Am 30. April 2015 herrschte bereits um 8.52 Uhr grosse Aufregung in der Vebo. Grund dafür war eine per E-Mail eingegangene Drohung, dass sich im Keller eine Bombe befinden soll. Das Gebäude sollte deshalb evakuiert werden. Dazu kam es allerdings nicht, weil die umgehend aufgebotene Polizei nach der Durchsuchung der Kellerräume keine Bombe sichten konnte und deshalb Entwarnung gab.

Untersuchungen der Ermittlungsbehörden zeigten, dass die Bombendrohung über das hauseigene WLAN-Netz der Vebo verschickt worden war. Am selben Tag, aber rund fünf Minuten vorher, wurde mit dem selben Account und wiederum über das Vebo-WLAN-Netz auch an das Berufsbildungszentrum in Solothurn per E-Mail eine Bombendrohung verschickt. Auch in diesem Fall war rasch geklärt, dass sich im Gebäude keine Bombe befand.

Inhaber des Accounts geortet

Für die «Mehrfach versuchte Schreckung der Bevölkerung» und für «Mehrfach falschen Alarm», machte die Staatsanwaltschaft Andreas R. aus dem Oberaargau verantwortlich. Dies, weil die Mails nachweislich über den Account und das Handy des 23 Jahre alten Mannes verschickt worden waren.

Andreas P. erklärte gegenüber Guido Walser, Präsident des Amtsgerichtes Thal Gäu, dass er mit diesen Mails nichts zu tun habe. Er könne sich nur vorstellen, dass sein Account gehackt worden sei. Dasselbe gelte für die am 7. Mai um 9.24 und 9.26 Uhr über das WLAN-Netz der Vebo verschickten Bombendrohungen an die Stiftung Lerchenbühl in Burgdorf sowie wiederum an die Vebo Oensingen. Verantwortlich sei er auch nicht für die um 9.41 Uhr an die Abteilung Busseninkasso im Gebäude der Justizabteilung des Kantons Berns. Zudem seien diese Mails über einen ihm nicht bekannten Account verschickt worden.

Vater gibt dem Sohn ein Alibi

Rechtsanwalt Christian Werner rief als amtlicher Verteidiger von Andreas P, dessen Vater in den Zeugenstand. Dieser beteuerte, dass sein Sohn nicht für die am 30. April 2015 kurz vor 9 Uhr verschickten Mails verantwortliche gemacht werden könne. Daran könne er sich genau erinnern, weil die Polizei an diesem Tag beim im Elternhaus lebenden Sohn eine Hausdurchsuchung gemacht habe. Zudem hätte er es bemerkt, wenn sein Sohn das Haus verlassen hätte. Dazu komme, dass sein derzeit arbeitsloser Sohn nicht vor 10 Uhr morgens aufstehe. «Dass er an diesem Tag früher aufsteht, und 30 Kilometer Autofahrt auf sich nimmt, um in Oensingen diese Mails zu machen, halte ich für unmöglich», so der 60-jährige Oberaargauer. Zu den Bombendrohungen vom 7. Mai 2015 könne er nichts sagen, weil er damals nicht zu Hause gewesen sei.

Keine schlüssigen Beweise

Der Anwalt von Andreas P. verwies in seinen Ausführungen auf die dünne Beweislage der Staatsanwaltschaft. Die Spezialisten der Kantonspolizei hätten weder auf dem Handy und noch den Laptops seines Mandanten rechtlich relevante Daten gefunden. Zudem habe Andreas P. auch kein Motiv, die Vebo mit Bombendrohungen einzudecken. Dazu hatte der Angeklagte bemerkt, dass er zwischen Mai 2014 und Februar 2015 in der Vebo gearbeitet habe. Dies nach einer Depression, um seiner Arbeitsbelastbarkeit zu prüfen, wie Andreas P. gegenüber dem Richter erwähnte. Zu den anderen bedrohten Parteien habe sein Mandat gar keine Verbindung. Werner verwies stattdessen auf die Bombendrohung in der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Solothurn vom 24. September 2015 (wir berichteten). «Vielleicht ist das ja der wirkliche Täter, auf keinen Fall aber mein Mandant», stellte Werner in den Raum.
Nach einer kurzen Beratung sprach Amtsgerichtspräsident Guido Walser Andreas R. in beiden Anklagepunkten wegen erheblicher Zweifeln frei. Ausschlaggebend dafür sei die Aussage des Vaters gewesen, welche das Gericht als glaubwürdig beurteilt habe. «Sonst hätte er seinem Sohn für das zweite Datum ein Alibi verschafft», so Walser. Zudem traue das Gericht dem jungen Mann die Kaltblütigkeit nicht zu, kurz nach der Hausdurchsuchung gleich wider Bombendrohungen zu verschicken. Andreas R. konnte nach der Gerichtsverhandlung wieder lachen. «Ich habe ja gewusst, dass ich unschuldig bin, jetzt ist es amtlich.»