Burglind

Abrasiert und zerstört: Im Oberen Gäu beginnt das grosse Aufräumen

Das Sturmtief Burglind fegte im Forstrevier Oberes Gäu ganze Waldflächen um. Nun beginnen die zeit- und kostenintensiven Aufräumarbeiten.

Dicke Baumstämme versperren die Wege, abgebrochene Äste und Tannennadeln liegen auf dem Boden verstreut. Die Äste knacken, als Revierförster Reto Müller über einen umgerissenen Baumstamm steigt. «Eigentlich sollte man genau das eben nicht machen», sagt er und lacht. «Aber wir passen ja auf und das muss man gesehen haben.»

In den nächsten paar Wochen sollten Besucher die Wälder meiden. Denn die umgefallenen Bäume stehen unter grosser Spannung. «Es kann immer sein, dass ein Ast oder Stamm doch noch herunterfällt», erzählt Müller. Ausserdem sei der Boden nass und könnte jederzeit unter dem Gewicht einer schiefhängenden Tanne nachgeben. Gesperrt werden die Wälder jedoch nicht. «Das muss ja jeder selbst wissen.»

Die riesige Waldfläche, die sich nach ein paar Metern auf dem Hüttenweg in den Kestenholzer Wald hinein erstreckt ist jedoch ein Spektakel: Dicke, einhundertjährige Tannen liegen wie Streichhölzer auf dem Boden herum und versperren die Wege, die grossen Wurzeln ragen in die Höhe und haben beim Sturz Dreck und Moos mit sich gerissen. Wo einst dichter Wald wuchs, stehen seit einer Woche nur noch einzelne Baumstämme. Und selbst diese sind an der Spitze abgebrochen.

Förster Reto Müller zu den Waldschäden in Kestenholz

Förster Reto Müller zu den Waldschäden in Kestenholz

Schäden gleich wie bei «Lothar»

Der 30-Jährige steht vor der grössten gefallenen Fläche in seinem Forstgebiet, welches das Obere Gäu, also die Gemeinden Kestenholz, Wolfwil und Niederbuchsiten umfasst. Dieses besteht aus gesamthaft rund 700 Hektar Wald. «Das hier sind etwa neun Hektare», schätzt Müller das betroffene Areal. Das Stelli-Gebiet befindet sich auf dem Hüttenweg und ist deshalb etwas versteckt. Eine weitere Fläche sieht man zwischen Kestenholz und Wolfwil. Aber diese sei um einiges kleiner.

«Gesamthaft habe ich etwa zwölf kleinere Flächen von rund zwei Hektar. Und dann noch das Grosse hier.» Über 30 Hektar Wald hat das Sturmtief «Burglind» vergangene Woche folglich niedergefegt. «Pro Hektar rechne ich mit etwa 300 Kubikmetern Fallholz», rechnet der Förster weiter. «Das gibt insgesamt um die 9000 Kubikmeter. Im Stelli-Gebiet alleine sind es schon 3000, was einem ganzen Jahreshiebsatz entspricht.»

Verglichen mit dem Sturm Lothar im Jahr 1999 bewege sich Kestenholz etwa im gleichen Rahmen. Obwohl Markus Brunner, Direktor des Verbands WaldSchweiz gegenüber SRF sagte, dass sich die Schäden von «Burglind» schweizweit auf nur etwa einen Sechstel der Schäden von «Lothar» beliefen. «Wir hatten hier einfach Pech», meint Müller und zuckt mit den Schultern. «Der Wind kommt halt aus der Schneise der Klus hinaus und kanalisiert sich da.» Deshalb habe der Wald im oberen Gäu wohl stärker gelitten als anderswo.

Schnelles Aufforsten muss erfolgen

Am Dienstag beginnen nun die Aufräumarbeiten. In den nächsten zwei bis drei Monaten werden die zerstörten Waldflächen mithilfe von Maschinen und Handholzer aufgerüstet und das heruntergefallene Holz aufgestapelt. «Erst dann kann ich mir einen richtigen Überblick über den Gesamtschaden machen», sagt der Förster. Und dann könne das Holz auch zum Weiterverkauf vorbereitet werden. «So schlimm der Sturm auch war, das Holz können wir ja trotzdem nutzen», so Müller.

Schadensbilanz nach "Burglind"

Schadensbilanz nach "Burglind"

Der starke Sturm Burglind wütete in vielen Solothurner Wäldern. Dabei entwurzelte er eine Vielzahl an Bäumen.

Unvorteilhaft sei einzig die Zeit danach. Denn ist das Holz erst einmal weggeräumt, muss die leere Fläche wieder neu bepflanzt werden. Nach jahrelanger Pflege folgt dann die Auslichtung, damit die gesunden Bäume Platz zum Wachsen erhalten. «Erst nach einem Aufwand von rund 25 Jahren kann ich mit dieser Fläche wieder annähernd Ertrag denken», erzählt der 30-Jährige. «Der Job eines Försters ist eigentlich sicherzustellen, den Wald baulich so zu betreuen, dass eine solche Ertrags-Einbusse nicht geschieht.»

Wichtig sei jetzt aber in erster Linie, dass die herumliegenden Bäume schnellstmöglich weggeräumt werden. Denn eine weitere Folge des Sturms droht mit dem Borkenkäfer. Dieser vermehre sich in herumliegenden Holz viel schneller und könnte dann auf die gesunden Bäume übergreifen. «Dann hätte der Sturm noch viel schlimmere Folgen für den Gesundheitszustand des Forstreviers.» Und dieser habe nun schon genug gelitten, findet Müller.

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