Während gestern bekannt wurde, dass das Classic Openair mit Iris Kofmehl eine neue Leiterin gefunden hat, die im kommenden Jahr ihr Amt antreten wird (siehe auch Kontext), geht bei den Verantwortlichen der Filmtage noch die Suche erst richtig los. Christine Beerli, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft Solothurner Filmtage und damit «Chefin» des neuen Chefs, meinte dazu: «Wir sind jetzt daran, ein Stellenprofil für den möglichen Kandidaten oder die Kandidatin zu erstellen. Auf keinen Fall dürfen wir uns darauf versteifen, einen ‹Kummer-Klon› suchen zu wollen.»

In dieser Aussage ist angetönt, wo die besondere Herausforderung liegt, den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Ivo Kummer zu finden, der die Filmtage nach dem Gründer Stephan Portmann 22 Jahre lang geführt und geprägt hat. Die Person muss vom schweizerischen Filmbusiness vor und hinter den Kulissen viel Wissen mitbringen, sie muss aber auch viel Sympathie für die Stadt und Region Solothurn aufweisen und sich mit den Verhältnissen hier auskennen. Solche Gedanken hegt sicher auch Stadtpräsident Kurt Fluri, der anlässlich der Verleihung des diesjährigen Prix de Soleure am Schluss der Filmtage sagte: «Dass die Filmtage in diese Stadt, nach Solothurn, gehören, ist mittlerweile kein Diskussionsthema mehr.» Er sprach die Hoffnung aus, dass Kummer der Filmschau noch lange erhalten bleibe.

Leiterin gefunden

Auch Ivo Kummer selbst erwähnte, als er im vergangenen Dezember vage durchblicken liess, dass er sich für das frei werdende Amt als Filmchef im Amt für Kultur beworben habe, dass es halt schon ein grosser Wunsch wäre, einen Nachfolger zu finden, der sich in Solothurn auskennt. Doch sagte er damals auch, man habe bei den Filmtagen vor einigen Jahren einen Generationenwechsel vollzogen und damit die Spaltung des Direktoriums in eine administrative und in eine künstlerische Abteilung eingespurt.

Ein Modell also, wie es dem Classic Openair im vergangenen Herbst zum Verhängnis wurde. Glücklicherweise konnte nun eine neue Leiterin gefunden werden.

Akteure versöhnen

Machen es die Solothurner Filmtage besser? Hier geht es jetzt darum, in den kommenden Wochen einen künstlerischen Leiter zu finden. Ivo Kummer wird maximal bis Ende Juli noch in Solothurn weiterarbeiten. Die administrative Leitung wird man voraussichtlich Daniel Fuchs voll und ganz übertragen, der seit 2008 als Leiter der Geschäftsstelle fungiert.

Für Ivo Kummer selbst könnte der Abgang nach Bern zu keinem besseren Zeitpunkt erfolgen. Noch nie waren die Filmtage beim Publikum, bei den Filmschaffenden und bei den Kritikern auf so positive Resonanz gestossen. Etwas von dieser positiven Ausstrahlung nach Bern zu bringen und dort die zerstrittenen Akteure im Kampf um Film-Fördermittel wieder zu versöhnen, das wird Kummers Herkules-Aufgabe sein.

Erhält Solothurn genug Geld?

Doch wie könnten nach Kummer die Filmtage Solothurn aussehen? Endlich mehr Stars und mehr Glamour. Das könnte man sich vorstellen. Denn es ist bekannt, dass Kummer ein Gegner solcher Star-Aufläufe war und dies möglicherweise auch ausschlaggebend dafür war, dass die Verleihung des Schweizer Filmpreises nicht mehr in Solothurn, sondern im KKL in Luzern über die Bühne geht. Vielleicht könnte ein neuer Direktor versuchen, diesen medienwirksamen Anlass wieder in die Ambassadorenstadt zurückzuholen und die Filmtage vom «Mief» der 68er zu befreien, der in manchen Köpfen immer noch herumspukt. Das aber, ohne die Schweizer Filmwerkschau zum Tummelplatz der Eitelkeiten werden zu lassen. Film lebt nun einmal auch von Starkult und Starruhm, das macht das noch junge Zürcher Filmfest den Solothurnern vor. Es gäbe eine Reihe international bekannter Schweizer Stars, denen eine Hommage in Solothurn zustehen würde.

Was kann Solothurn für den neuen Filmtage-Direktor oder die -Direktorin tun? Sicher die Unterstützung und den Goodwill der Einheimischen und die hohe Leistungsbereitschaft einer professionellen und milizionären Filmtage-Crew. Dazu gehört auch die finanzielle Unterstützung von Stadt und Kanton sowie zweier treuer Sponsoren, der Schweizerischen Post und Swiss Life. Und wer weiss, vielleicht ist es gerade nach Kummer möglich, einen Ersatz für den weggefallenen dritten Sponsor ins Boot zu holen. Jetzt, da eine frische, positive Brise durch die kalten Solothurner Filmtage und -nächte weht.