«Sind wir eigentlich alle wahnsinnig?», fragt einer der Gäuer in die Runde und lacht. Acht Männer sitzen versammelt am Tisch und tauschen sich ein letztes Mal aus, bevor es nach Zürich an den Marathon geht. Stolze 42,195 Kilometer absolvieren sie am Sonntag und laufen dabei für einen guten Zweck: Sie wollen Spenden für einen Schulhausbau in Kambodscha, genauer im kleinen Dorf Anchahn, sammeln.

Die Idee dafür hatte Chork Chhit, Besitzer des Restaurants zur Lotus in Oensingen zusammen mit seiner Frau Phuong. Es waren auch die beiden, welche im Jahr 2013 die Wohltätigkeitsorganisation Kindergarten für Koy Maeng ins Leben riefen. Dem Hilfsprojekt ist es bereits gelungen, im Jahr 2014 einen neuen Kindergarten für das kambodschanische Dorf Koy Maeng zu bauen. Dessen Name wird übrigens «Göi mein» ausgesprochen und klingt beinahe wie der solothurnische Bezirk, in dem die beiden Initianten nun wohnen und seit 15 Jahren ihr eigenes Restaurant betreiben.

«Unsere Unterstützer sind zu 90 Prozent Stammgäste», erzählt Chhit. Dank den freundschaftlichen Verhältnissen sei auch das nötige Vertrauen für die Hilfsorganisation vorhanden und einige der Sponsoren reisten vor fünf Jahren sogar mit nach Koy Maeng, um die Eröffnung «ihres» Kindergartens zu feiern.

Umstände hautnah miterlebt

Weil der gebürtige Kambodschaner die Umstände seines einstigen Heimatdorfes aus erster Hand kennt, setzt er sich noch immer dafür ein, eine Verbesserung bewirken zu können. «Ich habe die Armut hautnah miterlebt und mir war klar, dass Hilfe bitter nötig ist», sagt Chhit, der oft zurück in sein Heimatland reist, um vor Ort zu helfen. Obwohl er nach seiner Flucht in die Schweiz vor 29 Jahren rund 20 Jahre lang nicht die Kraft hatte, in sein Heimatland zurückzukehren.

«Die Bilder des Krieges, den ich in meiner Kindheit miterlebte, sind mir für immer in den Kopf gebrannt», erzählt Chhit. «Im Fluss, in dem wir oft schwimmen waren, trieben teilweise sogar Leichen.» Der Restaurantbesitzer verdankt es der Caritas, dass er überhaupt lesen und schreiben kann. Denn in die Schule konnte er wegen den schwierigen Umständen kaum gehen.

Zusammen mit der Wohltätigkeitsorganisation will er deshalb den Zürich Marathon laufen, um Spenden für ein weiteres Projekt zu sammeln. Die Sanierung des Schulhausareals in Anchahn ist bereits erfolgt. Jetzt geht es daran, das alte, baufällige Schulhaus abzureissen und einen Neubau zu ermöglichen. Aus den bisherigen drei Schulzimmern sollen zudem neu vier entstehen. «Unser Ziel ist es, den Kindern dort die Bildung zu ermöglichen», erzählt Chhit weiter. «Das fängt bei den Räumlichkeiten an.»

Kilometer sammeln für Kinder

Für den Neubau benötigt die Hilfsorganisation rund 55'000 Franken. Die grössten Kosten verursacht das Gebäude selbst. 39'000 Franken kostet es, das alte Schulhaus abzureissen und zu entsorgen, um dann die Fundamente des Neubaus, die Mauern, Türen, Fenster und Böden einbauen zu können. Die weiteren Kosten ergeben sich aus dem Dach, dem Mobiliar und der nötigen Infrastruktur. Um diese Kosten tragen und das Projekt ermöglichen zu können, stellen sich die Gäuer der Herausforderung des Zürich Marathons. Wobei einer der acht Männer nicht mitlaufen wird. Er hat nämlich am 16. April bereits den Boston Marathon in der gleichen Länge wie der Zürich Marathon absolviert und mit den gelaufenen Kilometern seine Pflicht getan.

Alle Männer sind Stammgäste in Chhits Restaurant, einige von ihnen sogar erfahrene Marathon-Läufer. Deren Sponsoren haben die Wahl zwischen einem Betrag pro Kilometer oder einem fixen Pauschalbetrag. Die Läufer tragen das Logo einiger Sponsoren auf dem T-Shirt. Ende Juni wird der Kambodschaner dann alle Sponsoren einladen, um über den Stand des Projekts und die eingegangenen Spenden zu orientieren.

Marathon erfolgreich absolviert

Nach viereinhalb Stunden hat es Chhit ins Ziel geschafft. «Die letzten zwei Kilometer waren die schlimmsten», erzählt der Kambodschaner. «Ich dachte, das Ziel kommt einfach nie.» Alle sieben Männer haben erreicht, was sie sich vorgenommen haben: Sie haben es geschafft. Die Freude bei Chhit ist gross, aber genauso gross ist auch die Erleichterung, dass der Lauf nun hinter ihm liegt. Trotzdem denkt er bereits an die Zukunft: «Ich will sicher noch an ein bis zwei Marathons mitmachen.»