Das wäre, wie wenn wir den ganzen Morgen lang weinen würden», erklärt Spiegel wieder. Die Kinder nicken. Wenn die Kindergärtnerin es den Kindern so erklärt, können sie verstehen, wie sie mit dem kleinen Hund umgehen müssen.

Erst im zweiten Anlauf genehmigt

Es ist eine Szene, wie es sie ab nun häufiger im Welschenrohrer Kindergarten geben wird. Denn der Gemeinderat hat einem Kindergartenhund zugestimmt. «Es war zwar ein bisschen ein Kampf», meint Spiegel. Denn in einem ersten Anlauf wurde das Projekt abgelehnt.

Zu gross waren die Bedenken, ob die Kindergärtnerin dann noch genügend Zeit für die Kinder hätte und sich diese überhaupt noch konzentrieren könnten. Erst, als die 28-Jährige in einem zweiten Anlauf das Projekt selbst vorstellte, wurde es angenommen. Daraufhin wurden die Eltern informiert, die angeben konnten, ob ihr Kind eine Allergie habe. Die Reaktionen auf den Entscheid seien auch bei den Familien sehr positiv gewesen.

«Ich wollte schon immer einen Hund haben und fand das eine schöne Idee für die Kinder», erklärt Spiegel ihren Einsatz. So kam Nala am 19. Januar zu ihr. Nur zwei Tage später durfte der Welpe zum ersten Mal mit in den Kindergarten kommen.

Mehr als nur ein Spielzeug

«Es läuft einfach super», schwärmt die Kindergärtnerin. Obwohl die erste Woche schon sehr anstrengend gewesen sei, sowohl für den Hund als auch für sie selbst. «Aber die Kinder lieben sie und sie liebt die Kinder.»

Immer wieder streicheln die kleinen Hände im Vorbeigehen über das weiche Fell, Nala ist mal bei diesem Jungen, dann wieder bei einem anderen Mädchen. Einige sind noch etwas vorsichtig, zucken zurück, wenn Nala ihnen etwas ungestüm zu nahe kommt, andere sind mutiger und spielen mit dem Welpen.

«Nala ist ein Frechdachs», sagt Spiegel, als sie wieder einmal den Pullover eines Kindes aus dem kleinen Mäulchen mit den spitzen Zähnen ziehen muss. «Aber sie gibt den Kindern wahnsinnig viel.» Sie könne trösten, schenke Vertrauen und durch sie lernen die Kinder Verantwortung und Rücksichtnahme. Nala ist also mehr als nur ein Spielzeug.

«Alle wollen sie streicheln»

Seitens der Eltern sind die Reaktionen noch immer sehr positiv. «Viele erzählen mir jetzt, dass die Kinder zu Hause nur noch von Nala reden», sagt Spiegel. «Auch im Unterricht merke ich ihre Freude. Die Kinder sind stolz, die Klasse mit dem Hund sein zu dürfen.»

Mittlerweile ist Nala an der Schule bereits eine kleine Berühmtheit. «Alle wollen sie streicheln und kennenlernen», erzählt die Kindergärtnerin. Für den kleinen Welpen ist das aber momentan noch etwas viel.

«Jetzt bleiben wir mal eine Minute lang ganz ruhig», trägt sie den Kindern auf. «Dann kann sich auch Nala beruhigen.» Und tatsächlich, sobald alle ganz still auf ihren Stühlen sitzen, hört Nala auf herumzutollen, tapst umher und lässt sich dann in der Mitte des Kreises auf den Boden fallen.

«Sie schläft oft die meiste Zeit», sagt Spiegel, sobald die Ruhe-Minute um ist. Doch inmitten von aufgestellten Kindern fällt es der Hündin gar nicht so leicht, einfach ruhig zu sein. Schon ist sie wieder auf den Beinen und tollt herum.

"Bringt unglaublich viel Freude"

Nala ist ein Nova Scotia Duck Tolling Retriever, auch Toller genannt. Diese Hunde seien sehr gelehrig und aktiv, erzählt Spiegel. «Es ist deshalb wichtig, dass Nala immer beschäftigt wird.»

Momentan besucht die Kestenholzerin zusammen mit ihrer Hündin die Welpenschule. In zwei Wochen werden die zwei in einem Obedience-Kurs schnuppern gehen. Obedience wird auch als Hohe Schule der Unterordnung bezeichnet und erfordert deshalb ein inniges Vertrauen zwischen Vierbeiner und Besitzer. Bis dahin muss Nala aber noch so einiges lernen.

Denn jetzt gerade hat sie sich den Schuh eines Mädchens geschnappt und rennt damit durch das Klassenzimmer. Die Kinder lachen vergnügt. «Der Hund bringt uns unglaublich viel Freude», sagt Spiegel, während sie den Welpen festzuhalten versucht.

Bald aber wird es Nala zu viel. Sie gähnt ausgiebig, legt sich unter einen Stuhl, seufzt noch einmal tief und schliesst inmitten aller Kinder und des Trubels ihre Äuglein.

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