Restaurant Oberdörfer

«Abschaute und Entspanne» kann man auch auf Solothurner Jurabergen

«Zyt lo stoh» heisst das Motto von Luzia Schnyder und Andi Schnider auf dem Oberdörfer. Auch wenn es viel Arbeit gibt.

«Zyt lo stoh» heisst das Motto von Luzia Schnyder und Andi Schnider auf dem Oberdörfer. Auch wenn es viel Arbeit gibt.

Luzia Schnyder und Andi Schnider führen den «Oberdörfer» ob Gänsbrunnen als Sömmerungs- und Gastbetrieb. Mit der Führung des Betriebs erfüllte sich Andi Schnider einen lang gehegten Traum.

Den fünften Sommer bestreiten Luzia Schnyder und Andi Schnider auf dem Oberdörfer, der auf der zweiten Jurakette 1'233 Meter über Meer liegt. Seit Anfang Juni weiden 70 Rinder auf den saftigen Matten. An schönen Sonntagen sitzen jeweils bis zu 100 Personen auf der Terrasse vor dem Restaurant zum «Abschaute und Entspanne» und «Zyt lo stoh», wie auf der Ruhebank eingekerbt ist.

Einmal auf dem Oberdörfer leben zu dürfen, war ein lang gehegter, geheimer Traum von Andi Schnider. «In den Kinderjahren bin ich mit meinem Vater, der aktiv im SAC Sektion Weissenstein mitmachte, Samstag für Samstag im Backi gewesen», erzählt er. Sein erster Besuch habe immer den Bewirtschaftern des Restaurants Oberdörfer gegolten, weil sie ihn jeweils mit einem Schoggistängeli verwöhnten. Der Traum blieb. Andi Schnider wurde Verkäufer. Nicht immer das Gleiche zu machen, war seine Philosophie. So ging er nach der Lehre auf Wanderschaft, arbeitete in erster Linie im Sport- und Tourismusbereich und landete schliesslich in einem Solothurner Verlag als Verkaufsleiter eines Wandermagazins. Dort, an einem Apéro, traf ihn Amors Pfeil. An das Datum, den 21. Januar 2010, erinnert sich der 54-Jährige noch genau.

Da war immer dieser Traum

Es erstaunt nicht, dass er mit Luzia Schnyder bereits drei Tage später auf den Oberdörfer wanderte. Als ein Jahr später der damalige Bewirtschafter Rücktrittsgedanken kundtat, nahm Andi Schnider sofort mit den Besitzern des «Oberdörfers», der Bauernfamilie Wyss in Bütikofen, Kontakt auf. Eine Prüfung auf Herz und Nieren ging voraus, bis im Juni 2011 der positive Telefonanruf kam.

«Für mich war es ein Auf und Ab der Gefühle», blickt Luzia Schnyder zurück. Sie hatte im «Sternen», Kriegstetten, die Lehre als Servicefachfrau absolviert und mit Unterbrüchen während 30 Jahren dort gearbeitet. Zuletzt führte sie ihr eigenes Fusspflegestudio und war zusätzlich bei einer Cateringfirma angestellt. «Schliesslich waren wir überzeugt, dass wir es schaffen und alles Neue lernen können», sagt sie. Am 20. April 2012 zogen die beiden mit Sack und Pack auf den Oberdörfer. Seither sind sie Mieter des Restaurants und Angestellte der Besitzerfamilie Wyss für den Sömmerungsbetrieb. Alles vertraglich festgemacht – per Handschlag.

Im Restaurant mit 32 Sitzplätzen dürfen sich die Wanderer über ein einfaches Angebot aus der Küche freuen. Käsefondue mit einer speziellen Mischung wird übers ganze Jahr serviert. Zudem steht ein Massenlager für zehn Personen zur Verfügung.

Fünfter Sommer wird gefeiert

Dass der Oberdörfer für die beiden Aussteiger Lebensqualität pur bedeutet, ist ihnen unschwer anzumerken. «Wir arbeiten viel mehr als vorher, und der Verdienst ist viel kleiner», bekennen sie. Aber: «Weniger ist mehr», so ihr Lebensmotto. Jeden Morgen begehen sie während der Sömmerung (siehe Kasten) gemeinsam während zweier Stunden die Weide. Die Rinder müssen gezählt, das Wasser, der mineralstoffhaltige «Gläckstein» und der Zaun geprüft und die Rinder auf ihre Gesundheit beobachtet werden.

Das Einzäunen ist im Frühling angesagt. 16 Kilometer Stacheldraht, der vor dem Einwintern heruntergelegt wird, gilt es nun mit Agraffen an den Pfählen zu befestigen. Defekte Schwirren müssen ersetzt werden. Zwölf Stück Braunvieh bleiben auch durch den Winter auf dem Oberdörfer. Vor kurzem ist ein bemerkenswert grosses Hühnerhaus fertiggestellt worden, welches bald von acht Hühnern und einem Hahn belebt wird.

Neu: Eine Fussbadewanne

An fünf Tagen pro Woche, Sommer wie Winter, ist das Restaurant geöffnet. Bei Grossandrang an den Sonntagen legen die fünf «Schnyder-Schnider-Kinder» aus den ersten Ehen Hand an. Neu steht den Wanderern eine einladende Feuerstelle samt Holz zur Verfügung. Müde Wanderfüsse – 80 Prozent der Besucher kommen zu Fuss auf den Berg – finden in der im Boden eingelegten Badewanne Erfrischung.

Die fünfte Saison auf dem Oberdörfer wird am letzten Wochenende im Juni doppelt gefeiert. Mit dem Konzert «SongTrain & Band», Oberdorf, mit Liebesliedern und Drei-Gang-Menü im Festzelt und mit einer Bergpredigt und diversen Alphorn-Formationen.

Konzert «SongTrain & Band» im Restaurant Oberdörfer ob Gänsbrunnen, Sa, 25. Juni, 19 Uhr, Anmeldung unter 032 639 16 85, Alphornsonntag mit Brunch ab 9 Uhr am So, 26. Juni. Das Bergrestaurant ist Mo und Di geschlossen. Sonntagabend bis 18 Uhr geöffnet.

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