Balsthal
Abtretender Gemeindepräsident Roland Stampfli: «Der Gemeinderat war kein Team»

Roland Stampfli blickt auf seine nur vier Jahre dauernde Amtszeit als Gemeindepräsident zurück.

Erwin von Arb
Drucken
Teilen
Roland Stampfli an seinem Arbeitsplatz im Gemeindehaus, den er Ende Juli räumen wird.

Roland Stampfli an seinem Arbeitsplatz im Gemeindehaus, den er Ende Juli räumen wird.

Erwin von Arb

Herr Stampfli: Ende Juli werden Sie das Amt als Gemeindepräsident niederlegen. Mit welchen Gedanken sehen Sie diesem Termin entgegen?

Roland Stampfli: Weil meine Nachfolge mit der Wahl von Pierino Menna gut geregelt ist, sehe ich diesem Tag ruhig entgegen.

Dass Sie nach nur einer Amtsperiode aufhören, kam für viele überraschend. Im Mai 2016 hatten Sie noch verlauten lassen, wieder antreten zu wollen. Warum dieser Meinungswandel?

Stampfli: Für mich stimmt die Organisation im Gemeinderat in dieser Form nicht. Unter anderem findet monatlich nur gerade eine Sitzung statt, was gemessen an den Geschäften einfach nicht ausreicht. Eine für die Sache förderliche längere oder auch mehrmalige Beratung eines wichtigen Geschäftes findet somit nicht statt. Stattdessen laufen während der langen Pausen bis zur nächsten Sitzung im Hintergrund politische Aktivitäten. Der Gemeinderat müsste wie ein Verwaltungsrat funktionieren, der sich ausschliesslich um die strategische Ausrichtung bemüht. Ähnliche Modelle sind in der Innerschweiz erfolgreich umgesetzt. Weil das nicht möglich war, habe ich vermehrt zu Klausuren eingeladen, um Themen vertieft zu diskutieren. Der dafür benötigte Zeitaufwand wurde aber von einigen Ratsmitgliedern kritisiert.

Haben Sie nicht versucht, mehr Gemeinderatssitzungen abzuhalten. In Oensingen, einer vergleichbaren Gemeinde, tagt der Rat oft im Zweiwochen-Rhythmus?

Stampfli: Als ich in Balsthal vor vier Jahren mein Amt antrat, habe ich das System meines Vorgängers übernommen und es schon bald als nicht gut empfunden. Änderungsvorschläge fanden im Rat aber wenig Gehör.

Gab es noch andere Gründe für Ihren Verzicht auf eine zweite Amtszeit?

Stampfli: Vor meiner Entscheidung aufzuhören, wurde ich oft um 4 Uhr morgens wach. Mir gingen viele Dinge durch den Kopf, die mich beschäftigten. Wenn so etwas öfter passiert, muss man sich schon fragen, ob es so weiter gehen kann.

Was ging Ihnen durch den Kopf?

Stampfli: Die hohe Belastung durch das Amt und dass ich es nicht geschafft hatte, aus dem Gemeinderat ein Team zu bilden, das gemeinsam für eine Sache einsteht. Das hat mich schon belastet und die Frage nahegelegt, ob ich meine Gesundheit – der mangelnde Schlaf kann diese gefährden - weiter aufs Spiel setzen soll. Letztlich war das der Hauptgrund, nicht mehr anzutreten.

Was meinen Sie mit fehlendem Teamgeist im Gemeinderat?

Stampfli: Meiner Ansicht nach sollte der Gemeinderat ein gut funktionierendes Team sein, das sich gemeinsam für das Wohl der Gemeinde einsetzt. Diesen Teamgeist habe ich wenig gespürt. Das hat mich nachdenklich gestimmt und nach Aussen auch nicht immer guten Eindruck hinterlassen. Letztlich hat auch dies dazu beigetragen, dass ich nicht mehr angetreten bin.

Ist das 50-Prozent-Pensum für das Gemeindepräsidium ausreihend?

Stampfli: Nein, es müsste mindestens bei 70 Prozent liegen.

