«Ich hörte im Radio auf der Rück-kehr vom Langlaufen in Kandersteg vom Entscheid des bernischen Regierungsrats, dass Burgdorf die Fachhochschule verlieren soll», sagt Willi Lindner. Der Schulleiter der in Grenchen domizilierten Höheren Fachschule für Technik des Kantons Solothurn (HFT) handelte so schnell, wie er im Sommer jeweils als Läufer Langstrecken abrennt. Die HFT steckt selber in einem Fusionsprojekt mit den zwei Technikerschulen in Biel (siehe Artikel rechts).

Schon am nächsten Tag verbreitete Lindner in einem Rundschreiben seine Vision (siehe gestrige Ausgabe): «Die Teilkonzentration der Berner Fachhochschule in einem Campus in Biel bietet uns die Chance, das in Burgdorf entstehende Vakuum zu füllen und dorthin zu expandieren.» Abgesprochen habe er mit niemandem etwas. «Aber wir könnten die in Burgdorf vorhandene Infrastruktur gut nutzen», sagt Lindner. Das Potenzial sei gross. «Es gibt viele Junge, die keine Fachhochschule absolvieren möchten oder können, die sich aber technisch weiterbilden müssen. Auch deshalb, weil immer mehr so genannte einfache Arbeitsplätze wegfallen.»

Es gibt immer wieder Lösungen

Sie habe von Lindners Idee gehört, sagt die Burgdorfer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch (SP). «Es freut mich wahnsinnig, dass man in anderen Kantonen sieht, wie gut der Standort Burgdorf ist.» Lindners Vision zeige ihr auch, dass es immer wieder Lösungen gebe: «Die Ansiedlung der Technikerschule in Burgdorf kann allenfalls eine sein, muss aber nicht», sagt Zäch. Vorerst konzentriere sie sich auf die Suche nach Wegen, wie der Regierungsentscheid zu kippen sei. «Die Empörung und Konsternation in Burgdorf, ja im ganzen Emmental und im Oberaargau, ist riesig.» Das wisse sie aus den vielen Reaktionen. «Die Leute sind oft trauriger als ich, ich bin eher kämpferisch.»

Sie erachte die Chancen als gut, dass der Regierungsentscheid politisch wieder gekehrt werden könne und Burgdorf zusammen mit Bern und Biel Standort der Berner Fachhochschule (BFH) bleibe. Dass sechs SVP-Grossräte bereits vergangene Woche mit einer Dringlichen Motion vorgeprellt sind, könne sie gut verstehen. «Ich helfe auch gerne bei der Überweisung der Motion mit, möchte aber nicht, dass das Thema ein parteipolitisches wird. «Wenn schon, dann ist es ein regionalpolitisches.»

Erst nach einem Scheitern

Gemeinsam mit Zäch überlegt sich auch Samuel Leuenberger, Präsident der Region Emmental und BDP-Grossrat, einen Vorstoss. «Wenn wir Erfolg haben wollen, so müssen wir unbedingt möglichst alle Fraktionen einbinden», sagt Leuenberger. Lindners Vision kommentiert der Trubschacher Rechtsanwalt so: «Erst dann, wenn wir mit dem Erhalt von Burgdorf als BFH-Standort scheitern sollten, müssen wir uns nach Alternativen umsehen. Die Technikerschule wäre dann zu prüfen.»