Balsthal
12 Wohngruppen für 30 Millionen: Im Thal soll ein Demenzzentrum entstehen

Die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu hat die Hunzikerwiese eingangs Balsthal als besten Standort für den Neubau eines überregionalen Demenzzentrums auserkoren. Bis 2021 sollen dort zwölf Wohngruppen für 30 Millionen Franken entstehen.

Rahel Bühler
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Auf der Hunzikerwiese zwischen der Lindenallee (links) und dem Bahndammweg (rechts) will die GAG ein Demenzzentrum realisieren.

Auf der Hunzikerwiese zwischen der Lindenallee (links) und dem Bahndammweg (rechts) will die GAG ein Demenzzentrum realisieren.

Bruno Kissling

Der 31. März 2021 ist die Deadline für das Demenzzentrum Stapfenmatt in Niederbuchsiten. Dann nämlich läuft die Betriebsbewilligung für das Zentrum aus. Aus diesem Grund hat sich die Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG) mit möglichen Nachfolgelösungen beschäftigt. Denn: «Der Bedarf an Betreuungs- und Pflegeplätzen für Menschen mit Demenz wird in den kommenden Jahren weiter ansteigen», erklärte Unternehmensberater Patrick Scarpelli an der Generalversammlung der GAG.

Mit Thaler Gemeinden im Gespräch

Seit 2016 wurden diverse Gespräche mit den Gemeindepräsidentenkonferenzen der beiden Bezirken Gäu und Thal geführt, mit dem Ziel ein überregionales Demenzzentrum zu errichten. Anfangs seien die Gespräche noch etwas harzig verlaufen, mittlerweile stünden die Zeichen auf «eine mögliche erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Thalern Gemeinden», wie GAG-Präsidentin Johanna Bartholdi bemerkte. An der Generalversammlung wurde nun ein möglicher Standort für dieses Projekt vorgestellt: Es ist die Hunzikerwiese in Balsthal.

Als erster Schritt auf dem Weg zum neuen Demenzzentrum wurde ein Businessplan erstellt, in welchem der Bedarf einer solchen Institution geprüft wurde. Diese ergab, dass 2030 im Thal und im Gäu eine Nachfrage von 120 Betreuungsplätzen bestehen soll. Die «Stapfenmatt» bietet derzeit 25 Plätze an. Im Anschluss wurden die Gemeinden sowohl im Thal, als auch im Gäu, als auch einige Gemeinden im Bezirk Olten kontaktiert. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurden elf mögliche Standorte von Wangen bis Welschenrohr geprüft und dann auf deren vier reduziert.

Ideal für überregionales Zentrum

«Diese Parzelle in Balsthal ist ideal, weil sie infrastrukturell gut gelegen ist, über eine sehr gute Verkehrsanbindung verfügt und in der Zone für öffentliche Bauten steht.» Patrick Scarpelli, Unternehmensberater

«Diese Parzelle in Balsthal ist ideal, weil sie infrastrukturell gut gelegen ist, über eine sehr gute Verkehrsanbindung verfügt und in der Zone für öffentliche Bauten steht.» Patrick Scarpelli, Unternehmensberater

Zur Verfügung gestellt

Am Ende standen noch Parzellen in Egerkingen, Niederbuchsiten, Wolfwil und Balsthal zur Auswahl. Das Rennen machte schliesslich der Hauptort des Thals. Genauer: die Hunzikerwiese eingangs Balsthal. «Diese Parzelle in Balsthal ist ideal, weil sie infrastrukturell gut gelegen ist, über eine sehr gute Verkehrsanbindung verfügt und in der Zone für öffentliche Bauten steht», erklärte Patrick Scarpelli. «Aus diesem Grund ist diese Parzelle unser präferierter Ort für das überregionale Demenzzentrum.» Gegen diesen Standort sprechen würden lediglich die Gestaltungsplanpflicht und die hohe Verkehrsbelastung, da die Parzelle an der Hauptstrasse liegt. Mit der Idee, das Zentrum in einen Park einzubetten, könne dem Lärm aber sicherlich etwas aus dem Weg gegangen werden, so Scarpelli.

