Boningen/Ruppoldingen

36 Jahre lang war ein Härkinger die treibende Kraft bei Alpiq

Drei, die 36 Jahre lang zusammengehörten: Urs Hofstetter, die Alpiq und die Wasserkraft.

Drei, die 36 Jahre lang zusammengehörten: Urs Hofstetter, die Alpiq und die Wasserkraft.

Am Freitag hat Urs Hofstetter, pensionierter Geschäftsleiter der Alpiq seinen letzten Arbeitstag. 36 Jahre lang arbeitete er für das Unternehmen und blickt nun auf diese Erfolgsgeschichte zurück.

Urs Hofstetter ist ein eingefleischter «Wasserkräftler» und stolzer Alpiq-Vertreter. Daran gibt’s im Gespräch mit ihm keinen Zweifel; stellt man ihm eine Frage über seine Laufbahn und Erfahrungen, spricht er nie von sich, sondern immer vom Unternehmen und der Branche. Über sich und seinen Anteil im ganzen Paket zu sprechen scheint ihm unangenehm zu sein.

Dabei ist er seit 36 Jahren eine treibende Kraft bei der früheren Atel und heutigen Alpiq. Als im Dezember 2000 das Wasserkraftwerk Ruppoldingen mit Postadresse in Boningen gebaut und die Alpiq Hydro Aare AG gegründet wurde, übernahm Hofstetter deren Geschäftsführung. Seit 1. Juli ist er offiziell pensioniert, am 4. Juli verbringt er seinen letzten Arbeitstag an der Aarburgerstrasse 264 in Boningen.

Der in Härkingen aufgewachsene und bis heute wohnhafte Hofstetter ist ausgebildeter Maschineningenieur mit zusätzlichen Fachausbildungen im Bereich Elektrotechnik. 1977 trat er bei der damaligen Atel eine Stelle als Projektleiter an.

An seine Anfangszeit kann er sich noch gut erinnern. «Ich arbeitete damals hauptberuflich bei der Jura in Niederbuchsiten als Betriebsleiterassistent und absolvierte berufsbegleitend ein Studium als Maschineningenieur. Ich war gerade damit fertig, als ich in einem Inserat entdeckte, dass die Atel einen Maschineningenieur sucht.» Ein Glücksfall für Hofstetter, «denn meine Ausrichtung waren hydraulische Maschinen und in diese Richtung gab es in der Region nicht allzu viele Stellen».

1977 übernahm er die technische Direktion der Kraft- und Unterwerke. Als Projektleiter für Wasserkraftwerke habe er im Verlauf der Jahre in verschiedenen Bereichen mitarbeiten können – Stromversorgung, Anlagenbau, «vorwiegend aber im Bereich Wasserkraft an der Aare, sagt Hofstetter. «Damals wurde die Atel als starke, regionale Stromversorgungsgesellschaft wahrgenommen, deren Fokus sich über die ganze Schweiz erstreckte.

Das merkte man der Organisation an; alles lief statischer ab. Wenn man eine Fotokopie wollte, musste man dafür ein Formular ausfüllen. Nach zwei Tagen hatte man die Kopie.» 1977 wurde noch ohne Computer gearbeitet. Nach deren Einführung in den Achzigerjahren sei in der Atel ein PC-Klub gegründet und von der Firma ein Lokal zur Verfügung gestellt worden, «in dem sich die Mitarbeitenden über Atari-Produkte austauschen konnten».

«Kraftwerk Gösgen mein Kind»

«Damals konnte man das Rad nicht neu erfinden», sagt Hofstetter zur Wasserkrafttechnik in den Siebzigerjahren. «Turbinen gab es schon, doch man konnte die Auslegung verfeinern.» Anfang der Neunzigerjahre begann man damit, Turbinen auf der Basis numerischer Berechnungen auszulegen. «Man sah am Computer Rädlein drehen und konnte aufgrund dessen Verbesserungen anbringen, was zu neuen Technologien im Bereich der Schaltanlagen führte.»

Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre begann laut Hofstetter die Planung für das Neubauprojekt Ruppoldingen. Gleichzeitig wurde das Kraftwerk Gösgen umgebaut. Beim Neubau in Ruppoldingen 1990 war Urs Hofstetter voll involviert. Zwar ist er «stolz darauf, dass das Werk so qualitativ hochstehend gebaut werden konnte, doch mein ‹Kind› ist ‹Gösgen› – ein altes Kraftwerk, seit 1917 in Betrieb, bei dem ich einen grossen Teil meiner Energie investieren durfte».

«Gösgen» sei «vom Logistischen her sehr anspruchsvoll» und für ihn «eine der bis heute spannendsten Aufgaben» gewesen. «Das Projekt war eine wandernde Baustelle innerhalb des Kraftwerks mit Trennwand zwischen den alten, laufenden Maschinen und dem Neubau.» Um 1999/2000 hielten die vollautomatischen Anlagen Einzug. «Das war vorher undenkbar», so Hofstetter. Die Anforderungen an die Mitarbeiter stiegen. «Heute erledigt ein Mitarbeiter alles inklusive Pikettdienst. Dazu gehört ein breites Berufswissen.»

Aber: «Trotz Automatisierung muss man, wenn es nötig ist, schnell von Hand eingreifen können.» Beispiel: Die Rechenreinigung sei zwar automatisiert, «bei Baumstämmen oder Wurzelstücken muss man manuell eingreifen».

Fragt man Urs Hofstetter nach besonders erinnerungsträchtigen Ereignissen, kommen ihm die beiden Hochwasser 2005 und 2007 in den Sinn. «2005 wurden unheimliche Mengen an Holz angeschwemmt. Es war eines der eindrücklichsten Erlebnisse, dies zu sehen. Man war einfach machtlos. Wir entfernten rund 1600 Tonnen Material aus den Rechen».

Die grösste Befriedigung liege darin, sich auf ein zuverlässiges Betriebspersonal abstützen zu können, das richtig und schnell reagiere. «Darauf dürfen wir bei uns zählen.» Das Ereignis 2007 fiel laut Urs Hofstetter «auf durch die ausserordentlich hohen Wassermengen, die man bis dahin nie erlebt hat. Das Wasser kam mitten in der Nacht mit voller Wucht». Von Seiten des Betriebs habe man «nicht viel beitragen können; das Wasser kam von oben, nicht vom Kraftwerk».

«Ich konnte etwas umsetzen»

Die Ende 2000 gegründete Alpiq Hydro Aare AG, die die Wasserkraftwerke Ruppoldingen, Gösgen und Flumenthal betreibt und heute 25 Mitarbeitende beschäftigt, konnte sich laut ihrem abtretenden Geschäftsführer «in 14 Jahren innerhalb des Alpiq-Gebildes gut entwickeln». In diesem Zusammenhang spricht Hofstetter von der Erneuerung des Kraftwerks Flumenthal und dem «weit fortgeschrittenen Verfahren» bezüglich Kraftwerk Gösgen, dessen Konzession 2017 abläuft. «Glücklicherweise konnten wir in der ganzen Zeit einen unfallfreien Betrieb verzeichnen; das ist ein Verdienst der Mitarbeiter. Unsere Anlagen laufen heute sehr zuverlässig. Wir konnten ihre Effizienz steigern.»

Per 1. Juli fand die Stabsübergabe zwischen Urs Hofstetter und dem neuen Geschäftsführer Thomas Fürst statt. Die Nachfolgeregelung habe «glücklich innerhalb der Alpiq gelöst werden können», so Hofstetter.

«Ich hatte eine höchst interessante Tätigkeit, die ich nicht missen möchte, verbunden mit vielen Herausforderungen, die mir immer Freude machten. Ich konnte etwas umsetzen und sehen, was daraus wurde.» Am Freitag, 4. Juli, verbringt der Härkinger seinen «definitiv letzten Arbeitstag» bei der Alpiq. Der verheiratete Vater von zwei erwachsenen Söhnen geht seine Pensionierung als «bewusste Herausforderung» an.

«Ich werde den Kontakt mit den Mitarbeitern und Geschäftspartnern vermissen. Doch es geht weiter. Ich habe die Gelegenheit, die Wasserkraft jederzeit aus der Nähe zu betrachten. Ausserdem freue ich mich darauf, Rad zu fahren, Zeit für den Garten und die Familie zu haben und nicht mehr vom Terminkalender gesteuert zu werden.»

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