Mit Rechtsmediziner Beat Kneubühl und dem Deutschen Schwarzwildkenner Norbert Happ konnte Hegering Vorstandsmitglied Kaspar Schlittler zwei renommierte Referenten gewinnen. Entsprechend war dann auch das Interesse. Es fanden sich 80 Jägerinnen und Jäger zu den beiden Referaten im Fröschensaal in Härkingen ein.

Bleifrei oder bleihaltig?

Beat Kneubühl erklärte die Unterschiede von bleifreier gegenüber der traditionellen bleihaltigen Büchsenmunition. Zu diesem Thema wurden im Zentrum für forensische Physik/Ballistik des Institutes für Rechtsmedizin der Universität Bern umfangreiche Versuche durchgeführt. Bei diesen Versuchen wurde zum einen die Schusspräzision bleifreier Geschosse überprüft.

Generell kann man sagen, dass bleifreie Kugeln, abgefeuert mit den heutigen Büchsen, gegenüber der bleihaltigen einen Geschwindigkeitsverlust haben und es somit auch zu einem Energieverlust kommt. Die Geschosse sind zwar präzis, man kann aber nicht auf gleiche Distanzen schiessen, wie es mit einem Bleigeschoss möglich ist.

Zum anderen wurde noch das viel diskutierte Abprallverhalten untersucht, um herauszufinden, ob bleifreie Munition zu lebensgefährlichen Querschlägern im Jagdbetrieb neigt oder nicht. Dabei kann etwas Entwarnung gegeben werden. Zwischen bleihaltigen und bleifreien Geschossen gibt es keine grossen Unterschiede im Abgangs- und Seitenwinkel. Allerdings wurden bei diesen Tests jeweils nur der erste Abprall Winkel untersucht.

Bleifreie Geschosse haben nach dem Abprallen jedoch eine nachweisbar grössere Masse und eine ebenso grössere Energie als bleihaltige Geschosse. Bei der Verwendung von Stahl- statt Bleischrot sieht Kneubühl jedoch grosse Probleme.

Das Problem liege beim geringeren spezifischen Gewicht und der grösseren Härte der bleifreien Schrote. Das bedeute: mehr Schrote, grössere Durchschlagskraft, engere Deckung und erheblicher Geschwindigkeitsverlust.

Dies alles führt zu einer geringeren Tötungswirkung. Zudem ist die Einsatzreichweite deutlich kürzer. Abschliessend erklärte Kneubühl: «Das grösste Problem bei bleifreier Munition sei, dass sie mit den heutigen und für bleihaltige Munition entwickelten Waffen verwendet werden.»

Bestände wachsen rasant

Mittels aktueller Zahlen sowie der einen oder anderen Anekdote verdeutlichte Norbert Happ, wie rasant sich die Wildschweinpopulation in den vergangenen Jahrzehnten nach oben entwickelt hat. «Wildschweine sind die Gewinner des Klimawandels», erklärte Happ, verschwieg aber die Mitverantwortung des Menschen nicht: Denn auch der zunehmende Anbau von Mais und Raps fördere die Mast. Um die Bestände wirksam und dauerhaft klein zu halten, komme es entscheidend auf die gezielte und geschickte Bejagung von Frischlingen an.

Als «hausgemachte Schwarzwildschwemme» bezeichnete Happ hingegen den Umstand, dass sich ein falsch bejagter, verjüngter Bestand besonders stark vermehrt. Norbert Happ erläuterte: «Die Leitbache sei unbedingt zu schonen, denn sie synchronisiere erwiesenermassen die Rauschzeit aller weiblichen Tiere einer Wildschweinrotte und trage somit entscheidend zur Bestandsregulierung bei. Diese Koordination war immer der Garant dafür, dass im Rottenverband die Überlebenschance der Frischlinge höher war, als die der allein frischenden Bachen.»

Seit einigen Jahrzehnten ist das durch die besseren Lebensbedingungen so ausser Kraft gesetzt, dass nachweislich in Beständen ohne stabile Rottenstrukturen die Vermehrung deutlich höher ist als in solchen mit intakten Mutterrotten. Allerdings liegen die Zuwächse generell wesentlich höher als früher.

Die Grundsätze der Bejagung müssen einfach sein und sich an den Beutegreifern orientieren. Bei den Sauen vornehmlich am Wolf, dem für die Sau wichtigsten Prädatoren. Dieser jagt überwiegend junges und das wenige wirklich alt gewordene Wild. Gesunde erwachsene Wildschweine jagt er erst gar nicht an. Je mehr sich Schwarzwild aus der Jugend heraus vermehrt, desto mehr muss der Jäger hier eingreifen und besonders Frischlinge jeden Alters jagen. (BUO)