Oensingen
20 statt 43 Kurse: Ortbus soll 2017 nur noch reduziert verkehren

Am 27. Juni wird die Gemeindeversammlung zu entscheiden haben, ob das Projekt Ortsbus per Ende 2016 eingestellt oder ob dieser 2017 weiter durch das Dorf rollen wird.

Erwin von Arb
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Ob der Oensinger Ortsbus auch 2017 noch durch das Dorf rollt, entscheidet die Gemeindeversammlung.

Ob der Oensinger Ortsbus auch 2017 noch durch das Dorf rollt, entscheidet die Gemeindeversammlung.

Bruno Kissling

Jährliche Kosten von 257 000 Franken würde der Oensinger Ortsbus verursachen, falls das 2013 gestartete Pilotprojekt nach dem Auslaufen Ende dieses Jahres 2017 weitergeführt wird. Das Angebot beinhaltet von Montag bis Freitag ab dem Bahnhof von 05.48 bis 19.48 Uhr im Halbstundentakt 27 Kurse im Uhrzeigersinn sowie zwei Kurse im Gegenuhrzeigersinn mit Abfahrten um 07.18 und 13.18 Uhr. Dazu kommen 14 Kurse am Samstag zwischen 08.18 und 14.48 Uhr.

Ein solch umfangreiches Angebot sei in der Schweiz einmalig, erklärte Gemeinderat Georg Schellenberg seinen Gemeinderatskollegen bei der Präsentation der möglichen Sparvorschläge für eine allfällige Weiterführung des Ortsbusses. Der Ressortleiter Infrastruktur hatte im Auftrag des Gemeinderates und in Zusammenarbeit mit der PostAuto Schweiz AG günstigere Varianten ausgearbeitet.

Darunter eine, die von Montag bis Freitag während der Hauptverkehrszeiten nur noch 20 Kurse und am Samstag wie bisher 14 Kurse vorsieht. Die Kosten dafür betragen aber immer noch 196 000 Franken, was Schellenberg dazu bewog, auch sämtliche Kurse am Samstag zu streichen. Damit können weitere 19 000 Franken eingespart werden, womit die Gesamtkosten für diese Variante auf 177 000 Franken sinken.

Samstag wird gestrichen

Bei der Diskussion des Geschäfts machte sich Gemeindepräsident Markus Flury stark für eine Weiterführung des Ortsbusses im selben Umfang wie bisher. Dabei verwies er auf die von der PostAuto Schweiz AG erhobenen Zahlen und die Aussicht, dass aufgrund anstehender Bauprojekte die Nutzung künftig noch zunehmen könnte. Im Schnitt wird der Bus aktuell pro Fahrt von 10 Personen benutzt. Die Streichung des Samstags aus dem Angebot sei indessen wegen der relativ schwachen Nutzung verkraftbar, so Flury.

Im Rat setzte sich schliesslich die Meinung durch, der Gemeindeversammlung die Fortführung des Ortsbusses mit dem reduzierten Angebot zu empfehlen. Und begründet dies mit dem Nutzen für die Bevölkerung im oberen Dorfteil, insbesondere für Senioren und Schüler. Für Letztere will der Rat 20 000 Franken für Mehrfahrtenkarten bereitsstellen, zumal Schüler praktisch die Hälfte der Fahrgäste ausmachen. Weiter könne damit den Eltern-Taxis entgegengewirkt werden, wurde erwähnt.

Der Souverän entscheidet

Mit den Schüler-Abos erhöhen sich jährlichen Kosten für die Weiterführung des Ortsbusses auf 197 000 Franken. In der Abstimmung sprachen sich ausser Fabian Gloor sämtliche Ratsmitglieder für die Weiterführung des Ortsbusses mit den erwähnten Reduktionen aus. Gloor warnte vor den finanziellen Folgen für die Gemeinde.

Andere Stimmen betonten, dass es der falsche Moment sei, um den Ortsbus sterben zu lassen. Vielleicht bestehe ja die Chance, dass der Bus in den nächsten Leistungsauftrag des Kantons aufgenommen werde und damit in den Genuss von Subvention komme.

Am 27. Juni wird die Gemeindeversammlung zu entscheiden haben, ob das Projekt Ortsbus per Ende 2016 eingestellt oder ob dieser 2017 weiter durch das Dorf rollen wird.

20% Kostendeckungsgrad sind nötig

Um in den Leistungsauftrag des Kantons für den öffentlichen Verkehr aufgenommen zu werden, ist ein Kostendeckungsgrad von mindestens 20 Prozent nötig. Wird dieser nicht erreicht, hat ein entsprechender Antrag um Aufnahme und damit Subventionen vonseiten des Kantons keine Chance, wie Rolf Allemann, stellvertretender Chef der Abteilung öffentlicher Verkehr, auf Anfrage erklärt. Die Anzahl Kurse zu reduzieren, wie Oensingen dies beim Ortsbus tut, hält Allemann für den richtigen Weg. Mit den verbleibenden 18 Kursen liege Oensingen noch immer über den Vorgaben von Bund und Kanton. Die Chancen, dass der Oensinger Ortbus in den Leistungsauftrag 2018/19 aufgenommen werde, seien intakt – mit dem Vorbehalt, dass der Kantonsrat die Vorlage aus Spargründen zusammenstreiche.

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