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14 von 51 Sitze gehen an Frauen: Gäuer Gemeinderäte werden männlicher

Im Bezirk gewinnt die SVP zwei Sitze bei den Gemeinderatswahlen. Auch die Anzahl Unabhängiger nimmt zu. Die Analyse.

Rahel Bühler
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Gestern hat das Gäu 51 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte gewählt. Nur Kestenholz wählt erst am 13. Juni.

Gestern hat das Gäu 51 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte gewählt. Nur Kestenholz wählt erst am 13. Juni.

Peter Brotschi

51 neue Gemeinderätinnen und Gemeinderäte galt es am Sonntag im Gäu zu bestimmen. Ausser Wolfwil haben alle Gemeinden sieben Gemeinderäte. Über alle sieben Gemeinden gesehen gibt es folgende Erkenntnisse: Die Gäuer Gemeinderäte werden ein bisschen männlicher. Bei den Wahlen 2017 schafften 16 Frauen den Sprung in die Kommunalregierungen. Heuer sind es 14. Ausserdem wurden sieben Leute mit Jahrgang 1993 und jünger gewählt. Nun die Gemeinden im Detail:

In Egerkingen bleibt fast alles beim Alten: Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi (FDP) holt mit 721 am meisten Stimmen. Vor vier Jahren schnitt sie mit 899 Stimmen jedoch besser ab. In der neuen Legislatur, die am 1. August beginnt, ist sie die älteste Gemeinderätin in der Amtei. Unverändert bleibt in Egerkingen auch die Sitzverteilung: Vier gehen an die FDP, zwei an die CVP und einer an die SVP. Als Überraschung kann man jedoch die Wahl von Polit-Newcomer Alban Rudaj bezeichnen. Der 35-Jährige stammt ursprünglich aus Kosovo und hat 387 Stimmen geholt.

Nach dem Rücktritt von Härkingens Gemeindepräsident Daniel Nützi war klar: Die CVP dürfte es schwierig haben, ihre beiden bisherigen Sitze zu halten. Zu stark wiegt der Abgang ihres Zugpferds. Das hat sich am Sonntag bestätigt: Die Freie Liste gewinnt einen Sitz und kommt so nun auf total vier. Die CVP holt, wie die FDP und die SVP, noch vier Sitze. Am meisten Stimmen hat der bisherige Vizegemeindepräsident, André Grolimund, von der Freien Liste erzielt. Mit der GLP ist in Härkingen eine neue Partei angetreten. Mit Markus Oegerli stieg der Amteipräsident selbst ins Rennen. Er verpasste die Wahl allerdings.

Bei den letzten Wahlen im Jahr 2017 gab es in Neuendorf stille Wahlen. Heuer traten acht Kandidierende an. Die SVP, die in der ablaufenden Legislatur nicht im Gemeinderat vertreten war, holt einen Sitz: André Müller erreicht 386 Stimmen. Mit 686 vereint aber Meinrad Müller von der CVP am meisten Stimmen auf sich. Auffallend: Die CVP holt total 1917 Stimmen. Das sind 414 Stimmen mehr, als die FDP hat.

Auch in Niederbuchsiten gab es 2017 stille Wahlen. Damals traten alle sieben zukünftigen Gemeinderäte auf einer gemeinsamen Liste der CVP und der FDP an. Dem ist auch heuer so. Nur heisst die Liste jetzt Freie Liste. Neu ist auch, dass sie nicht mehr alle sieben Räte stellt. Die SVP holt sich einen Sitz. Simon Hafner erzielt 164 Stimmen. Dies kann als Sensation angesehen werden, denn der 21-jährige Student hat bisher keine politische Erfahrung. Nun wird Hafner der jüngste Gemeinderat in der Amtei Thal-Gäu sein. Am meisten Stimmen in Niederbuchsiten hat der Bisherige Mario Baumgartner erreicht. Es sind deren 384.

In Oberbuchsiten verbucht die neugegründete Wahlplattform #myBuchste einen Erdrutschsieg: Sie holen auf Anhieb fünf der sieben Sitze. Jonas Motschi holt auch am meisten Stimmen. Die FDP verliert dagegen drei Sitze und holt nur noch fünf. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass Motschi und Mario Siegenthaler bei den Wahlen vor vier Jahren für die CVP respektive die FDP antraten. Überraschend hat das Oberbuchsiter Stimmvolk seinen bisherigen FDP-Gemeinderat Robert Gurtner abgewählt.

Fabian Gloor holt in Oensingen mit 1069 Stimmen am zweitmeisten in der ganzen Amtei. Nur Freddy Kreuchi von der FDP Balsthal hat mehr. Das gute Abschneiden des Oensinger Gemeindepräsidenten ist ob seiner Bekanntheit keine Sensation. Ein Politcomeback gibt Martin Rötheli. Der CVP-Vertreter war bereits von 2005 bis 2010 im Oensinger Gemeinderat und von 2001 bis 2013 im Kantonsrat. Zudem war er vor mehreren Jahren als Finanzverwalter in Oensingen tätig. Später übte er dieselbe Position auch in Aarwangen aus. An seiner Stelle abgewählt wurde Massimo Santucci von der CVP. Er rückte im Februar 2020 für die zurückgetretene Selina Hänni in den Gemeinderat nach. Mit der Wahl von Dirk Weber holt die grünliberale Partei den einzigen Sitz in der gesamten Amtei. Weber ist seit Dezember 2020 Mitglied der Grünliberalen. Vorher gehörte er der FDP an und war für sie im Gemeinderat vertreten.

Wolfwil veranstaltete zum ersten Mal seit acht Jahren wieder ordentliche Wahlen. Offenbar scheint das Wahlvolk mit dem Kurs des bisherigen, still gewählten Gemeinderats einig zu sein: Es wählt wiederum fünf FDP-, drei CVP- und einen SVP-Vertreter. Gemeindepräsident Georg Lindemann von der FDP holt mit 682 Stimmen am meisten.

Die Gemeinde Kestenholz wählt ihren neuen Gemeinderat am 13. Juni.