Die vom Islamischen Staat (IS) ins Internet gestellten Gräuelbilder von bestialisch hingerichteten Opfern haben auch die Klassenzimmer der Kreissschule Gäu erreicht.

Konkret geht es um ein Video, das ein Schüler der 7. Klasse auf sein Handy geladen und danach an andere Schüler in der Kreisschule weiter geleitet hat. Auf dem Video ist zu sehen, wie einem Mensch vor laufender Kamera auf barbarische Weise mit einem Messer der Kopf abgeschnitten wird.

Mitläufer droht mit Video

Das von einem 13-jährigen Schüler heruntergeladene Video wurde in der Folge von einem 12-jährigen Mitschüler benutzt, um einem Klassenkameraden Angst zu machen. Er drohte ihm, dass es ihm auch so gehen könnte wie dem vom IS-Henker umgebrachten Mann. Weil sich der bedrohte Schüler darauf der Schulsozialdienstleiterin anvertraute, flog der Fall schliesslich auf.

«Wir haben sofort reagiert und die Jugendpolizei eingeschaltet», erklärt Schuldirektor Christoph Kohler auf Anfrage. Der Austausch von Videos mit gewalttätigem und pornografischem Inhalt innerhalb der Schülerschaft werde nicht toleriert. «In jedem Fall werden die strafuntersuchenden Behörden davon in Kenntnis gesetzt», betont Kohler.

Jugendpolizei relativiert

Marcel Dubach von der Jugendpolizei der Kapo Solothurn bestätigt Kohlers Aussagen. «Wir arbeiten sehr eng mit der Kreisschule Gäu zusammen und haben einen guten Austausch untereinander» so der Dienstchef. Bezüglich des Videos warnt Dubach vor einer allzu strengen Beurteilung. Er glaube nicht, dass sich die Jugendlichen an diesen Gewaltszenen erlaben würden. «Dabei geht es oft vielmehr um Mutproben unter Jungen, die so herausfinden wollen, wer sich getraut, so etwas anzuschauen. Ich bin überzeugt, dass sich die Buben solche Szenen höchsten einmal ansehen», bemerkt Dubach.

Der Leiter der Jugendpolizei spricht von vier bis fünf Schülern, die in den Fall verwickelt seien. In den Gesprächen habe sich die ganze Sache relativiert, auch die erwähnte Drohung. «Es ist schnell etwas geschrieben, was eigentlich gar nicht so gemeint war», gibt Dubach zu bedenken. Die Jugendlichen seien sich oft der der Tragweite ihres Tuns nicht bewusst.

Allerdings sei es eher selten, dass die Jugendpolizei wie im Fall der Kreisschule Gäu wegen Gewaltdarstellungen aktiv werden müsse. Häufiger sind gemäss Dubach pornografische Bilder und Videos, welche via Handy die Runde machten. Strafrechtlich relevant seien in diesem Zusammenhang oft pornografische Darstellungen mit Tieren. An solche im Netz zu kommen, sei kein Problem.

Mädchen nur am Rande betroffen

Pornografische Inhalte werden ebenfalls vor allem von Schülern auf das Handy heruntergeladen und dann in der Gruppe ausgetauscht, wie Dubach aus Erfahrung weiss. Mädchen seien erst dann betroffen, wenn solche Bilder oder Videos ungefragt auf ihre Handys geschickt würden. Die Jugendpolizei suche unabhängig vom Fall das Gespräch mit den Jugendlichen. Dabei werde praktisch in allen Fällen eine einvernehmliche Lösung gefunden, inklusive dem Löschen der Daten auf den Handys.

Klärende Gespräche gab es offenbar bereits mit den involvierten Jugendlichen der Kreisschule Gäu. Der Chef der Jugendpolizei sieht keinen Grund, den Fall zu dramatisieren. Die Vorgänge an der Kreisschule Gäu seien im Vergleich mit anderen Schulen nicht schwerwiegend, auch wenn es sich um ein beispiellos brutales Video handle. Vor etwa einem Jahr seien viel mehr solcher Bilder und Videos auf Handys von Schülern gefunden worden.

Schulbetrieb läuft normal weiter

Vor dem Gesetz werden sich die Jugendlichen nun für die Verbreitung von Gewaltdarstellungen zu verantworten haben, einer von ihnen zusätzlich wegen schwerer Drohung. Mit harten Sanktionen müssen die Schüler allerdings nicht rechnen, weil sie noch der Jugendstrafgesetzgebung unterstehen. Im Raum stehen Verwarnungen, Arbeitseinsatze oder erzieherische Massnahmen, wie die Leitende Jugendanwältin Barbara Altermatt erklärt. Mehr könne sie zum aktuellen Fall nicht sagen, weil sie noch nicht im Besitz der Akten sei.

Noch keine Sanktionen gegen die betroffenen Schüler ausgesprochen hat die Kreisschule Gäu, wie Schuldirektor Christoph Kohler erwähnt. «Wir warten zuerst einmal das Urteil der Jugendanwaltschaft ab, danach werden wir entscheiden, wie in der Sache weiter verfahren wird.» Die involvierten Schüler besuchen übrigens wie gewohnt den Unterricht in ihren Klassen. «Die Schulleitung ist zur Auffassung gelangt, dass die Schüler nicht wussten, was sie taten und von ihnen keine Gefahr ausgeht», so Kohler.