Probstenberg
Abschalten auf 1119 Höhenmetern: Auf dem Jurahof spielen Holz, Stein und Natur die Hauptrolle

Seit drei Jahren lebt und arbeitet Oliver Bürgi auf dem Jurahof und bietet gestressten Zeitgenossen eine ruhige Oase.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Der Jurahof auf dem Probstenberg
14 Bilder
Der Hof befindet sich auf 1119 Höhenmetern
Der grosse Gästeraum. Hier hat es Platz für alle möglichen Veranstaltungen. Die grossen Fenster machen den Blick frei in die umwerfende Natur.
Oliver Bürgi (37), Gastgeber und Bauer: «Ankommen, Geniessen, Lernen, Feiern und Übernachten in einer unvergesslichen Umgebung – ohne Luxus, in Einklang mit der Natur.»
Rinder- und Hirschherden tummeln sich auf den Jurahängen.
Blick in eines der einfachen und zweckmässigen Doppelzimmer.

Der Jurahof auf dem Probstenberg

Michel Lüthi

Besuch auf dem Probstenberg. Also auf ins Thal, nach Welschenrohr. Kurz vor dem Dorfzentrum nach rechts abbiegen, eine geteerte Bergstrasse hinauf. So geht die Fahrt durch unberührte Jurahöhen, kleine Schluchten Richtung Mieschegg, Hinter Brandberg und dann noch ein Stück weiter Richtung Norden, bis man die Solothurner Kantonsgrenze überquert und sich auf dem Gemeindegebiet von Seehof BE befindet. So gelangt man mit dem Auto ans Ziel und staunt. Mitten in der unberührten Juralandschaft steht ein modern gestaltetes Bauernhaus, umgeben von Trockenmauern.

Schwarze Dexter- und braune Angus-Rinder sind zu sehen. Zwei rote Kater streifen um die Besucherbeine. Eigentümer Oliver Bürgi begrüsst herzlich und begründet gleich mal seinen «Nicht-Thaler-Dialekt»: «Ich lebte als kleineres Kind schon hier oben. Ab der Schulzeit war ich dann aber in Oftringen zu Hause.» Heute lebt er zusammen mit seiner Partnerin hier oben auf 1119 Höhenmetern. Man hat einen atemberaubenden Ausblick in alle Himmelsrichtungen. Der Herbst kündigt sich an; hell leuchten die Kalksteine der Trockenmauern.

Bürgi (37) ist ausgebildeter Schmied, doch schon seit 20 Jahren «buuret» er zusammen mit seinem Bruder Cäsar. «Diesen Hof nutzten wir früher nur als Sömmerungsalp.» Zum Probstenberg gehörte auch schon immer eine Rothirschherde, die sich auf 14 ha eingehagtem Land und Waldgebiet bewegen kann. «Vor ein paar Jahren beschlossen wir dann, den Ort zu unserem ständigen Bauernbetrieb zu machen.» Bürgis Bruder lebt und arbeitet jetzt zwar in Holderbank, auf dem Hof Obere Wies, doch Oliver Bürgi blieb und wusste: Um hier ständig leben zu können, musste das alte Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert restauriert werden, denn es war ziemlich baufällig.

Insbesondere das Dach war einsturzgefährdet. Allerdings sollte nicht einfach ein neues Haus erstellt werden. Etwas Neues, etwas Besonderes soll es geben, war sich Bürgi im Klaren. Ein Ort, an dem Mensch, Tier und Natur in Einheit leben und an dem Gäste stets willkommen sind. Bürgi holt aus: «Früher haben wir hier oben auch schon mal ein Open Air veranstaltet und so den Leuten die Natur nähergebracht. Mit dem Wiederaufbau der Trockenmauern kamen auch neue Besucher hierher, und alle waren begeistert von der Landschaft.» Zudem: Auf vielen Jurahöfen rund um den Probstenberg kann man zwar hervorragend essen, doch übernachten kann man nur ganz minimal. «Bei uns: Ankommen, Geniessen, Lernen, Feiern und Übernachten in einer unvergesslicher Umgebung – ohne Luxus, in Einklang mit der Natur.»

Eine neue Nutzung

Da das Haus auf Berner Kantonsgebiet liegt und also nicht mit der Juraschutzzone des Kantons Solothurn belegt war, war eine Neunutzung des Gebäudes möglich. «Der Neubau musste bloss die gleiche Kubikmeterzahl aufweisen wie der Vorgängerbau. Alles andere wurde genehmigt.» Bürgi fand im Oltner Architekten Markus Emmenegger den richtigen Mann, der das Haus nach seinen Wünschen konzipierte. Entstanden ist ein Minergie-P-Haus, mit Solardach, mit einem Gemeinschaftsraum im ersten Stock, dessen grosse Fenster den Blick in die Natur freigeben. Es stehen zwei Zimmer mit Massenlager (eines mit 8 und eines mit 16 Betten), drei Doppelzimmer, eine Küche und sanitäre Anlagen zur Verfügung. Der Gäste-Bereich hat einen separaten Zugang.

Der private Wohnbereich der Familie ist im Erdgeschoss angesiedelt. Alles ist schnörkellos, modern und geschmackvoll eingerichtet. Ein alter Bauernschrank und ein Klavier ziehen kurz den Blick auf sich – ansonsten spielen Holz, Stein und Natur die Hauptrolle.

Im Frühjahr 2013 wurde das Haus eröffnet, und seither sei vor allem an den Wochenenden der Gästebereich fast zu 100 Prozent ausgebucht. «Bei uns kam man Seminare, Think-Tanks, alle Arten von Kursen durchführen. Aber man kann auch Familienfeste oder Hochzeiten feiern.»

Abschalten, den Kopf frei werden lassen, Eintauchen in die Natur – das sollen die Gäste auf dem Probstenberg. Und wer ein Catering braucht, dem empfiehlt der Hausherr passende Gastro-Betriebe. Dabei ergänzt er: «Ein einfaches Zmorge mit einheimischen Produkten bieten wir aber gerne selber an.»