Balsthal
87 junge Mauersegler sind nun als Thaler Vögel erkennbar

Der Verein «Natur- und Vogelschutz» beringte die Jungtiere vor interessiertem Publikum. 87 junge Mauersegler wurden mit einem Kesselilift heruntergeholt, beringt und wieder ins Nest gelegt. Jetzt können sie identifiziert werden.

Peter Wetzel
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Junge Mauersegler werden in Balsthal beringt
4 Bilder
Mit einer gewöhnlichen Leiter gäbe es Probleme!
Die interessierten Zuschauer aus der Vogelperspektive
Vorsichtig wieder ins Nest zurücklegen

Junge Mauersegler werden in Balsthal beringt

Peter Wetzel

Ende April, anfangs Mai waren um das Haulismatt- und Rainfeldschulhaus plötzlich wieder die schrillen Rufe der Mauersegler zu vernehmen. Die weniger begabten Vogelkenner verwechseln diese Vogelart vielfach mit den Schwalben. Die eleganten Segler waren aus ihrem Winterquartier südlich des Äquators zurückgekehrt und inspizierten ihre Nistkästen. Wehe, wenn sich da eine Spatzen- oder Starenfamilie schon wohnlich eingerichtet hat. Die Mauersegler machen kurzen Prozess und werfen die «Hausbesetzer» mitsamt ihrem Nachwuchs erbarmungslos hinaus.

Unter der Dachuntersicht des Haulismattschulhauses sind 19 Nistkästen angebracht, beim Rainfeldschulhaus (inkl. alte Turnhalle) sind es 45 Nistkästen. Diese ersetzen zum Teil die fehlenden natürlichen Nistplätze in alten Gebäuden, in Baumhöhlen oder Nischen und Spalten in Felsbändern. Die Nistkästen in Balsthal wurden vom Verein «Natur- und Vogelschutz Balsthal» angebracht, welcher unter anderem auch die Beringungsaktionen im Dorf organisiert und durchführt. Natürlich nimmt es die Mitglieder dieses Vereins Wunder, ob ihre Arbeit Früchte, respektive Jungvögel getragen hat. Am vergangenen Samstag nun wurden die Jungvögel gezählt und bei dieser Aktion gleich beringt.

Ausflug im kleinen Plastikkesseli

Die Nistkästen sind in grosser Höhe unter der Dachuntersicht angebracht. Sie bieten dort Schutz vor Raubtieren, vor Hitze, Kälte und Regen und gewähren einen guten An- und Abflug. Um an die Kästen heranzukommen, braucht es geeignetes Material und versierte Helfer. Also wurde die Autodrehleiter der Stützpunktfeuerwehr Balsthal samt Bedienungsequipe organisiert. Im vorne angebrachten Personenkorb liess sich Feuerwehrkommandant Urs Meier gleich selber in die Höhe zu den Nistkästen hieven. Dort öffnete er jeden Kasten.

Ganz hinten, kaum zu sehen, hatten sich die Jungvögel eingerichtet. Nest für Nest wurden diese sorgfältig in ein mit einem Stofftüchlein bedeckten Plastikkesseli gelegt. Mit einer Schnur wurde der Behälter herunter gelassen. Es dürfte der erste und letzte Ausflug der Vögel auf die Erde gewesen sein, denn als ausgewachsene Vögel bleiben sie die meiste Zeit in der Luft, ausgenommen zur Brutzeit.

Zwei bis drei Jungvögel, maximal vier, waren in den aneinander gereihten Nistkästen zu entdecken. Es gab aber auch leere Behausungen. Der Beringer, Thomas Lüthi (Präsident des kantonalen Vogelschutzverbandes Solothurn) verpasste jedem angehenden Mauersegler ein Aluminiumringlein an das Beinchen. Er wusste bei dieser Tätigkeit allerlei Wissenswertes über die erstaunlichen Segler zu berichten.

Langer Aufenthalt im Nistkasten

Die Beringung steht vor allem im Dienste der Wissenschaft und des Naturschutzes. Dank der Beringung, mit einer eingravierten sechsstelligen Zahl, weiss man zum Beispiel, wohin die Zugvögel ziehen oder wo sich später die erwachsenen Vögel niederlassen. In Balsthal hat man 87 Jungvögel beringt. Drei Altvögel, welche sich auch noch in den Nistkästen befanden, trugen bereits ein Ringlein einer früheren Aktion.

Sorgfältig wurden die beringten Mauersegler wieder in ihre Nester zurückgelegt. Rund vierzig Tage bleiben sie insgesamt dort und werden von den Eltern zu einem flugtüchtigen Ausdauersportler aufgebaut. Denn: einmal aus dem Nest geflogen, gibt es keine Rückkehr mehr. Dann heisst es Fliegen, Fliegen und Fressen, denn Ende Juli, anfangs August beginnt die in Schüben vor sich gehende Reise in den Süden.