Statt zu Ende ist jetzt die Halbzeit der Feier

Stadtschreiber Hansjörg Boll blickt zurück und voraus auf das Jubiläumsjahr. Zudem steht fest: 2022 wird nicht mehr weitergefeiert.

Fabio Vonarburg
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Eigentlich wäre die Jubiläumslaterne jetzt erloschen, die Stadt Solothurn hätte ihren 2000. Geburtstag somit ausgefeiert. Doch eben nur eigentlich. In diesem Jahr lief so vieles anders als erwartet – die Jubliäumsfeierlichkeiten der Stadt Solothurn bildeten da keine Ausnahme.

Denn statt dass die ­Laterne im Zuge der geplanten Gemeindeversammlung vom letzten Dienstag ausgelöscht worden wäre, fand die Gemeindeversammlung wegen Corona gar nicht statt. Und die Laterne? Die leuchtet weiter. Derzeit in der Schalterhalle der Einwohnerdienste an der Barfüssergasse. So wie die gesamte Sause zum 2000. Geburtstag der Stadt weitergehen wird. Respektive weitergehen soll.

Zwar stehen die meisten Termine für 2021, doch ob und wie sie durchgeführt werden können, steht wegen der Pandemie noch in den Sternen. «Wir leben in einer Zeit, in der man flexibel sein muss», sagt Stadtschreiber Hansjörg Boll, der «Tätschmeister» der Feierlichkeiten, der in diesem Jahr viele Absagen vermelden musste. Zum Beispiel wurde die Buchvorstellung «Stadtgeschichte Solothurn» bereits schon zwei Mal verschoben. Das dritte Datum steht noch nicht fest. «Wir haben gelernt», lacht Boll.

Wie ein Essen, das nach der Vorspeise zu Ende ist

Das Jubiläumsjahr sei teils demotivierend gewesen, erzählt der Stadtschreiber weiter. Es sei viel angenehmer, etwas zu planen, das dann auch stattfinden kann. «Es war, als hätte man ein grosses Essen für Freunde organisiert, und muss es nach der Vorspeise beenden». Die Vorspeise, das war in Bezug auf die 2000 Jahre Feierlichkeiten der Stadt die Kick-off-Veranstaltung am 1. Januar. Diese sei auf ein erfreuliches Echo gestossen, wie auch die Sondermarke, die innert kürzester ausverkauft war. Danach kam die Coronakrise in Fahrt, die Feierlichkeiten wurden nach und nach abgesagt, respektive ins Jahr 2021 verschoben. Nur noch einzelne Events konnten tatsächlich durch­geführt werden. Wie etwa die Buchvernissage «2000 Jahre Solothurn» Anfang Juli – mit Maske. Oder die Kunstausstellung Zart, wie auch die HESO-­Sonderschau, die beide auf ein ähnliches Konzept setzten.

Beide nutzten die Stadt als Ausstellungsraum. Zart war von Anfang an so geplant, die Sonderschau schwenkte kurzfristig auf dieses Konzept um, nachdem klar war, dass die HESO vor­aussichtlich nicht stattfinden kann. Dabei habe sich gezeigt, dass dieses Konzept funktioniere, sagt Boll. So habe man beinahe keine Vandalenakte regis­triert: «Darum wollen wir auch künftig solche dezentrale Anlässe ermöglichen.» Boll betont, dass das Jubiläumsjahr trotz der vielen Absagen eine positive Auswirkung auf Solothurn hatte. Wegen des Jubiläums sei in den Medien viel über die Stadt berichtet worden. «Ich bin überzeugt, dies war mit ein Grund, dass im Sommer so viele Touristen nach Solothurn kamen.»

Nun soll 2021 das Fest weitergehen. Die Stadt kann jedoch nicht zu lange abwarten, ob die beiden grossen Anlässe, das historische Stadtfest (21. und 22. August) und das Open Air auf der Treppe der St.-Ursen-Kathedrale (3. bis 5. September) durchgeführt werden können. «Bis Ende März müssten wir das Signal haben, dass es geht», sagt Boll. Ansonsten riskiert die Stadt, Geld für nichts auszugeben. Für die beiden Feste sind eine halbe Million Franken veranschlagt. Fest steht, egal wie sich die Pandemie weiter entwickelt: 2022 wird der runde Geburtstag nicht mehr weitergefeiert. «Dann wären die Feierlichkeiten zu sehr verzettelt», führt Boll aus. Offen lässt sich die Stadt allerdings, ob sie bei einer erneuten Absage 2021, in einem anderen Jahr ein Stadtfest organisieren wird. Dann aber losgelöst von 2000 Jahre Solothurn.