Die Scheltenstrasse – oder besser – die Scheltenpassstrasse (1051 m ü M.) verbindet den Kanton Solothurn via Guldental (Mümliswil-Ramiswil) mit dem Kanton Jura. Die Strasse erschliesst einige Berghöfe im Guldental, ist aber auch Zufahrts- und Pendlerstrasse nach Schelten oder Mervelier und ist – vor allem an den Wochenenden – ein beliebtes Ausflugsziel.

Täglich fahren um die 270 Fahrzeuge über die Strasse. Der Strassenverlauf, wie er sich heute präsentiert, wurde während des Ersten Weltkrieges gebaut und wurde als Bergstrasse konzipiert. Sie ist durchschnittlich 4,5 Meter breit und hat einige Ausbuchtungen zum Kreuzen.

So präsentieren sich die Sanierungs- und Strassenverlegungsarbeiten auf der Scheltenstrasse. Die Sanierung beginnt ab Restaurant Guldental. Die gesamten Bauarbeiten dauern vorausslichtlich bis 2020.

So präsentieren sich die Sanierungs- und Strassenverlegungsarbeiten auf der Scheltenstrasse. Die Sanierung beginnt ab Restaurant Guldental. Die gesamten Bauarbeiten dauern vorausslichtlich bis 2020.

Besonders im Bereich zwischen dem Restaurant Guldental und dem Bereich Glashütte wird die Strasse zwischen einer sehr steilen Böschung mit Waldbewuchs und dem Guldentalerbach geführt. Genau in diesem rund 1,6 km langen Abschnitt herrscht während des gesamten Jahres akute Steinschlaggefahr. Im Winter kann es gar zu Lawinen kommen. «Der Zustand der Strasse ist generell schlecht», hat das kantonale Tiefbauamt in seiner Projektstudie festgestellt. 

Um ein Jahr verschoben

Bereits 2009 wurde in einem ersten Projekt entschieden, die Strasse in diesem gefährlichen Bereich gesamthaft südlich des Guldentalerbaches zu verlegen. Doch wurde diese Variante nochmals genauer überdacht und der für das letzte Jahr vorgesehene Bautermin auf dieses Jahr verschoben. «Die sogenannte Vollverlegung hätte zu viel landwirtschaftlich genutztes Land beansprucht, und wäre auch geotechnisch schwierig zu bebauen gewesen», erklärt Projektleiter Dominik Döbeli vom Amt für Tiefbau Kanton Solothurn.

Eine zweite Projekt-Variante wäre ein «Vollschutz durch Netze» gewesen, wie man dies in alpinen Regionen kennt. «Dies wäre jedoch ein zu heftiger Eingriff in die Natur und auch von der Ästhetik her bedenklich gewesen», so Döbeli. «Zudem wäre der Unterhalt extrem teuer geworden, denn diese Netze müssen regelmässig von den Steinen befreit werden».

Aus den zwei geschilderten Extremvarianten wurde nun eine Kompromissvariante gefunden, die sogenannte «Variante Kombi». «Ich bin froh, wurde das Projekt nochmals optimiert und schliesslich durch den Regierungsrat im vergangenen Jahr genehmigt», erklärt Daniel Zimmermann, Leiter Projektmanagement Kreisbauamt II.

Sensibler Naturbereich

Ab nächster Woche ist es nun so weit: Es wird mit den ersten, nötigen Abholz- und Sicherungsarbeiten begonnen. Die «Variante Kombi» sieht vor, dass die Strasse ab Glashütte bis zum Bereich Mittler Guldental auf den Gegenhang südlich des Baches verlegt wird. In diesem Bereich finden die heftigsten Stein- und Felsabbrüche statt. Ab Mittler Guldental bis zum Bereich Restaurant Guldental hin, bleibt der Strassenverlauf der alte.

Zusätzlich wird aber der Wald oberhalb dieses Abschnitts mit starken Netzen und Felsabdeckungen gesichert. «Dieses jetzt realisierte Projekt minimiert die Eingriffe am Nordhang, denn wir befinden uns hier in einem landschaftsmässig sensiblen Bereich,» sagt Dominik Döbeli.

Tatsächlich handelt es sich hier um ein Kantonales Vorranggebiet Natur und Landschaft, Juraschutzzone, Schutzwald und Naturpark Thal. «Es muss unser Ziel sein, so wenig und so schonend wie möglich in die Natur einzugreifen». «Und dennoch muss die Sicherheit gewährleistet sein und die Kosten müssen erträglich bleiben», ergänzt Zimmermann.

Tatsächlich fallen die Kosten für diese neu verkürzte Trasseelänge um 10 Prozent tiefer aus, als wenn der gesamte Abschnitt verlegt worden wäre. Schon früh sei man mit den drei betroffenen Landwirten, der Flurgenossenschaft Mümliswil-Ramiswil, den Mümliswiler Gemeinde- und Behördenvertretern sowie den betroffenen kantonalen Amtsstellen zusammengesessen und habe Anregungen in das Projekt einfliessen lassen.

So wurde das Projekt stetig optimiert. «Die Linienführung des neuen Trassees berücksichtigt die Geologie und auch die landschaftspflegerischen Aspekte des Geländes», führen die beiden Fachleute aus. «Zudem schaffen wir für den Hof Mittler Guldental die Voraussetzung, dass dessen Hofzufahrt optimiert werden kann. Diese Arbeiten werden jedoch von der Flurgenossenschaft Mümliswil-Ramiswil durchgeführt.

Alter Strassenverlauf bleibt

Steht der neue Strassenverlauf, wird der Teerbelag der alten Strasse entfernt, alles andere jedoch so belassen, wie es ist. «Dieser Strassenabschnitt dient dann noch der Bewirtschaftung und Beobachtung des Waldes», so Döbeli. Zudem ist die alte Strasse im Inventar der historischen Verkehrswege aufgelistet und wird somit im originalen Zustand von 1914 wieder sichtbar.

Für die geplanten Massnahmen wurde ein Ausführungskredit von 5,4 Mio Franken vom Kantonsparlament bewilligt. Der Bund finanziert aufgrund seiner Subventionen für Schutzprojekte gegen Naturgefahren 35 Prozent, das heisst 1,43 Mio. Franken. Die Gemeinde Mümliswil-Ramiswil muss 5 Prozent an die Kosten beisteuern, was 200'000 Franken bedeutet. Somit verbleiben dem Kanton Solothurn netto 3,76 Mio. Franken.

«Wir sind überzeugt, für alle Beteiligten die beste Lösung gefunden zu haben», sagt Zimmermann. Bis Ende Juni sollten die Schutzverbauungen installiert sein, danach geht es an die Neuverlegung der Strasse. «Dann ist die Scheltenstrasse auch wieder normal befahrbar.» Die Fachleute rechnen mit einer Gesamt-Bauzeit bis 2020.