Turnen
19-jähriger Wolfwiler erringt sich Schweizer Meistertitel

David Fürst, ein Schüler an der Kantonsschule Solothurn, hat ein herausragendes Talent: Er ist Kunstturner und kann mit der Landesspitze mithalten. In Montreux hat er sich den Schweizer-Meister-Titel an den Ringen geholt.

Philipp Eng
Merken
Drucken
Teilen
Der junge Wolfwiler David Fürst ist Schweizer Meister an den Ringen.

Der junge Wolfwiler David Fürst ist Schweizer Meister an den Ringen.

Philipp Eng

Der Sport und die Ausbildung zählten stets gleichermassen für David Fürst, und so wechselte er nach der Bezirksschule in die Sportklasse an der Kantonsschule Solothurn, zu welcher nur angehende Maturanden mit einer überdurchschnittlichen sportlichen Leistungsreferenz zugelassen werden. Am Morgen geht er zur Schule und die Nachmittage sind für das Training mit dem Kunstturner Verein Solothurn reserviert. So kommt der 19-jährige Turner auf eine Gesamttrainingszeit von ungefähr 25 Stunden pro Woche.

Bedingt durch die schulfreien Nachmittage schliesst Fürst als Sportklässler die Matur in fünf, statt wie normalerweise in nur vier Jahren ab. Nach der Matura, Ende Juni 2014 wird er die Rekrutenschule in Wangen absolvieren, und auch da stellte Fürst ein Gesuch, um auch während der Woche im Dienst Zeit zu erhalten, seine sportliche Basis zu halten. «Auf diesem Niveau zu bleiben sollte möglich sein, ein sportlicher Leistungsaufbau während dieser Zeit ist jedoch eher unwahrscheinlich», gibt Fürst zu bedenken. Er erwartet, dass er während der Rekrutenschule wenig Zeit zur Verfügung haben wird, seinen Trainingsplan weiter einzuhalten.

Die Zukunft des jungen Turners nach dem Militärdienst ist ungewiss. Er sieht zwei Wege: die Karriere im Turnsport und ein Rechtsstudium. Für ihn wäre eine Aufnahme in das Nationalkader ein Grund, das Studium zu verschieben. Ansonsten führt Fürst den Sport natürlich als Hobby neben der Ausbildung weiter. Auch später, mit einem Vollzeitjob, sei ein Sport in dieser Trainingsdichte kaum noch zu praktizieren. 25 Stunden Training pro Woche würden nicht mehr realistisch sein. Den Sport jedoch aufzugeben, kommt für ihn nicht infrage. Vorerst ist Fürst zwar «nur» im erweiterten Nationalkader dabei, den jüngsten Ereignissen zu urteilen, ist jedoch eine Nationalkaderaufnahme wahrscheinlicher denn je.

Familie wird bei Fürst gross geschrieben. Einerseits als starke Unterstützung; sowohl mental als auch als Taxiservice, um an Wettkämpfe zu gelangen. Andererseits: «Es war die Familie, die mir den Turnsport näher gebracht hat. Bereits mein Grossvater war Turner, mein Vater war Turner, und mein Bruder pflegte das Kunstturnen ebenfalls als Hobby», begründet Fürst sein frühes Interesse am Kunstturnen.

Der spezielle Reiz an diesem Sport ist vor allem die Vielfältigkeit und das «Zusammenspiel aus Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Ästhetik». Diese Faktoren müssen an einem Wettkampf immer harmonieren, um erfolgreich zu sein, wie Fürst betont. Für ihn ist der Sport die beste Möglichkeit, seine Emotionen auszuleben. Er erwähnt auch die Schulung von körperlicher Kondition und geistiger Disziplin, was dieser Sport sehr fördere.

«Die Mühen wurden an diesen Schweizer Meisterschaft endlich belohnt», sagt Fürst selber. Mit dem Ziel eines Finalplatzes (unter den besten sechs) war er mit seinem Team nach Montreux angereist. und nach einer durchzogenen Finalqualifikation und einer überragenden Leistung im Final und dem Schweizer Meistertitel wieder abgereist. «Nach dem Sechskampf (Final – Qualifikation), mit welchem ich nicht wirklich zufrieden war, mich aber dennoch in die Finalrunde brachte, hatte ich genug Motivation, in der letzten Runde mein ganzes Können unter Beweis zu stellen.» Dies tat Fürst auch, liess seinen Teamkollegen auf dem zweiten Platz hinter sich und sicherte sich die Goldmedaille an den diesjährigen Schweizer Meisterschaften.

«Dieser Erfolg zeigte mir, dass es mit der Turnerkarriere noch etwas werden könnte und motiviert mich für die Zukunft», sagt Fürst selbstbewusst. Ausserdem sei es eine mögliche Motivation für die jüngeren Turner aus seinem Team, am Ball zu bleiben, oder in diesem Fall an den Ringen. Denn auf genau dieses Gerät hat sich Fürst spezialisiert und damit auch die Goldmedaille an der Schweizermeisterschaft geholt.

Er gibt jedoch zu bedenken, dass man es als Turner mit einer Gerätespezialisierung wie Fürst sehr schwer habe, sich international durchzusetzen, da man eher Mehrkämpfer aufbietet, um beispielsweise an einer Olympiade anzutreten. Fürst arbeitet momentan aber auf ein anderes Ziel hin: die Europa- und Weltmeisterschaft im Jahre 2015 im Einzelgerät–Wettkampf.