«Die Investitionspauschale wird aus dem Cashflow der GAG bezahlt. Die beteiligten Einwohnergemeinden werden nicht zur Kasse gebeten.» Johanna Bartholdi, Präsidentin der GAG

«Die Investitionspauschale wird aus dem Cashflow der GAG bezahlt. Die beteiligten Einwohnergemeinden werden nicht zur Kasse gebeten.» Johanna Bartholdi, Präsidentin der GAG

Die Investitionspauschale für das neue Demenzzentrum beläuft sich auf 30 Millionen Franken. «Dieser Betrag wird aus dem Cashflow der GAG bezahlt. Die beteiligten Einwohnergemeinden werden nicht zur Kasse gebeten», betont GAG-Präsidentin Johanna Bartholdi und ergänzt: «Beteiligungen sind jedoch möglich.» Wenn alles nach Plan verläuft, soll das Demenzzentrum Ende 2021 stehen.

Erstrecken soll sich das Demenzzentrum auf einer Fläche von etwa 7000 bis 14 000 Quadratmetern. Vorgesehen sind zwölf verschiedene Wohngruppen. Sieben davon für Menschen mit Demenz, zwei für Menschen mit kognitiven Behinderungen, wie beispielsweise Trisonomie 21. Weitere zwei Wohngruppen sind für «begleitetes Wohnen für Menschen mit Demenz» angedacht und eine Weitere als «Tages- und Nachstätte für Menschen mit Demenz». Die Philosophie des Demenzzentrums soll auf dem Normalitätsprinzip beruhen: «Wir wollen Normalität, Wohngruppen, Betreuung und Alltagsgestaltung anbieten», meinte Scarpelli zu den Plänen der GAG.

Rechnung einstimmig gutgeheissen

An der Generalversammlung, welche im Sunnepark in Egerkingen stattfand, stand neben der beschriebenen Nachfolgelösung für die «Stapfenmatt» auch die Jahresrechnung 2016 der GAG auf der Traktandenliste. Sie schliesst mit einem Plus von 49 688 Franken ab und wurde von den sieben anwesenden Delegierten der Gäuer Gemeinden einstimmig angenommen.

«Für Balsthal und die Region ein wichtiges Projekt»

Gemeindepräsident Roland Stampfli regierte erfreut auf die Absichtserklärung der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu (GAG), das neue Demenzzentrum in Balsthal zu realisieren. «Von diesem Projekt würden Balsthal und das Thal profitieren, es wäre ganz klar eine Aufwertung für die gesamte Region», sagt Stampfli mit Blick auf die rund 100 Arbeitsplätze für das geplante Demenzzentrum. Dieser Auffassung sei auch der Gemeinderat, welcher auf Anfrage der GAG die Hunzikerwiese als möglichen Standort vorgeschlagen habe. Dieses Areal und das daran angegliederte ehemalige von-Roll-Land sind rund 21 000 Quadratmetern gross und befindet sich im Eigentum der Gemeinde. Der Gemeinderat werde an seiner nächsten Sitzung über das weitere Vorgehen in dieser Sache beraten, so Stampfli. Es gebe noch viele offene Fragen, wie etwa das Finanzierungskonzept der GAG und wie sich Balsthal daran beteiligen soll. Eine Variante wäre der Beitritt der Gemeinde zur GAG. «Schliesslich arbeiten wir ja künftig zusammen», bemerkt Stampfli. Möglich sei aber auch eine Abgeltung mit der Zurverfügungstellung des Baulandes. Das letzte Wort, ob auf der Hunzikerwiese dereinst ein Demenzzentrum entstehen soll, wird die Gemeindeversammlung haben. (eva)

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