Wolfwil
Aaregäuer Spieltag stand vor dem Aus

19 Jahre nach der Lancierung gibt Begründerin Silvia Stettler den Spieltag an die Fachstelle Netz weiter.

Janine Gloor
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Silvia Stettler (m) übergibt den Spieltag an Patricia Zäch (l) und Ines Prim von der Fachstelle Netz.

Silvia Stettler (m) übergibt den Spieltag an Patricia Zäch (l) und Ines Prim von der Fachstelle Netz.

Bruno Kissling

Silvia Stettler hat an den von ihr organisierten Aaregäuer Spieltagen die Begeisterung für das Kreative entdeckt. «Ich war eigentlich keine grosse Bastlerin, aber heute habe ich den Keller voll mit Material», sagt sie. Wenn sie durch den Garten streife und eine vertrocknete Knospe sehe, überlege sie, was man damit anstellen könnte.

So hat Stettler bei sich selbst erreicht, was sie mit dem Aaregäuer Spieltag weitergeben wollte: «An den Spieltagen soll man nicht einfach konsumieren. Kinder und ihre Eltern können zusammen Zeit verbringen und Ideen mit nach Hause nehmen.»

1997 fand in Wolfwil der erste Spieltag statt. Stettler hatte damals kleine Kinder und war auf der Suche nach Angeboten für Kinder und Familien. Mit dem neu gegründeten Elternverein organisierte sie einen Spielnachmittag im Wald.

«Doch wir hatten Wetterpech», erinnert sie sich. Silvia Stettler fragte bei der Gemeinde nach und bekam die Mehrweckhalle zugesprochen. Damit auch Väter teilnehmen konnten, wurde der Anlass auf einen Sonntag verlegt.

Der Spielnachmittag war geboren. Schon in den ersten Jahren war der Anlass sehr beliebt. 19 Jahre später bekommt Stettler regelmässig Anrufe von Personen, die auftreten oder mitmachen wollen. Kamelreiter und Alphornbläser beispielsweise. «Es ist ein richtiges Netzwerk entstanden», sagt sie.

Fehlende Freiwillige

Aber trotz der grossen Beliebtheit hatte die Organisatorin immer mehr Aufwand, ihren Spieltag durchzuführen. «Es ist in letzter Zeit immer harziger geworden, Leute zu finden, die unentgeltlich mithelfen wollen», sagt Stettler.

Verwandte und Bekannte waren schon alle eingespannt. Die Wolfwilerin hat neben dem Spieltag noch mehrere weitere Projekte, die sie ins Leben gerufen hat und betreut, wie etwa ein Nachhilfeportal für Schüler und eine Plattform für junge Berufsleute. Schweren Herzens hatte sie sich bereits damit abgefunden, den Spieltag nicht mehr weiterzuführen.

Doch das Spiel war noch nicht aus. Stettler stiess auf die Fachstelle Netz, die sich entschloss, den Spieltag zu adoptieren. «Unsere Fachstelle engagiert sich im Bereich familien- und schulergänzende Kinderbetreuung.

Der Spieltag entspricht genau der Idee unserer Stiftung», sagt Leiterin Patricia Zäch. Projektleiterin für den Spieltag wird Ines Preim sein. So zieht der Spieltag nach Olten, wo er nächstes Jahr sein 20-Jahr-Jubiläum feiern wird.

Austragungsort ist noch unklar

Was wird sich neben dem Ortswechsel sonst noch ändern? «Die Grundstruktur wird dieselbe bleiben», sagt Preim. «Wir wollen Eltern und Kinder inspirieren und ihnen zeigen, wie wenig es braucht, um daheim als Familie etwas zu machen.»

Silvia Stettlers Problem mit den fehlenden Mitarbeitenden dürfte die Fachstelle nicht haben. «Dank unseres Netzwerks können wir auf viele Leute zurückgreifen, die aktiv sein wollen», sagt Preim. Noch ist die Fachstelle in Gesprächen zu einem Austragungsort.

Genauso wichtig wie der Ort ist der Zeitpunkt. «Sommer funktioniert nicht», weiss Stettler. Zudem dürfe sich der Spieltag nicht mit einer Chilbi oder einem ähnlichen Anlass überschneiden. Aber ansonsten sieht Preim dem Umzug erfreut entgegen und glaubt, dass Eltern und Kinder auch den Weg nach Olten finden werden.

Silvia Stettler wird wehmütig, wenn sie daran denkt, dass der Spieltag vom 6. November ihr letzter sein wird. «Ich habe viel Herzblut in diesen Anlass gesteckt.» Doch die Übernahme durch die Fachstelle Netz sei das Beste, was dem Spieltag passieren konnte. «Ich bin stolz, dass der Spieltag weiterlebt.»

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