Zurück zu Ihrem Verzicht auf eine Kandidatur. Ist Ihnen dieser Entschluss schwergefallen? Schliesslich hatten die Stimmberechtigten vor vier Jahren grosse Hoffnungen in Sie als parteilosen Kandidaten gesetzt.

Stampfli: Ich habe fast drei Monate mit mir gerungen. Nach Abwägung aller wichtigen Faktoren wusste ich, dass Aufhören die einzige Option war. Meine Parteilosigkeit hatte damit nichts zu tun, in den Ratsgeschäften steht nicht die Partei, sondern Balsthal als Gemeinde im Vordergrund. Für mich war das im Rat auch kein Nachteil.

Haben Sie Fehler gemacht?

Stampfli: Eigentlich nicht, ich empfand das Gemeindepräsidium insgesamt als eine gute Sache und konnte mich auch mit Ideen einbringen. Allerdings hätte ich in verschiedenen Belangen ultimativer sein müssen.

Wo konnten Sie sich einbringen?

Stampfli: Ich denke da an die Umfahrung Klus, welche heute als Verkehrsanbindung Thal bezeichnet wird. Die von mir stammende Idee, den Kreisel auf der anderen Seite der Thalbrücke zu platzieren, wurde als gute und kostengünstige Lösung übernommen. Auch für das in Balsthal geplante Demenzzentrum habe ich mich eingesetzt. Erste interne Gespräche dafür fanden bereits vor zwei Jahren statt.

Was war Ihnen während der Ausübung Ihres Amtes besonders wichtig?

Stampfli: Dass ich mir als Mensch treu bleibe. Ich glaube, das ist mir auch gelungen, ohne mich dafür sonderlich anzustrengen. Es war mir wichtig, authentisch zu sein.

Was wird Ihnen positiv oder negativ in Erinnerung bleiben?

Stampfli: Positiv in Erinnerung behalten werde ich die vielen Kontakte und interessanten Gespräche mit der Bevölkerung, Geschäftsleuten und Politikern. Die Zusammenarbeit in der Gemeindepräsidentenkonferenz Thal, im Verband Solothurner Einwohnergemeinden, im Naturpark Thal und in anderen Gremien war für mich sehr lehrreich. Da konnte ich meine Ideen und Meinungen einbringen. Negativ empfunden habe ich wie erwähnt, dass ich es nicht geschafft habe, mit dem Gemeinderat ein Team zu bilden, das miteinander am gleichen Strick in dieselbe Richtung zieht.

Warum ist das nicht gelungen?

Stampfli: Da gibt es viele Faktoren, die nicht in ein paar Sätzen erklärt werden können. Mitentscheidend waren die im Rat vertretenen Persönlichkeiten und teilweise auch spürbare Eigeninteressen.

Was muss die Gemeinde aus Ihrer Sicht bald angehen?

Stampfli: Die Gemeinde sollte sich aktiv in die Planung des Demenzzentrums einbringen. Das Projekt ist eine grosse Chance für Balsthal und eine Aufwertung für das Dorf. Wichtig ist ferner die weitere Entwicklung der Areale Sagi und Papierfabrik und die noch laufende Ortsplanungsrevision. Da muss man am Ball bleiben. Viele kleinere Projekte sind zwar aufgegleist, müssen aber noch umgesetzt werden.

Wie sieht Ihre Zukunft nach der Abgabe des Gemeindepräsidiums aus?

Stampfli: Ich gehe mit meinen 67 Jahren in Pension und habe deshalb wieder mehr Zeit für meine Hobbys wie Velofahren, Schwimmen oder Lesen. Auch möchte ich mit meiner Lebenspartnerin vermehrt auf Reisen gehen. Und da ist natürlich noch der Fussball. Ich wurde in das Komitee der Amateurliga, der grössten Abteilung des Schweizerischen Fussballverbandes gewählt. Das ist auch der Grund, weshalb ich am 11. August als Präsident des Solothurner Fussballverbandes zurücktreten werde.

Aktuelle Nachrichten