«Mir si scho cheibe schtouz uf üses nüe Lager, dasch e gueti Sach worde», freut sich Käsermeister Stoll. Von aussen präsentiert sich die um- und angebaute Käserei Reckenkien mit zwei neuen Anbauten in einem knalligen Rot – rechts das neue Käselager, links der Anbau für die Auslieferung und das Materiallager. Ein acht Meter langes Firmenschild mit dem Aufdruck «Käserei Reckenkien» – flankiert vom Logo des Naturparks Thal und dem «so natürlich»-Sujet – markiert Präsenz. Diejenige Präsenz, die notwendig ist, um heute im hart umkämpften Markt bestehen zu können.

Innovation und Mut

Der Erfolg der Käserei Reckenkien kam aber nicht von alleine. Im Jahr 1992 zog Käsermeister Stoll mit seiner Familie ins solothurnische Mümliswil, wo er die Pacht des Käsereibetriebes von Xaver Wermelinger übernahm. Josef Fluri, der heute als Teilhaber auftritt, befand sich damals noch in der Lehre. Produziert wurde ausschliesslich Greyerzer. «Bereits nach zwei Jahren machten wir erste Experimente mit neuen Käsesorten», erklärt Stoll. Die bekannteste ist bis heute das «Passwang-Mutschli», ein gluschtiger Halbhartkäse. Dann folgte der «Mannechäs», der wegen seines hohen Fettgehaltes und der Würze eben vorwiegend von Männern bevorzugt wird und leider nicht die ihm inzwischen angedichteten erotischen «Verbesserungen» bringt.

Ein weiteres Erfolgsprodukt ist der «Hoselupf», ein würzig-leckerer Hartkäse. Daneben werden aber auch Natur- und Fruchtjoghurts produziert, die vorwiegend in der Region Thal verkauft werden. Hauptbestandteil der Produktion ist aber immer noch der Greyerzer, der sich sogar mit dem Gütesiegel «AOC» schmücken darf. «Da im Reckenkien schon immer Greyerzer produziert wurde, gelten wir quasi als ‹Filiale›, und somit durften auch wir das ‹AOC› übernehmen.» Für Käsermeister Stoll ist dies ein klarer Vorteil gegenüber der Konkurrenz im Ausland, denn Greyerzer werde dort nicht produziert und wie der Emmentaler billig importiert.

Ausbau drängte sich auf

Jeden Tag wird die Milch von den Landwirten aus dem Reckenkien morgens und abends angeliefert. «Wir wollten uns mit diesen zwei Anlieferungen den gewerblichen Charakter erhalten», meint Stoll dazu. Waren es vor wenigen Jahren noch 750000 Kilo Milch, die jährlich angekarrt wurden, sind es heute bereits 1,25 Millionen Kilogramm. Daraus entstehen jeden Tag fünf bis acht Laibe Greyerzer, die zwischen 33 und 36 Kilo wiegen, sowie die genannten weiteren Produkte.

Am 1. Januar 2009 kaufte das Käsereiteam den Betrieb von der Käsereigenossenschaft Reckenkien ab. «Die Genossenschaft blieb aber bestehen, somit haben wir nur einen Ansprechpartner, wenn es um den Milchpreis geht – und wir bezahlen hier oben den Höchstpreis», so Stoll weiter. Dafür dürfen die Bauern aber auch kein Silofutter verfüttern und müssen auch sonst strenge Regeln einhalten. Die hohe Qualität der Reckenkiener Produkte machte bald die Runde, und so konnte Stoll seinen Abnehmerkreis kontinuierlich vergrössern.

Der grosse Durchbruch kam aber nach der Labelübergabe für den Naturpark Thal. «Die Verantwortlichen des Naturparks gelangten an uns, weil Coop an Produkten aus dem Naturpark Thal interessiert war», erzählt Stoll begeistert. Auf einen Schlag konnten Stoll und sein Team das Passwang-Mutschli sowie den Hoselupf platzieren, die nun in der ganzen Nordwestschweiz erhältlich sind. «Dadurch erreichten wir aber auch bald einmal unsere Kapazitätsgrenzen in der Käsereifung, und wir mussten den Käse oftmals für die Ausreifung zu einem unserer Partner transportieren», ist von Stoll zu erfahren. Ein Umstand, der nicht nur Geld kostete, sondern sich auch manchmal auf die Qualität auswirkte.

Tagder offenen Tür in der Käserei Reckenkien oberhalb Mümliswil, Samstag, 17. September 2011 von 11 bis 22 Uhr.