Aktien, Aufstände und Arbeitslose
Börsen-Korrespondent Jens Korte sprach über seine USA-Einschätzungen am dritten Wirtschaftsapéro in Balsthal

Am Donnerstagabend war Amerika zu Gast in Balsthal: Zum dritten Mal organisierte die Bank Clientis im Thal einen Wirtschaftsapéro in der Haulismatthalle in Balsthal. 150 Personen hörten zu, wie Korrespondent Jens Korte über die amerikanische Wirtschaft referierte.

Rahel Bühler
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So arbeitet Wirtschaftskorrespondent Jens Korte seit Beginn der Coronapandemie in New York: mit Stativ, Handy und Mikrofon.

So arbeitet Wirtschaftskorrespondent Jens Korte seit Beginn der Coronapandemie in New York: mit Stativ, Handy und Mikrofon.

Hanspeter Bärtschi

Technische Pannen machen auch vor technisch Versierten keinen Halt. Das hat der dritte Wirtschaftsapéro der Bank Clientis im Thal vom Donnerstagabend zu Beginn gezeigt: Alles war parat, 150 Personen im Saal versammelt, Bankleiter Roger Hochuli wollte den Gast Jens Korte begrüssen, doch das Mikrofon hatte bereits Feierabend.

15 Minuten später ging die Veranstaltung dann doch los. Nach kurzen Einführungsworten übergab Hochuli das Wort denn auch an Korte, der unter anderem für SRF oder RTL über Wirtschaftsthemen aus den USA berichtet.

Zuerst zeigte er dem Publikum, wie die Pandemie seinen persönlichen Arbeitsalltag veränderte. Statt aus der New Yorker Börse sendete er plötzlich von vor der Börse. Statt Kameras verwendete er Stativ, Handy und Mikrofon – und wurde so zu einem technisch Versierten. Stativ und Mikrofon baute er kurzum auf der Bühne der Haulismatthalle auf.

Zahl der neugegründeten Unternehmen steigt

Der erste Wirtschaftsapéro der Clientis fand übrigens vor zwei Jahren statt. Schon damals berichtete Korte über die USA. Im vergangenen Jahr musste die Clientis dann auf einen Onlineapéro ausweichen. Korte berichtete aus den USA.

Jens Korte sprach frei vor 150 Personen.

Jens Korte sprach frei vor 150 Personen.

Hanspeter Bärtschi

Heuer konnte der Apéro wieder physisch stattfinden. In der folgenden Stunde referierte der Korrespondent über verschiedene Wirtschaftsthemen aus den USA. «Es ist enorm, mit welcher Wucht wir in die Coronakrise schlitterten – und wie wieder daraus.» Vorbei sei die Pandemie nicht, das sei ihm bewusst. Aber er sei überzeugt, dass das Gröbste überstanden ist.

Im April hätten 20 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner ihren Job verloren. Jetzt, anderthalb Jahre später, habe sich der Spiess umgedreht: «Es gibt in den USA mehr Jobs als Arbeitslose.» Viele US-Bürger seien seit Beginn der Pandemie zur Überzeugung gekommen, nicht in ihren bisherigen, unsicheren Jobs bleiben zu wollen. Die Zahl der neugegründeten Unternehmen sei denn auch so hoch wie noch nie. Darunter seien nicht nur Technik-Start-ups im Silicon Valley, sondern auch kleine Unternehmen, die zum Beispiel Seifen produzieren. Die Kreativität sei gestiegen.

«Die US-Wirtschaft hat rasant zugenommen. Das hätte ich nie erwartet.»

Das habe zu inflationären Tendenzen geführt: Alles werde teurer. Ein Beispiel? Mit Beginn der Pandemie sank die Nachfrage nach Mietwagen. Die Verleiher verkauften Teile ihrer Flotten. Dann kam die Nachfrage schneller zurück, als erwartet. Die Vermieter konnten keine Autos anbieten. Als Folge stiegen die Preise um 50 Prozent.

Plötzlich werden in den USA laut Korte auch Gewerkschaften gross, es gibt Streiks: Bei John Deere, dem Hersteller von Landwirtschaftsfahrzeugen, seien die Arbeiter derzeit im Ausstand, weil alles teurer werde, sie aber nicht mehr Lohn bekämen.

Globaler Trend: Produktionsstandorte wieder ins eigene Land holen

Mit der Pandemie habe man in den USA auch die grosse Abhängigkeit von Südostasien bemerkt: Als Beispiele nannte Korte den Schuhhersteller Nike, der keine Schuhe mehr liefern konnte, weil die Produktionen in Vietnam stillstanden. Das führt dazu, dass man die Produktionen wieder ins eigene Land holen will.

«Das ist im Übrigen ein globaler Trend»,

bemerkte der Korrespondent. So plane der Autohersteller Ford einen neuen Standort für die Produktion von Elektroautos und -batterien im Bundesstaat Arizona. Werden die Produktionen stärker automatisiert, sei der Kostenpunkt nicht mehr ausschlaggebend für den Produktionsstandort.

Korte zeigte Videos, Karikaturen oder Statistiken.

Korte zeigte Videos, Karikaturen oder Statistiken.

Hanspeter Bärtschi

Während des Vortrags sprach Korte frei und behalf sich mehrmals Videos, Karikaturen oder Statistiken. Er blickte auch etwas in die Zukunft und erklärte, was der neue Präsident Joe Biden für Grossprojekte anstrebt: Einerseits wolle er ein Infrastrukturpaket zünden und damit Strassen und Brücken sanieren. Zum anderen plane Biden, ein in den USA nie dagewesenes Sozialsystem aufzubauen: mit kostenloser Kinderbetreuung oder Krankenversicherungen.

Abschliessend zog Korte Bilanz: «Die amerikanische Wirtschaft ist emporgestiegen wie Phönix aus der Asche. Man spricht auch von der amerikanischen Renaissance.»

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