Kirche

Adrian Suter: «Das Pfarramt ist ein vielseitiges Tätigkeitsfeld»

«Die Kirchgemeinde soll sich nicht abkapseln, sondern mit den Nachbarn gemeinsame Projekte auf die Beine stellen.» Adrian Suter nimmt im Kreuzgang der Stiftskirche den Fototermin wahr.Bruno Kissling

«Die Kirchgemeinde soll sich nicht abkapseln, sondern mit den Nachbarn gemeinsame Projekte auf die Beine stellen.» Adrian Suter nimmt im Kreuzgang der Stiftskirche den Fototermin wahr.Bruno Kissling

Am Sonntag wird der Adrian Suter als neuer christkatholischer Pfarrer der Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen sein Amt antreten. Bischof Harald Rein wird die Amtseinsetzung in der Stiftskirche St. Leodegar zu Schönenwerd vornehmen.

Bereits im Sommer 2011 wurde Adrian Suter seitens der christkatholischen Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen angefragt, ob er das Amt als Pfarrer übernehmen möchte. Die Kirchgemeinde hatte sich von seinem damaligen Pfarrer im gegenseitigen Einvernehmen getrennt.

Bis Ende 2011 wirkte der pensionierte Pfarrer Roland Lauber in der Kirchgemeinde als Stellvertreter, seit Anfang Januar 2012 ist Suter als Pfarrverweser tätig; dies deshalb, weil man nicht mitten in der Amtsperiode eine Pfarrwahl vornehmen wollte, sondern auf die kommende Amtsperiode 2013–2017 hin, wie Suter ausführt. Er war denn auch mit grossem Mehr am 9. Juni an der Urne gewählt worden. Am kommenden Sonntag, 11. August, wird Bischof Harald Rein die Amtseinsetzung vornehmen.

Pfarramt und Uni

Adrian Suter wurde 1970 in Basel geboren, wo er auch aufwuchs und die Schulen besuchte. Mit 20 wechselte er nach Bern an die Uni und widmete sich dort dem Studium der christkatholischen Theologie, welches er 1998 abschloss. Bereits ein Jahr zuvor nahm er eine Vikariatsstelle in Winterthur wahr, und nach einem Auslandaufenthalt in Paris trat er sein erstes Pfarramt 1999 in St. Gallen an. Dort wirkte er sieben Jahre, bis er 2006 ausstieg, um an der Uni Bern eine Assistenzstelle anzunehmen.

2008 doktorierte er im Fach Theologie. Seine Stelle als Pfarrer der christkatholischen Kirchgemeinde Niedergösgen-Schönenwerd ist ein 60-Prozent-Pensum, was Suter sehr schätzt. «So kann ich mich weiterhin zu 40 Prozent der wissenschaftlichen Tätigkeit an der Universität widmen», führt er aus. «Und ich habe das Beste aus beiden Bereichen».

Was darf die Gemeinde theologisch und seelsorgerisch von ihrem neuen Pfarrer erwarten? «Das Pfarramt ist ein sehr vielfältiges und vielseitiges Tätigkeitsfeld mit Gottesdienst, Seelsorge, Religionsunterricht, aber auch einigem an Administration», erklärt Suter. Oft handelt es sich dabei um einen Einmannbetrieb ohne Sekretariatsunterstützung, aber mit engagierten Ehrenamtlichen. Und wichtig sind ihm zwei Dinge. Einerseits: «Die Menschen sollen sich in der Kirche zu Hause fühlen, und sie sollen merken, dass sie Mitverantwortung für die Kirche tragen. Alle sollen am selben Strick ziehen, sodass die Kirchgemeinde lebt und Heimat bietet.»

Und andererseits: «Als Christkatholik ist man oft auf sich alleine gestellt. Deshalb soll sich die Kirchgemeinde nicht abkapseln, sondern mit den Aarauer, Oltner und Zofinger Nachbarn gemeinsame Projekte auf die Beine stellen.» «Erwachsenenbildung» nennt Suter als Beispiel. So habe man in Aarau kürzlich die Frage diskutiert: «Kann ich das wissen, oder muss ich das glauben?» Auf diese Weise solle beispielsweise der Glaube als Beziehungsgeflecht zwischen Gott und den Menschen verstanden werden. Dies könne nicht nur durch Gottesdienst und Predigt, sondern auch durch persönliche Beziehungen unter den Pfarrherren einerseits, aber auch zwischen Pfarrer und der Gemeinde andererseits erfahren werden.

«Ökumene ist für mich zentral»

Die Ökumene ist für Adrian Suter ein zentrales Anliegen: Schon mit 16 Jahren hat er an der ersten ökumenischen Jugendkonferenz teilgenommen und war zeitweise auch auf gesamteuropäischer Ebene diesbezüglich sehr aktiv. Ferner hat er sich in seiner Zeit als Pfarrer in St. Gallen auf kantonaler Ebene für die Ökumene eingesetzt, wie er erzählt. Auch in Niedergösgen und Schönenwerd sei er diesbezüglich bereits tätig geworden. Ferner ist er einer von drei christkatholischen Pfarrern, die in der Solothurner interkonfessionellen Konferenz (Siko) tätig sind, und er arbeitet auf Schweizer Ebene in der Christkatholisch-Römisch-katholischen Gesprächskommission mit.

Regional hat er die Erfahrung gemacht, «dass sich vieles gut vollzieht und die Kontakte zu den Geistlichen sowie den Behörden der anderen Landeskirchen gut verlaufen, vor allem auf informeller Ebene». Oft reiche ein Telefonanruf, um vieles zu erledigen. Und er stellt fest: «Viele ökumenische Gottesdienste und Sommerfeste sind recht gut besucht.» Hingegen haperte der Zuspruch ein bisschen bei den Gebetsgottesdiensten im Januar. Und der ökumenische Bettagsgottesdienst Mitte September müsse leider ganz ausfallen.

Dass Ökumene übrigens noch weiter greifen kann, illustriert der neue christkatholische Pfarrer an einem Beispiel: «Die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde ist in der Stiftskirche eingemietet und die serbisch-orthodoxe in der christkatholischen Kirche St. Anton in Niedergösgen», erzählt Suter.

Die Amtseinsetzung von Adrian Suter als neuer Pfarrer der christkatholischen Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen erfolgt am kommenden Sonntag, 11. August, um 10 Uhr in der Stiftskirche St. Leodegar zu Schönenwerd.

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