30 Jahre ist es her: Robert Stübi bekommt von seinem Vorgänger Adelbert Hug die Schlüssel der Dorfmetzgerei in Matzendorf in die Hand gedrückt. Und bis heute hat er sie nicht abgegeben. Vis-à-vis von der Post und der Bäckerei stehen er und seine Frau täglich hinter der Theke, mittlerweile beschäftigen sie zehn Angestellte. Stübi mag seinen Beruf immer noch, auch nach der langen Zeit. «Es ist ein abwechslungsreicher Beruf», sagt er. Schon sein Vater hat früher auf den Bauernhöfen Hofschlachtungen durchgeführt. Als Schüler ging Robert Stübi mit, und wuchs so in seinen Beruf hinein. Eines war ihm seit dem immer wichtig: Respekt vor den Tieren und die Qualität seiner Produkte.

Regionales Fleisch erwünscht

Das Fleisch in der Metzgerei Stübi in Matzendorf stammt aus der Region. Die Bauern bringen ihre Tiere direkt zu ihm. «Ich finde das gut so. Die Tiere haben dann weniger Angst», so Stübi. «Und ich weiss immer genau, woher mein Fleisch kommt. Auch die Kunden mögen das». Für ihn ist das ein Zeichen jener Qualität, die er garantieren will. Durch sie grenzt er sich von der Konkurrenz ab. Die Leute vertrauen ihm. «Das habe ich zum Beispiel in der Zeit gemerkt, als die Angst vor BSE umging. Die Leute haben sich kaum mehr getraut, Fleisch zu kaufen. Und darum sind sie dann zu mir gekommen».

Mit seiner Strategie ist er erfolgreich, vom Lädelisterben war seine Metzgerei bis heute nicht betroffen. Im Gegensatz zu anderen.«Als ich die Metzgerei mit meiner Frau übernahm, da gab es rund 3500 Metzgereien in der Schweiz. Heute sind es nur noch rund 1000», sagt er. Aber er habe auch Glück gehabt. Als im Jahr 2001 beispielsweise im Kanton Solothurn die «so natürlich GmbH» gegründet wurde, konnte auch er dort einige seiner Produkte verkaufen. Dafür kreierte er extra die Thalerwurst und das Matzendörferli.

Und die Gründung des Naturparks Thal hat seinem Laden nochmals einen Schub verliehen. Seit damals sind Stübis Produkte im Coop zu finden. Die Konkurrenz mit den grossen Verteilern scheut er nicht. Im Gegenteil, er ist froh, dass in Matzendorf eine grosse Coop-Filiale gebaut wurde. «So bleiben die Leute im Dorf, das ist für mich die Hauptsache. Weil dann kommen sie auch zu mir», sagt er und lacht.

Immer neue Herausforderungen

In den Jahrzehnten in Matzendorf haben sich sein Beruf und seine Metzgerei verändert. So hat er in den 90ern ausgebaut und die Verkaufsfläche der Metzgerei fast verdoppelt. Und sein Beruf ist komplizierter geworden. Es gebe immer mehr Papierkram, der erledigt werden müsse. «Aber da hilft mit zum Glück meine Frau», sagt er erleichtert. Neu sind beispielsweise auch die Ethikkurse, die er mit seinem Team alles zwei Jahre besuchen muss. «Natürlich ist das ein Mehraufwand. Aber ich finde das eigentlich ganz gut».

Die Freude an seinem Beruf und sein Wissen gibt er gerne weiter. In den 30 Jahren in Matzendorf haben er und seine Frau 30 Lernende ausgebildet. «Das war immer schön. Von den Jungen kommen dann immer neue Inputs», so Stübi. Bei der 25-Jahre Feier seiner Metzgerei merkte er, dass er dabei wohl einiges richtig gemacht hatte: Fast alle ehemaligen Lernende kamen zu Besuch. «Das war schon ein schöner Moment», erinnert sich Stübi. «Leider konnten wir nicht alle unsere Lernenden behalten.»

Kein Nachfolger in Sicht

Etwas macht Stübi aber momentan zu schaffen: Wenn sein jetziger Lehrling dieses Jahr abschliesst, dann steht kein Nachfolger für ihn bereit. «Ich glaube einfach, dass der Metzgerberuf leider immer noch einen schlechten Ruf hat», sagt Stübi nachdenklich. «Man denkt dann immer nur an das Bild eines Schlächters». Dabei stimme das so gar nicht. Und Robert Stübi ist nicht nur auf der Suche nach Lernenden.

Er weiss auch noch nicht, wer die «Stübi Metzg» später weiterführen soll. Seine beiden Kinder haben zwar eine passende Ausbildung. «Aber zwingen will ich ja niemanden», sagt Stübi und zuckt die Schultern. Jedenfalls halte er die Augen offen nach einem Nachfolger. Denn seine Metzgerei soll es in den nächsten Jahrzehnten noch geben.
Am 1. Juli feiert die «Stübi Metzg» ihr Jubiläum. Unter anderem mit einem Grillfest neben dem Laden in Matzendorf.