Niemand könnte bei seinem Anblick annehmen, dass Patrick S. (Name geändert) früher ein schweres Drogenproblem hatte. Es war zwar ein langer Weg, bis er «in der Gosse», wie er selbst sagt, landete. Doch der Weg zurück in ein geregeltes Leben war komplizierter. Anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Niederbuchsiter Institution Casa Fidelio blickt der 47-jährige Patrick S. noch einmal auf seine bewegte Vergangenheit zurück. Und darauf, wie er dank der Hilfe vieler engagierter Menschen ein neues Leben beginnen konnte.

Doch wie konnte Patrick S. überhaupt so tief abrutschen? Er selbst beschreibt es als schleichenden Prozess. Er habe sehr oft gekifft, auch während der Banklehre: «Ich erschien morgens bereits mit roten Augen bei der Arbeit, dies schien niemand zu merken. Oder vielleicht interessierte es einfach niemanden», erinnert er sich. Abends sei er manchmal mit Bekannten in Parks herumgehangen. Drogen waren im Umlauf. Da sei es zum ersten Kokain- sowie Heroinkonsum gekommen, zunächst nur am Wochenende und dann häufiger. Patrick S. beschreibt seine damaligen Gefühle: «Die Drogen gaben mir unglücklicherweise das Gefühl der grenzenlosen Geborgenheit, deshalb konnte ich nicht aufhören.»

Süchte wie diese kosten sehr viel Geld. Aber Patrick S. war quasi an der Quelle, als Bankangestellter. Er beschaffte sich die finanziellen Mittel, indem er bei seinem Arbeitgeber kontinuierlich Geld abzweigte und auf sein Konto umbuchte. Wahrlich nicht der gleiche Beschaffungsstress, dem andere Drogenabhängige ausgesetzt sind, dennoch keine Bagatelle. Da es zunächst niemand zur Kenntnis nahm, fühlte er sich relativ sicher, weiterzumachen. Das veruntreute Geld summierte sich schliesslich auf hunderttausende Franken.

Wie es zur Wende kam

Als die unlauteren Banktransfers entdeckt wurden, bekam es Patrick S. mit der Justiz zu tun. «Ich habe mich damals sehr geschämt und tatsächlich behauptet, ich hätte eine Spielsucht.» Er, der das Geld anschliessend jahrelang zurückzahlen musste, konnte nicht zugeben, was sein wirkliches Problem war. Bis zum Gerichtsprozess war noch Zeit, und so ging es mit der Drogensucht weiter. Bislang zog er sich die illegalen Substanzen die Nase hoch, doch das reichte schon bald nicht mehr. Seit Längerem griff er auch zu Spritzen, um sich «noch wirkungsvoller» mit Heroin zu versorgen. Die Wende kam erst, als Patrick S. aufgrund seines Finanzdeliktes verurteilt wurde.

Er hatte die Wahl: entweder ins Gefängnis oder einer gerichtlich-administrativen Einweisung in ein Therapieprogramm zuzustimmen. Er wählte anstelle des «Knasts» die Casa. Hier habe er gelernt, wieder feste Strukturen anzunehmen. «Ich fühlte mich das erste Mal so richtig verstanden», so Patrick S. Für Fabian Müller, Geschäftsleiter Casa Fidelio, ist dieser freie Wille sehr wichtig: «Eigene Motivation ist die beste Voraussetzung für die Therapie.» Die Massnahmen sind umfänglich. So wird den Männern, die in der Regel zwischen 6 bis 18 Monate in der Casa Fidelio bleiben, ein stabiles Umfeld gezeigt und vorgelebt.

Sie sammeln interne Arbeitserfahrungen, können eine Schuldenberatung in Anspruch nehmen, oder werden bei ihrer beruflichen Reintegration unterstützt. Bezahlt werden diese Massnahmen je nach Situation durch das zuständige Sozialamt oder durch den kantonalen Straf- und Justizvollzug.

Und wie geht es Patrick S. heute? 15 Jahre nach seinem Austritt in Niederbuchsiten ist er verheiratet und Vater von zwei Töchtern. Er machte sich im Gesundheitsbereich selbstständig.