Amtsgericht Thal-Gäu
67 km/h zu schnell – Familienvater droht Führerscheinentzug

Weil er mit fast 150 km/h in Richtung Welschenrohr bretterte, musste ein 57-Jähriger vor den Richter treten.

Sarah Kunz
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Ohne es zu bemerken, fuhr ein Familienvater 67 km/h schneller als erlaubt.

Ohne es zu bemerken, fuhr ein Familienvater 67 km/h schneller als erlaubt.

Bruno Kissling

Zwei Männer in Anzügen stehen am Mittwochnachmittag vor dem Amtsgericht Thal-Gäu, tragen sogar eine ähnliche dunkelblaue Krawatte. «Zwei Anwälte», könnte sich da so mancher denken. Doch einer von ihnen ist Cédric P.*, der sich wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln verantworten muss. Der andere Herr ist sein Anwalt. Dieser stellt von Anfang an klar: «Mein Mandant ist kein Raser.» Hingegen bezeichnet er den Beschuldigten als «liebevollen Ehemann, Vater von zwei Töchtern und guten Verkäufer».

Beschuldigter ist überrascht

Es war ein Donnerstagmorgen, halb neun Uhr in der Früh, die Sonne scheint und auf der Strasse von Herbetswil nach Welschenrohr herrscht wenig Verkehr. Dann brettert Cédric P. mit seinem Volvo durch den Wald, 67 km/h schneller, als auf dieser Strecke erlaubt wäre. Mit 147 km/h blitzt ihn ein mobiler Radar.

Der Beschuldigte gibt sich überrascht: «Ich war schockiert, als ich die Busse erhielt.» Er sei an diesem Morgen unterwegs zu einem Kunden gewesen, habe mit diesem aber keine feste Zeit ausgemacht, stand also nicht unter Zeitdruck. Bereits zwei Stunden lang sei er vorher auf der Autobahn unterwegs gewesen. «Danach muss ich jegliches Geschwindigkeitsgefühl verloren haben», begründet der 57-Jährige die Geschwindigkeitsüberschreitung. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er so schnell unterwegs war, zumal es auf der Kantonsstrasse in Richtung Welschenrohr auf der Höhe Hammerrain bergauf ging. Der Anwalt des Beschuldigten hält aber fest: «Während den 40 Jahren, in welchen der Beschuldigte den Führerschein besitzt, hatte er nie einen Unfall.»

Sonst keine Strafverfahren

Auch die Staatsanwaltschaft ist der Meinung, dass sich Cédric P. als ausserordentlich korrekter, anständig und reuiger Bürger zeigt. «Trotzdem ging der Beschuldigte ein hohes Risiko ein.» Gegen den Familienvater sei zwar noch nie ein Strafverfahren gelaufen, er musste jedoch in den Jahren 2007, 2010 und 2012 jeweils für einen Monat den Führerausweis wegen Geschwindigkeitsübertretung abgeben.

Die Staatsanwaltschaft fordert deshalb einen Freiheitsentzug von zwölf Monaten. Diesen spricht Amtsgerichtspräsident Guido Walser denn auch bedingt aus. Verteidiger Stephan Reinhardt verkündet nach dem Urteil auf Anfrage, dass er und sein Mandat sich überlegen, den Fall vors Obergericht zu ziehen. Dies hauptsächlich, da dem Beschuldigten ein Führerscheinentzug von zwei Jahren droht. Da Cédric P. im Aussendienst arbeitet und deshalb auf ein Fahrzeug angewiesen ist, könnte dieser Entzug nämlich existenzbedrohend sein.

* Name von der Redaktion geändert

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