Beide Angeklagten sind Mörder: Zu diesem Schluss kommt das Amtsgericht Thal-Gäu in seinem Urteil zum doppelten Tötungsdelikt vom 5. Juli 2012 auf einem Bauernhof in Oensingen. Für das Gericht steht ausser Frage, dass die schreckliche Tat vom angeklagten Vater und dessen Sohn gemeinsam verübt wurde. Das machte Amtsgerichtspräsident Guido Walser am Mittwoch bei der Eröffnung des Urteils deutlich. Der Saal des Obergerichts in Solothurn wurde dabei von der Polizei streng bewacht.

Das sagt Marc Aebi, Anwalt der Opferfamilie, zum Urteil.

Das sagt Marc Aebi, Anwalt der Opferfamilie, zum Urteil.

Sohn wollte Vater decken

Der albanischstämmige Vater hatte stets beteuert, nicht an der Tötung seines damals 26 Jahre alten Schwiegersohns und dessen 52-jährigem Vater beteiligt gewesen zu sein. Diese Version hatte auch sein Sohn bestätigt: Dieser hatte behauptet, er allein habe die zwei Männer mit einem Sturmgewehr und mit einer Pistole erschossen. Auf die Pistole habe er gewechselt, als das Sturmgewehr eine Ladehemmung gehabt habe.

Zur Schiesserei soll es gekommen sein, weil der jüngere Angeklagte seine Schwester aus den Fängen der ebenfalls aus dem Kosovo stammenden Familie ihres Mannes habe befreien wollen. Sie sei dort schlecht behandelt worden. Zur Waffe habe er nur gegriffen, weil er befürchtet habe, dass sein Schwager mit einer vorher aus dem Haus geholten Waffe auf ihn zurenne. Er habe sich bedroht gefühlt.

Alleintäterthese unglaubhaft

Eine solche Bedrohungssituation liess das Gericht nicht gelten, zumal das spätere Opfer keine Waffe mitgeführt hatte, wie Walser dazu festhielt. Als nicht glaubhaft beurteilte das Gericht ferner, dass der Sohn sämtliche Schüsse aus den beiden Waffen abgegeben haben soll. Eindeutig gegen diese Darstellung spreche, so Walser, dass der letzte in der Tatnacht abgegebene Schuss aus dem Sturmgewehr stamme. Getroffen wurde von diesem Projektil der jüngere der beiden Getöteten. Danach sei kein Schuss mehr gefallen.

Roland Winiger, Verteidiger Hauptangeklagter Bekim B., sagt, ob er das Urteil weiterziehen wird.

Roland Winiger, Verteidiger Hauptangeklagter Bekim B., sagt, ob er das Urteil weiterziehen wird.

Bestätigt worden sei das auch von der Schwester des angeklagten Sohnes, die nach der Schiesserei auf den Vorplatz des Hofs gekommen sei, wo sie ihren Bruder mit einem Gewehr habe stehen sehen. Folglich könne dieser nicht auch mit der erwähnten Pistole geschossen haben. Dafür komme nur der Vater infrage, wie das die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift ausgeführt habe. Die Waffe habe ihm der Sohn im Verlauf der Schiesserei gegeben.

«Ein richtiggehendes Massaker»

Für das Gericht steht deshalb fest, dass der 2009 mit seiner Familie vom Kanton Solothurn eingebürgerte IV-Rentner zumindest an der Ermordung des Schwiegervaters seiner Tochter beteiligt gewesen sein muss. Von den neun Kugeln, welche aus kurzer Distanz auf den am Boden liegenden Mann abgefeuert worden seien, stammten deren drei aus der fraglichen Pistole. Walser spricht in diesem Zusammenhang von einem Massaker. Das 52-jährige Familienoberhaupt sei richtiggehend durchsiebt worden.

Auf das Konto des geständigen 26-jährigen Sohnes geht die Schussabgabe auf einen auf dem Hof weilenden Gast. Dass der angeschossene Mann noch lebe, sei eher dem Zufall zu verdanken als der Rücksichtnahme des Täters, so das Gericht.

Das Verschulden der beiden Angeklagten wiegt für das Gericht sehr schwer. Eine Affekthandlung schloss Gerichtspräsident Walser aus. Die Kaltblütigkeit und die an den Tag gelegte Verachtung des menschlichen Lebens seien nicht mehr zu überbieten.

Das sagt Staatsanwalt Martin Schneider zum Urteil.

Das sagt Staatsanwalt Martin Schneider zum Urteil.

Verurteilte gehen vor Obergericht

Der Sohn, der sich im vorzeitigen Strafvollzug befindet, wurde vom Amtsgericht Thal-Gäu wegen Mordes, vorsätzlicher Tötung und versuchten Mordes zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Der vor der Gerichtsverhandlung auf freien Fuss gesetzte Vater wurde wegen Mordes und vorsätzlicher Tötung zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt. Der schuldig gesprochene Vater will das Urteil vor Obergericht weiterziehen, wie er nach der Verhandlung ankündigte. Sein Verteidiger hatte einen Freispruch verlangt.

Einen Weiterzug in Erwägung zieht auch der Anwalt des verurteilten Sohns, weil er sich dadurch ein milderes Urteil erhoffe. Der Verteidiger hatte sieben Jahre Gefängnis wegen mehrfachen Totschlags oder zehn Jahre wegen vorsätzlicher Tötung gefordert.

Mit dem Urteil des Amtsgerichts zufrieden ist Staatsanwalt Martin Schneider, dessen Anträgen das Gericht weitgehend gefolgt ist. Für den Sohn hatte Schneider wegen Mordes 20 Jahre Gefängnis gefordert. Für den Vater hatte der Staatsanwalt wegen Mordes für 18 Jahre hinter Gitter plädiert.

Vater und Sohn haben geschossen

Vater und Sohn haben geschossen