Strassenverkehr
30 Nationalräte fordern, dass die Autobahn im Gäu untertunnelt wird

Der Ausbau der A1 auf sechs Spuren im Gäu soll möglichst umweltschonend umgesetzt werden. Der Solothurner CVP-Nationalrat Urs Schläfli fordert in einer Motion eine Untertunnelung – und hebt damit die Forderung von Pro Natura aufs politische Parkett.

Franz Schaible
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Als Landwirt will Urs Schläfli beim Ausbau der Autobahn A1 möglichst viel Kulturland retten. Hanspeter Bärtschi

Als Landwirt will Urs Schläfli beim Ausbau der Autobahn A1 möglichst viel Kulturland retten. Hanspeter Bärtschi

Als Landwirt weiss Urs Schläfli, wovon er spricht. «Der seit Jahrzehnten andauernde Kulturlandverlust in der Schweiz muss eingedämmt werden», erklärt der Deitinger, der für die CVP im Nationalrat sitzt. Hierzulande stünden pro Einwohner 500 Quadratmeter ackerfähiges Kulturland zur Verfügung. Das bedeute weltweit den zweitletzte Platz, nur noch Japan verfüge – gemessen an der Bevölkerung – über weniger Kulturland. «In unseren Nachbarländern Deutschland und Frankreich sind es mit je rund 1500 Quadratmetern dreimal mehr als in der Schweiz.»

Das sei der Hauptgrund für seinen politischen Vorstoss, sagt Schläfli. In einer am letzten Tag der Wintersession eingereichten Motion fordert er einen möglichst umweltschonenden Ausbau der Autobahn A1 auf einer Länge von 22 Kilometern zwischen Luterbach und Härkingen. Denn mit der Verbreiterung der Strasse und dem Bau eines Wildtierkorridors werde eben «sehr viel zusätzliche Agrarfläche beansprucht».

In seinem Vorstoss fordert Schläfli den Bundesrat auf, eine teilweise Untertunnelung des 6-Fahrstreifen-Ausbaus der A1 vorzusehen. Ihm schwebt eine Tunnellösung in der Ebene zwischen Oensingen und Egerkingen vor, wo eine 50 Meter breite Wildtierbrücke geplant ist. Mit einer Untertunnelung würde sich ein solcher Korridor erübrigen. «Bestes Kulturland könnte so gerettet werden.» Gleichzeitig liessen sich mit einer punktuellen Tunnellösung «die weitherum hörbaren Geräuschemissionen vermeiden».

Die Vorteile einer Untertunnelung hätten sich bereits bei der Realisierung der A5 in der Grenchner Witi oder auch beim Bau der Bahn 2000 «deutlich gezeigt». Nicht umsonst habe der Bundesrat diesen Abschnitt der A5 bei dessen Eröffnung 2002 als umweltfreundlichste Autobahn der Schweiz bezeichnet.

Die Idee der Untertunnelung der «neuen» A1 ist nicht neu. Bereits im vergangenen Oktober hat der Umweltverband Pro Natura Solothurn im Rahmen der Vernehmlassung eine unterirdische Verlegung der Autobahn bei Oberbuchsichten gefordert. Dem Verband schwebt eine Tunnellösung auf einer Länge von rund zwei Kilometern vor. Dem Vorschlag schliesst sich der Solothurnische Bauernverband (SOBV) im Grundsatz an. «Wir versuchen damit, die durch Autobahn und Wildquerung verursachten Flächenverluste zu reduzieren», schrieb SOBV-Sekretär Peter Brügger in der «Bauernzeitung».

Unklar ist, wie hoch die Mehrkosten wären

So will sich Urs Schläfli nicht mit fremden Federn schmücken. Aber als Landwirt könne er sich damit vollumfänglich identifizieren. «Mit der Motion geht es darum, dieser Idee auf politischer Ebene zu mehr Durchschlagskraft zu verhelfen», gesteht er ein. Und der Deitinger war erfolgreich. Immerhin hat er 30 Nationalräte als Mitunterzeichnende gewinnen können; quer durch alle Parteien. Darunter sind alle Solothurner Nationalräte ausser Roland Borer.

Zusätzlichen Schub erhielt Schläfli von SP-Ständerat Roberto Zanetti, der die gleichlautende Motion in der kleinen Kammer einreichte. «Doppelt genäht, hält besser», sagt Schläfli. Es habe einiges an Überzeugungsarbeit gebraucht, blickt der Parlamentarier zurück. Einerseits gebe es Vertreter, die gegen jeglichen Autobahnausbau seien, und andere, die generell alle Mehrkosten scheuten. Die Kosten sind denn auch der Knackpunkt zur Umsetzung der Forderung nach einer Untertunnelung.

Wie hoch die Mehrkosten sein würden, hat Schläfli im Vorstoss nicht beziffert. Das hänge von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Linienführung, der Tunnellänge oder vom Baugrund. Eine Annäherung ermöglicht das Beispiel des vierspurigen Wititunnels mit einer Länge von 1,8 Kilometern. Dieser kostete rund 150 Millionen Franken. Die Gesamtkosten für den Ausbau der A1 sind vorerst auf 687 Millionen Franken veranschlagt.

Schläfli verweist auf die berechneten Vorteile des Autobahnausbaus auf sechs Spuren durch die Verminderung von Staukosten von über 3 Milliarden Franken. «Da sind die Mehrkosten für eine teilweise Untertunnelung absolut gerechtfertigt», hält Schläfli fest. Er sei zwar Realist und wisse um die Schwierigkeit zur Umsetzung wegen der Mehrkosten. «Aber die Motion hat im Parlament durchaus Chancen.»