Amtsgericht Thal-Gäu
Algerier muss wegen Messerattacke fünf Jahre ins Gefängnis

Der 40-jährige Algerier, der wegen versuchter vorsätzlicher Tötung seines Schwiegervaters vor dem Amtsgericht Thal-Gäu stand, muss ins Gefängnis.

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Der Algerier gab an, in seiner Not auf den ihm körperlich überlegenen Mann eingestochen zu haben. (Symbolbild)

Der Algerier gab an, in seiner Not auf den ihm körperlich überlegenen Mann eingestochen zu haben. (Symbolbild)

Keystone

Amtsgerichtspräsident Guido Walser stellte bei der Urteilsverkündung fest, dass das Amtsgericht Thal-Gäu zur Auffassung gelangt sei, dass weder der Täter noch das Opfer bei der letzte Woche abgehaltenen Gerichtsverhandlung die Wahrheit gesagt hätten. Walser sprach damit die Ereignisse vom 5. September 2015 an, als Faruk F. * vor einem Mehrfamilienhaus im Gäu auf seinen damaligen Schwiegervater traf.

Der zu jenem Zeitpunkt im Raum Solothurn wohnhafte Algerier war mit seinem Kind angereist, um es seiner getrennt von ihm lebenden Frau zurückzubringen. Weil diese und sein zweites Kind nicht anwesend waren, trommelte der damals 39-jährige Mann aus Verzweiflung auf das Auto seines Schwiegervaters und hinterliess dabei eine Beule im Blech.

Bis zu diesem Zeitpunkt stimmen die Aussagen der beiden Männer überein, danach gibt es zwei Versionen. Faruk F. hatte behauptet, sein Schwiegervater habe ihn in der Folge wegen der Delle am Auto aus Wut mit Faustschlägen traktiert. In seiner Not habe er mit seinem Taschenmesser auf den ihm körperlich überlegenen Mann eingestochen. Spuren dieser angeblichen Faustschläge wurden damals aber keine gefunden.

Der Schwiegervater hatte hingegen erzählt, Faruk F. habe ihn von hinten attackiert, als er mit dem Kind auf dem einem Arm und einer Einkaufstasche in der anderen Hand, zur Haustür gegangen sei. Auch diese Geschichte könne nicht stimmen, so Walser. Der Angeklagte sei Rechtshänder, «die fünf Stichwunden hätten also auf der rechten Körperseite sein müssen.» Zudem hätte der Beschuldigte bestimmt nicht auf den Mann eingestochen, während dieser sein Kind auf dem Arm getragen habe.

Das Gericht geht deshalb davon aus, dass die zwei Männer aneinandergeraten sind. Wer angegriffen hat, bleibt offen. Faruk F. wurde aber zugestanden, in Notwehr gehandelt zu haben, allerdings unverhältnismässig und unter Inkaufnahme des Todes des Opfers.

Deshalb wurde er vom Gericht wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Dazu kommen noch zwei Monate wegen mehrfacher Drohung, Beschimpfung und Sachbeschädigung. Seinem ehemaligen Schwiegervater muss Faruk F. eine Genugtuung in der Höhe von 10'000 Franken bezahlen. (eva)

Name von der Redaktion geändert